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Borussia Mönchengladbach
Musterprofi Thorben Marx wird Praktikant

Porträt in Bildern: Das ist Thorben Marx
Porträt in Bildern: Das ist Thorben Marx FOTO: Borussia Mönchengladbach
Mönchengladbach. Vor einem Jahr entschied Thorben Marx, dass seine Profikarriere zu Ende geht, im Mai 2015 hörte er als Berufsfußballer auf. Nun will er ein Fernstudium machen, bei Borussia in der Geschäftsstelle reinschnuppern - und ein Projekt mit Mike Hanke starten. Von Karsten Kellermann

Thorben Marx war Fußballprofi und durfte nicht spielen. Fast eineinhalb Jahre lang. Das letzte Mal, als er mitmachen durfte im Team von Borussia Mönchengladbach, war am 15. März 2014. Marx wurde eingewechselt für die letzten 15 Minuten. Er half Borussia, 2:1 in Dortmund zu gewinnen. Damals ahnte der gebürtige Berliner nicht, dass sein 255. Bundesligaspiel das letzte aktive Kapitel seiner Profikarriere sein sollte. Danach gehörte er zwar zum Team, meist saß er aber auf der Tribüne. "Es war nicht immer leicht. Wenn du Fußballer bist, willst du auch spielen und nicht nur trainieren. Es fühlt sich einfach nicht richtig an."

Marx wurde gelobt, weil er die Trainingsintensität hochhalte, weil er, der Routinier, den jüngeren Spielern helfe. Er selbst stellte fest: "Irgendwann spürst du, dass die anderen schneller sind, dass du nicht mehr richtig mithalten kannst." Wenn Marx heute zurückblickt auf die Zeit, als er nichtspielender Spieler war, sagt er: "Vielleicht war es gar nicht so schlecht. Natürlich hätte ich mir gewünscht, öfter zum Einsatz zu kommen. Aber im Nachhinein war es hilfreich. So konnte ich mich in Ruhe auf das Karriereende vorbereiten."

Vor gut einem Jahr entschied sich Marx, Schluss zu machen mit dem Fußball. Er sagte es der Öffentlichkeit, auch um es sich selbst zu verdeutlichen: Wenn die Saison 2014/2015 vorbei ist, ist es auch vorbei mit dem Fußballprofi Thorben Marx. Es gibt viele Fußballer, denen es schwerfällt loszulassen. Sie spielen und spielen und spielen. Zuweilen artet es in eine Tingeltour aus, zuweilen sagen Menschen: Er merkt nicht, dass es vorbei ist. Dann gibt es keinen Klub mehr, der den Spieler haben will. Oder bis der Körper sagt: Es geht nicht mehr. Beides wollte sich Marx ersparen. "Wenn du dich im Training nur noch durchquälst, musst du dich fragen, ob es noch Sinn macht. Für mich war es der richtige Zeitpunkt. Ich habe noch keine Minute bereut, dass ich so entschieden habe."

Marx war konsequent. Wie in den 15 Jahren seines Lebens als Berufsfußballer. Nur für drei Klubs hat er professionell gespielt: Bei Hertha BSC wurde er Profi. 2006 ging er zu Arminia Bielefeld. Und 2009 zu Borussia Mönchengladbach. Er sagt, dort habe er seine beste Zeit gehabt. Als er verabschiedet wurde am 23. Mai 2015, am letzten Spieltag - "leider ohne Einsatz" -, wurde er gefeiert als "echter Borusse". "So etwas macht einen stolz. Dann merkt man, dass man vieles richtig gemacht hat", sagt er.

Marx war ein "Sechser" der mittleren Generation: nicht nur Abräumer, aber eben auch nicht der Regisseur aus der Tiefe. Eine Arbeitsbiene. Sein wesentliches Merkmal: Verlässlichkeit. Und Marx war immer ein Teamplayer. Bis zuletzt. Auch wenn ihm seine Rolle nicht gefiel am Ende, er moserte nicht.

"Zunächst komisch"

Als die Sommerpause vorbei war, "war es zunächst komisch". Die Wochen nach der Saison hatten sich angefühlt wie Urlaub. Als die anderen mit der Vorbereitung begannen, wurde ihm klar: Es ist vorbei. Kein Trainingslager, nicht die ewigen Abläufe, die mehr als eineinhalb Jahrzehnte sein Leben regelten. "Am Anfang war es eine Umstellung. Für mich, aber auch für meine Familie. Aber uns geht es echt gut dabei."

Er hat mehr Zeit für seine Frau und seine beiden Töchter, vor allem "habe ich jetzt ganz normale Sozialkontakte" - nicht mehr nur solche, die sich nach dem Spiel- und Trainingsplan richten. Marx weiß, dass Fußballer auf hohem Niveau klagen, aber es ist eben so, dass der, der mit Fußball sein Geld verdienen will, auch verzichten muss. "Man lebt als Profi in einer anderen Welt", sagt er. Wichtig sei, nicht die Bodenhaftung zu verlieren: "Ich denke, das habe ich weitgehend geschafft." Er arbeitet nun an seinem Leben nach dem Fußball. Das erste halbe Jahr nach dem Karriereende hat er genutzt, um sich zu orientieren. Er will ein Praktikum machen bei Borussia, in den Abteilungen der Geschäftsstelle, er wird sich für ein Fernstudium "Sportmanagement" anmelden.

Nebenbei arbeitet er mit Kumpel Mike Hanke, der ebenfalls 2015 aufhörte, an einem gemeinsamen Projekt. "Das ist aber noch nicht spruchreif", sagt Marx. Es hat etwas mit Fußballern zu tun, so viel verrät er aber. "Man muss ja sein Know-how und das Netzwerk nutzen, das man sich über 15 Jahre aufgebaut hat", sagt Marx. "Ich bin froh, dass ich die Zeit als Profi erleben durfte. Und jetzt bin ich froh, dass eine andere Zeit begonnen hat."

Quelle: RP
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