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Borussia Mönchengladbach
Ohne alles

Einzelkritik: Viermal Note "fünf"
Einzelkritik: Viermal Note "fünf" FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussias hochgelobte Offensive ist in Freiburg ein Totalausfall. Gladbach kommt so selten wie nie zuvor unter André Schubert zum Torabschluss. Von Jannik Sorgatz

Es lief die 19. Minute, als Raffael seine beste Szene an diesem fast schon gewohnt bitteren Nachmittag in Freiburg hatte. Das war zum einen eine schlechte Nachricht, weil seine in den Spielen zuvor so produktiven Offensivkollegen ebenfalls nichts bis wenig auf die Beine stellten, und zum anderen, weil die Szene sportlich relativ belanglos war. Immerhin verdiente sich Raffael Anerkennung für einen Dienst im Sinne des Fair-Play-Gedankens. Auf Nachfrage des Schiedsrichters gab der Brasilianer zu, dass er den Ball zuletzt berührt hatte, weshalb Harm Osmers statt eines Eckballs für Gladbach auf Abstoß für Freiburg entschied. Danach war von Raffael kaum mehr etwas zu sehen.

Von Lars Stindl ist eine Szene verbürgt, in der er vor Torwart Alexander Schwolow auftauchte, aber nicht zum Abschluss kam. Thorgan Hazard zog einmal von weit außen ab und sorgte dann mit seinem Linksschuss zum 1:0 für den ziemlich exponierten Höhepunkt des Spiels aus Sicht der Borussia. Von Ibrahima Traoré kam in der Situation der Ball, wofür er allerdings nichts konnte, weshalb die DFL ihm den Assist zurecht verweigerte. André Hahn hing in den 20 Minuten nach seiner Einwechslung in der Luft und glänzte im Anschluss lediglich mit einer treffenden Zusammenfassung: "Wenn du den Ball nicht vors Tor bekommst, kannst du auch kein Tor schießen", sagte der Angreifer, dessen beeindruckende Trefferserie endete. Und dann wäre da noch Patrick Herrmann, der beim Stand von 1:1 ins Spiel hinein kam und wenige Minuten später nach einem 1:3 vom Platz schlich - mit einem Muskelfaserriss.

Wenn sich der Arbeitsnachweis der Offensivabteilung derart lückenlos in wenigen Zeilen nacherzählen lässt, ist das gemeinhin kein gutes Zeichen. Für drei der nur fünf Torschüsse waren dann auch Defensivleute verantwortlich: Tobias Strobl schoss drüber, Jannik Vestergaard köpfte drüber, Oscar Wendt wurde geblockt. In den 40 Pflichtspielen unter Trainer André Schubert kam die Borussia noch nie so selten zum Abschluss. Selbst die verblüffende Effizienz, mit der ersten gefährlichen Aktion zu treffen, beflügelte nicht im Geringsten. "Wir machen das Tor, aber spielen danach so schlecht weiter wie vorher", sagte Hazard.

Nicht jede Statistik aus dem umfangreichen Portfolio, das so ein Bundesligaspiel abwirft, lädt zu großen Schlussfolgerungen ein. Dass die Borussia 65 Prozent Ballbesitz hatte, sagt zunächst einmal nur aus, dass Freiburg ihn damit in 35 Prozent der Zeit hatte. Neben der Torschussarmut war jedoch eine weitere Bilanz frappierend, die Defensive wie Offensive bloßstellte. Freiburg lief 114 Kilometer, Gladbach nur 107. Auch bei den sogenannten intensiven Läufen und den Sprints hatten die Gastgeber deutlich die Nase vorn. "Wir sind nicht zusammen die Wege gegangen. Wenn einer gestartet ist, sind oftmals zwei andere nicht gelaufen", bemängelte Hazard.

Sein Trainer entschied sich dafür, die Erklärung, was in Freiburg gefehlt hatte, nicht nur aus den Buchstaben a, l, l, e und s bestehen zu lassen. Schubert vermisste ganz explizit "die Basics wie Aggressivität und Leidenschaft. Freiburg hat mehr investiert in den Zweikämpfen, weshalb wir viele entscheidende verloren haben." So mangelte es an wichtigen Balleroberungen, die gegen einen tiefstehenden Gegner auch mal schnelle Angriffe mit wenigen Kontakten erlauben.

Und als Raffael dann doch einmal den Fuß dazwischen hatte, half es am Ende nur dem Fair Play.

Quelle: RP
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