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Borussia Mönchengladbach
Max Eberl - der Krisen-Manager

Das ist Max Eberl
Das ist Max Eberl FOTO: dpa, mb tba
Sevilla. Borussias Katastrophen-Spiel gegen den HSV, dann ein Autounfall, bei dem er ein Schleudertrauma erlitt - dennoch zeigt der Manager in der schweren Zeit Präsenz. Und sagt: "Wir sollten uns trotzdem auf die Champions League freuen." Von Stefan Klüttermann

Es sind schmerzliche Tage für Max Eberl. Borussias kapitaler Fehlstart mit vier Niederlagen am Stück nagt am Sportdirektor, aber das ist es nicht nur, was ihm zu schaffen macht. Am Samstagnachmittag hatte er in Frankfurt einen Autounfall, als er auf dem Weg zum Spiel der Eintracht gegen den 1. FC Köln war. Eberl erlitt ein Schleudertrauma. Abends war er aber nun mal im ZDF-Sportstudio eingeladen, und weil es ihm ganz gut ging, ging er hin. Es war ihm ein Bedürfnis. Genauso wie es ihm ein Bedürfnis war, trotz angeschlagener Gesundheit gestern mit der Mannschaft nach Sevilla zu fliegen. Eberl will in der Krise Präsenz zeigen, will die Rolle als Krisen-Manager annehmen.

"Der Unfall hängt mir noch ein Stück weit in den Knochen, aber stehe Ihnen ja heute hier und heute Rede und Antwort", sagte Eberl vor dem Abflug am Düsseldorfer Flughafen. Er lächelte. Aber eben mit schmerzverzerrtem Gesicht. Doch Eberl weiß halt, dass Borussias verbale Außendarstellung auf verantwortlicher Ebene auch in diesen unbefriedigenden Tagen fast ausschließlich sein Beritt sind. Lucien Favre ist bekanntermaßen nicht der Typ Unterhalter der Öffentlichkeit, und auch Geschäftsführer und Präsident drängen sich nicht mit Macht vor jedes Mikrofon. Also redet Eberl. Und versucht, in seinen Statements vieles gleichzeitig zu schaffen: Klartext zu reden, die Krise nicht schönzureden, aber auch keine Rat- und Hoffnungslosigkeit zu vermitteln.

Fotos: Borussia absolviert Abschlusstraining in Sevilla FOTO: afp, CQ/raf

Es ist ein verbaler Balanceakt für den 41-Jährigen. "Ich glaube, die Leute erwarten nicht viel von uns", sagte er so zum Beispiel gestern mit Blick auf den heutigen Champions-League-Auftakt beim FC Sevilla. Aber auch: "Wir sollen uns trotzdem auf die Champions League freuen, denn das haben wir uns im letzten Jahr hart erarbeitet. Und der Wettbewerb ist auch die Chance, positive Erlebnisse zu sammeln."

Eberl nimmt das Team in die Pflicht, will es aber auch nicht mit Druck überfrachten. "Die nächsten Wochen werden entscheiden, wie kompliziert es für uns ist oder ob wir den richtigen Turnaround schaffen", sagt er. Und Eberl weiß, dass er sich selbst im "wir" mit einschließt. Denn diese Mannschaft ist eben auch ein Produkt des Kaderplaners Eberl. Der bekam zwei Jahre lang höchste Anerkennung für seine Einkäufe, sieht sich dieser Tage aber eben auch kritischen Fragen bezüglich der Transferpolitik dieses Sommers gegenüber. "Es hängt jeder mit drin. Das ist das, was die ersten Wochen gezeigt haben", sagt er.

Er fordert von seinen Borussen eine Besinnung auf die Basis vormaligen Erfolges: die kollektive Defensivarbeit. Selbstkritik muss er nicht einfordern, denn die hat er nach eigener Aussage im Team in den vergangenen Tagen auf breiter Front ausgemacht. "Es ist keiner in der Mannschaft, der sagt: Ach komm, so schlimm ist es gar nicht", sagt er, warnt aber gleichzeitig auch vor zu viel unkontrolliertem Tatendrang. "Dieser Trotz darf jetzt nicht in einen Aktionismus münden, so dass ich wild über den Platz pflüge und meine ganzen taktischen Vorgaben vernachlässige", sagt Eberl. Ein Fan von Aktionismus war Eberl noch nie. Weder auf dem Transfermarkt. Noch vor dem Mikrofon.

Von Rekordhaltern und Neulingen in der Champions League FOTO: afp, ej
Quelle: RP
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