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Borussia Mönchengladbach
Neuer Torwart, anderes Spiel?

Porträt: Tobias Sippel: Pfälzer, Ehrmann-Schüler, Gladbacher
Porträt: Tobias Sippel: Pfälzer, Ehrmann-Schüler, Gladbacher FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. 58 Spiele am Stück stand Yann Sommer im Gladbacher Tor. Nun fällt er aus. Tobias Sippel wird ihn ersetzen. Er feiert sein Borussia-Debüt. Von Karsten Kellermann

Yann Sommer war unkaputtbar. 5250 Pflichtspielminuten hat er ununterbrochen im Borussen-Tor gestanden, und da ist eine wohl beträchtliche Anzahl von Minuten der Nachspielzeit nicht mitgezählt. Doch nach 41 Bundesligaspielen, zwölf Europapokalspielen und fünf DFB-Pokalpartien hat ausgerechnet ein Kollege dafür gesorgt, dass diese Serie nun unterbrochen wird. Oscar Wendt rauschte beim 1:2 gegen Manchester City bei einer Abwehraktion kurz vor Schluss mit dem eigenen Torwart zusammen und brach diesem dabei das Nasenbein.

"Yann wurde erfolgreich an der Nase operiert. Es war kein dramatischer Eingriff, aber er muss nun eine Woche zur Ruhe kommen. Yann wird gegen Wolfsburg ausfallen, auch für die Nationalmannschaft wird es im Anschluss wahrscheinlich nicht reichen. Möglicherweise kann er nach der Zwangspause mit einer Spezialmaske spielen, aber das müssen wir abwarten", gab Borussias Trainer André Schubert gestern bekannt. So wird am Samstag gegen den VfL Wolfsburg zum ersten Mal seit 58 Spielen ein anderer als der Schweizer im Gladbacher Tor stehen: Tobias Sippel. "Er ist ein hervorragender Torwart. Er macht im Training einen sehr guten Eindruck", sagte Schubert über seine Interims-Nummer eins, die die 21 auf dem Rücken trägt.

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Sippel hat für seinen vorherigen Klub 1. FC Kaiserslautern 36 Bundesligaspiele und 168 Partien in der Zweiten Liga bestritten. Im Sommer wechselte er zu den Borussen - als zweiter Torwart. Ungeachtet dessen definierte er den Orts- und Klubwechsel als "eine neue Herausforderung" nach vielen Jahren bei den "Roten Teufeln". In Gladbach kam er bisher nur in fünf Testspielen zum Einsatz. Für Sippel, der zuvor am Betzenberg meist die Nummer eins war, ist es in eine neue Situation, auf die er sich aber bewusst eingelassen hat. "Im Fußball geht es nach Leistung, und an Yanns Leistung gibt es nichts zu deuteln. Er hat eine unglaublich gute Saison gespielt. Darum muss ich mich hinten anstellen und im Training Gas geben und abwarten, bis die Chance kommt", sagte der 27-Jährige im Juli im Interview mit unserer Redaktion.

Nun ist die Chance da - und sein Debüt im Borussen-Tor ist tatsächlich gleich eine "große Herausforderung". So nannte André Schubert gestern das Spiel gegen Wolfsburg. Und auch wenn sich die Niedersachsen aktuell etwas schwer tun vor dem Tor, könnte es für Sippel ein arbeitsreicher Nachmittag werden.

Für die Herren aus der Abteilung Torverteidigung wird es wohl eine Umstellung sein: Ein neuer Torwart, ein anderes Spiel? Alle Defensivkräfte haben sich auf Sommer und seine spezielle Interpretation des Torwartseins eingestellt. Der Schweizer gilt als einer der modernsten Vertreter des modernen Torwartspiels, er ist nicht nur als Ballfänger hervorragend, sondern auch fußballerisch - darauf ist auch Borussias Aufbauspiel ausgelegt. Sippel indes entstammt der Torwartschule des Kult-Keepers Gerry Ehrmann. Dessen Sprösslinge werden eher klassisch ausgebildet. Sippel ist nicht gänzlich unbegabt mit dem Fuß, und sicher ist den Abwehrspielern zuzutrauen, den Unterschied zu antizipieren. André Schubert jedenfalls macht sich keine Sorgen deswegen. "Aus meiner Sicht gibt es kein Problem", versicherte der Trainer.

Sommer bricht sich gegen Manchester das Nasenbein FOTO: dpa, ve sab

In einer Sache könnte es für Sippel sogar besser laufen als für Sommer bislang. Dieser konnte keinen der neun Elfmeter, die in den letzten sieben Pflichtspielen gegen Borussia verhängt wurden, abwehren. Sollte sich die Elfmeter-Seuche fortsetzen, wäre für Sippel die Gelegenheit günstig, sich als passendes Serum einzubringen. Allerdings hofft Schubert, den Seinen nun genug Tipps (den Gegner stellen und Schüsse blocken, nicht zu aggressiv zu Werke gehen) gegeben zu haben, um Elfmeter zu verhindern. Ob seine Hinweise fruchten, ist am Samstag ab 15.30 Uhr (Live-Ticker) zu besichtigen.

Quelle: RP
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