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Borussia Mönchengladbach
Nordtveit arbeitet flexibel und mit präziser Urkraft

Fotos: Nordtveit trifft per Volley-Hammer
Fotos: Nordtveit trifft per Volley-Hammer FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussias Norweger erzielt sieben Minuten nach seiner Einwechslung mit einem Distanzschuss das 1:0 beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg. Von Karsten Kellermann

Mo Dahoud hatte seinen Job gemacht. Nicht so verblüffend wie in den Spielen zuvor, als er fast fehlerfrei seinen Ideenreichtum auslebte, doch war er auch gegen Wolfsburg spielfreudig und vor allem viel unterwegs. Zehn Kilometer absolvierte der 19-Jährige. Hinten sorgte Dahoud mit seinem Mit-Sechser Granit Xhaka für genügend Ordnung, vorn rannte er mit dem Angriffsduo Raffael und Lars Stindl immer wieder die Wolfsburger Defensive an und half so aktiv mit, den Pressing-Plan seines Trainers André Schubert umzusetzen. Ja, Dahoud macht Spaß und ist derzeit ein wesentlicher Baustein der aktuellen Gladbacher Erfolgsserie. "Die jungen Spieler wie Mo und auch Andreas Christensen haben mitgeholfen, aus dem Loch herauszukommen", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Nach 69 Minuten aber war Dahouds Akku leer. Schubert wechselte - so etwas passt zu Phasen, in denen es gut läuft - den Sieg ein: Havard Nordtveit, der für Dahoud kam, schaffte sieben Minuten später die 1:0-Führung. Knapp über der Grasnarbe traf er den von Raffael zu ihm gelöffelten Ball, und der flog aus 20 Metern unhaltbar an Torwart Diego Benaglio vorbei.

Nordtveit arbeitete in dieser Szene mit brachialer Präzision. Er rutschte nach seiner Heldentat euphorisiert über den Rasen, um dann von einem Haufen freudentrunkener Borussen begraben zu werden. Der Norweger hatte mit seinem siebten Tor als Borusse, jedoch dem ersten als Joker, die Grundlage für den dritten Sieg in Folge gelegt. Kurz darauf brachte Ibrahima Traorés erstes Saisontor die endgültige Gewissheit.

Übersicht: So starteten die Bundesliga-Trainer der Borussia FOTO: rpo

"Als der Ball kam, war ich ganz darauf fokussiert, das Tor zu treffen, und es hat geklappt", sagte Nordtveit. "Null" von zehn solcher Versuche würde er wohl normalerweise versenken, vermutete er. Entsprechend gestand er, dass ihm seine Aktion "ein gutes Gefühl" gab, da er nach diesem Treffer sogleich vermutete, "dass wir nun die drei Punkte holen". Er spielte also den "Dosenöffner" an diesem Tag. Eine Woche zuvor in Stuttgart (3:1) war er als kampfstarker Defensivmann noch für die Verhinderung von Gegentoren zuständig. "Man muss heute im Fußball flexibel sein", sagte er.

Die Idee, dass seine Familie, die Augenzeuge seines großen Tages war, möglicherweise ein Glücksbringer war, wollte er nicht gänzlich verwerfen. "Ich habe schon zehn Dauerkarten bestellt", witzelte er. Nun, wenn das helfen würde, dass es in jedem Spiel so läuft - André Schubert hätte vermutlich nichts dagegen. Doch wird er sich weiterhin eher auf das verlassen, was er beeinflussen kann. Und das ist unter anderem das Selbstwertgefühl seiner Spieler.

Gladbach - Wolfsburg: Einzelkritik FOTO: ap

"Er hat viel Positivität. Wir analysieren die Spiele, und er stellt die positiven Sachen heraus. So bekommen wir Selbstvertrauen und spielen mit Mut. Das ist besser, als negativ zu reden", sagte Nordtveit. Meinte er damit den Hang Lucien Favres, der tief im Inneren tendenziell ein ewiger Zweifler ist, in der Analyse vor allem Fehler herauszufiltern, um sie dann wegzuarbeiten. "Nein, das ist wertfrei gemeint. Wir wissen, dass wir ein gutes Team sind, aber wir müssen noch mehr an uns glauben, und das gibt uns der Trainer mit", sagte Nordtveit.

Am Ende stellte er noch klar, dass sein Tor eigentlich ein Akt der Gerechtigkeit gewesen sei. "Ich habe es in den letzten Spielen gegen Wolfsburg viermal versucht. Da hat Benaglio immer gehalten. Nun war es an der Zeit, dass mal einer reingeht", sagte Nordtveit. Die Art und Weise, wie das passierte, begeisterte die Kollegen.

"Howie hat einen super Schuss und feuert öfter mal aus der zweiten Reihe ab. Jetzt hat er das Ding reingemacht, das war die Befreiung für uns", sagte Lars Stindl. Er selbst kann es auch. Sein Drehschuss gegen Augsburg wurde für das Tor des Monats September nominiert. Nordtveits Treffer gegen Wolfsburg hat das Zeug, im Oktober auch zur Wahl gestellt zu werden.

Quelle: RP
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