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Patrick Herrmann
Der Nachmittag in Sinsheim tat gut

Das ist Patrick Herrmann
Das ist Patrick Herrmann FOTO: afp, agz
Patrick Herrmann ist eine Konstante in der jüngeren Borussia-Geschichte. Nach großen Verletzungsproblemen versucht er nun, seinen Platz in der Mannschaft zu finden. Von Karsten Kellermann

Patrick Herrmann steht auf dem Parkplatz des Borussia-Parks und schaut sich um. "Es ist echt Wahnsinn, was hier alles passiert ist in den letzten Jahren", sagt Borussias Flügelstürmer. Gegenüber dem Stadion wächst der Hotel-Komplex mehr und mehr gen Himmel. Und drüben neben dem Trainingsgelände entsteht das neue Nachwuchs-Internat. Die Baustellen sind Symbole für das generelle Wachstum des Klubs. Als Herrmann 2008 vom 1. FC Saarbrücken nach Gladbach kam, war die Borussen-Welt noch eine andere. Auch sportlich. Die Höhenlagen der Bundesliga waren weit weg, Europapokal-Teilnahmen erschienen utopisch. Gladbach war gerade aus der Zweiten Liga zurückgekehrt ins Oberhaus, als Herrmann in die Akademie einzog. "Ich hatte damals auch andere Optionen, doch bei Borussia hatte ich das beste Gefühl. Und ich habe alles richtig gemacht", sagt er.

2010 kam er als 18-jähriger Internatsschüler in der Bundesliga an, er war ein Hoffnungsträger: schnell, ungestüm, ein echtes Fohlen. Er erlebte die Last-Minute-Rettung unter Hans Meyer, dann die Relegations-Rettung unter Lucien Favre. "Wer weiß, was geworden wäre, wenn wir wieder abgestiegen wären", sagt Herrmann. Borussia blieb aber drin, erst 2009, dann 2011, und schließlich kam der Aufschwung. Herrmann ist eines der Gesichter dieser Zeit, er war neben Juan Arango, Marco Reus und Mike Hanke Mitglied der magischen Viererbande, deren herrliches Kombinationsspiel das Wortspiel "Borussia Barcelona" initiierte.

2015 war Herrmann dann das Vorzeige-Fohlen, er schoss so viele Tore wie nie, wurde Nationalspieler. Das Schicksal indes bremste den Flügelflitzer plötzlich aus. Es gab eine Verletzungsodyssee, die ihn aus dem Rhythmus brachte. Noch immer ist er auf der Suche nach der alten Form. Gerade für die jüngeren Fans ist Herrmann aber eine Konstante. Zuletzt, beim 3:1 bei 1899 Hoffenheim, hatte ein Junge ein großes Plakat für ihn gemalt. Herrmann lief nach dem Spiel zu ihm und schenkte ihm seit Trikot. "Natürlich freut es mich, wenn ich sehe, dass die Fans mich mögen, dann weiß ich, dass ich viel richtig gemacht habe", sagt Herrmann.

So war der Nachmittag in Sinsheim ein höchst angenehmer für ihn. Denn auch sportlich war es mal wieder ein gutes Erlebnis. Allerdings war die Basis dafür das Verletzungspech von Jonas Hofmann. Der spielte auf dem rechten Flügel, bei einer Vorlage auf Thorgan Hazard verdrehte er sich aber das Knie und zog sich einen Teilriss des Innenbandes zu. Herrmann kam nach 15 Minuten ins Spiel. "Es war zunächst nicht leicht, ich kam ja kalt rein", sagt Herrmann. So hatte er in seinem 265. Pflichtspiel erstmal Probleme mit dem Ex-Borussen Nico Schulz. Doch das legte sich und Herrmann kam besser ins Spiel. Nach der Pause spielte Borussia fast ein 4-3-3 mit ihm und Vince Grifo als echten Außenstürmern und Hazard als Mittelstürmer.

"Es tat einfach gut, mal wieder länger zu spielen", gibt Herrmann zu. Zuvor war er in vier Ligaspielen und im Pokal in Düsseldorf nur auf 25 Einsatzminuten gekommen. "Damit ist man natürlich nicht zufrieden", gesteht Herrmann. Die Konkurrenz auf dem Flügel ist groß, nun hat sich auch Grifo extrem gezeigt. Andererseits hat sich Hazard im Zentrum empfohlen, er hat weit mehr Zug in den Strafraum als bisher Raffael.

"Wir haben viele Möglichkeiten, in Hoffenheim hatten wir ganz andere Außenbahnen als in Düsseldorf", sagt Herrmann. Und nun gegen Mainz am Samstag? Es gibt einige spannende Konstellationen, die man aus dem Pool von Flügelspielern zusammenstellen kann. Da aber Jonas Hofmann und nun auch der unglückliche Ibo Traoré wegfallen, ist die Schlange wieder deutlich kürzer geworden. Für Hazard und Johnson hat Trainer Dieter Hecking in Sinsheim Alternativ-Jobs ausprobiert: Der Belgier im Zentrum, Johnson ersetzte am Ende Tony Jantschke hinten rechts.

Man darf gespannt sein. Da Hecking nun die Rotation für sich entdeckt hat, ist vieles möglich. Auch für Patrick Herrmann. Ob er spielt oder nicht, dürfte auch an Raffael hängen: Kehrt der "Maestro" zurück, würde Hazard wieder nach außen rücken. Bleibt Hazard im Zentrum, hätte Herrmann gute Chancen, schließlich war er auch in Sinsheim die erste Einwechseloption.

Grundsätzlich gilt: "Der Konkurrenzkampf macht uns stark", sagt Herrmann. Borussias Aufgebot ist breit, selbst wenn es personellen Aderlass gibt, sind da einige Optionen. Darum gibt es auch keine Garantien. Auch das ist eine Weiterentwicklung in Gladbach.

 
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