| 09.20 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Noch ein letztes Spektakel im "AdWendt"

Borussia feiert den knappen Sieg gegen Darmstadt
Borussia feiert den knappen Sieg gegen Darmstadt FOTO: ap
Mönchengladbach. Borussia kann derzeit nicht anders: Auch das 3:2 gegen Darmstadt war nahezu vogelwild. Beim Spektakel zum Hinrunden-Abschluss gab es einen Rückstand, einen Platzverweis und ein emotionales Happy End. Von Karsten Kellermann

André Schuberts Entwurf von Borussia steht für Spektakel. Das letzte Spiel des Jahres gestern gegen Darmstadt 98 belegt das. Nahezu vogelwild war das, was im Borussia-Park passierte. Fünf Tore gab es, eine Rote Karte, die sich Granit Xhaka einhandelte, und viel Hektik. Die Gladbacher hatten sich vorgenommen, der kuriosen Hinrunde "die Krone aufzusetzen", wie Trainer Schubert gesagt hatte. Sie taten es total emotional. Am Ende, nach dem 3:2-Sieg, sang der gesamte Borussia-Park: "Die Seele brennt."

Xhaka tritt nach und sieht die Rote Karte FOTO: Screenshot Sky

Darmstadt war indes nicht gekommen, um sich willfährig in sein Schicksal zu ergeben. Marcel Hellers 0:1 (28.) erschwerte die Aufgabe der Gladbacher, Xhakas Platzverweis setzte noch einen drauf. Diese missliche Lage war indes eine Art Ansporn für Borussia. Zum einen für die Fans, die nun alles taten, um dem Team zur Seite zu stehen. Und für das Team, das in Unterzahl richtig aufdrehte.

Borussia hat in dieser Hinrunde gelernt, sich gegen Ungemach zu wehren. Während die Gladbacher bei personellem Gleichstand zu kompliziert und zu wenig zielstrebig agierten, legten sie sich in Unterzahl eine Jetzt-Erst-Recht-Einstellung zu. Nun war es nicht mehr Goliath Gladbach gegen David Darmstadt, sondern eine Borussia, die aufbegehrte gegen das Schicksal - und zurückkam nach dem Niederschlag.

Nach so einem Spiel sind Wortspiele erlaubt:

Dabei war auf zwei Routiniers Verlass. Zunächst auf Lars Stindl, der an diesem Tag noch einmal seine Entwicklung vom Ruhelosen, der zu Beginn der Saison seinen Platz im Team noch nicht gefunden hatte, zum Führungsspieler unterstrich: In der 44. Minute erzielte er mit einem trockenen Schuss von der Strafraumgrenze das 1:1. Und dann kam Havard Nordtveit, der unter Schubert wieder wichtig geworden ist für Gladbach - als verlässliche Variable. Dieses Mal war er als Sechser unterwegs. Zunächst im Duo mit Xhaka, nach dessen Abgang als Einzelner vor der Abwehr, indes flankiert von Fabian Johnson und Thorgan Hazard, den dann eingerückten Außen. Und Nordtveit traf. Per Freistoß zum 2:1.

Einzelkritik: Bestnote für Wendt, 6 für Xhaka FOTO: ap

Doch das Spiel blieb unberechenbar. Wer nun gedacht hatte, die Geschichte wäre endgültig zugunsten der Schubert-Mannschaft gekippt, der wurde getäuscht. Darmstadt hat ebenfalls etwas gelernt in dieser Bundesliga-Hinrunde: Es ist immer etwas möglich. Sandro Wagner glich per Kopf aus. Es entwickelte sich ein Spektakel aus dem Genre "Thriller".

Denn Ruhe oder gar Besinnlichkeit gab es so kurz vor Weihnachten einfach nicht. Vielleicht wollten beide Teams den Fans noch richtig etwas mitgeben in die Winterpause, das emotional lange genug anhält, um die fußballfreie Zeit zu überbrücken. "Es war ein intensives, rassiges Spiel bei einer überragenden Stimmung", sagte Darmstadts Trainer Dirk Schuster. "Bei uns gibt es momentan immer ein Spektakel - allerdings war es zwischendurch ein bisschen zu wild", sagte Lars Stindl. Gegen den Aufsteiger hätten es die Borussen lieber kontrolliert gehabt, gestand er.

Dass die Gladbacher mit einem Sieg und einem entsprechend guten Gefühl in die Winterpause gehen, lag insbesondere auch an Stindl. Nachdem Schubert Roel Brouwers eingewechselt, Nico Elvedi nach links und Oscar Wendt nach vorn gezogen hatte, spielte der Schwede Doppelpass mit ihm und schoss den Ball zum Siegtor ins Netz. "Wir haben noch einmal alles reingeworfen. Dass wir noch gewonnen haben, zeigt, wie viel Charakter und Moral in der Truppe ist", sagte Stindl. Kurz vor Weihnachten war nicht viel Zeit für Besinnlichkeit. "Für alle war es ein intensives Spiel, es war alles drin, was Fußball und seine Emotionalität ausmacht. Im Moment bieten wir in der Tat viel Spektakel und Unterhaltung", fasste André Schubert zusammen.

Quelle: RP
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