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Borussia Mönchengladbach
Patrick Herrmann trägt Oranje-Trikot
Mönchengladbach. Der U21-Spieler löste eine Wettschuld bei Luuk de Jong ein. Die beiden spielten zuletzt in Nachwuchs-Nationalteams, in Mönchengladbach gehören sie aber nicht mehr zu den Jüngsten. Viele Talente drängen nach. Von Karsten Kellermann

Patrick Herrmann wollte es nur einmal tun. "Und dann nie wieder", sagte der Offensivmann von Borussia Mönchengladbach. Weil aber der breit grinsende Luuk de Jong gerade in der Nähe war und die Fotografen nach dem Motiv gierten, musste der Offensivmann zum zweiten Mal an diesem Tag in das knallorangene Trikot mit der Nummer 9 schlüpfen. Zuvor war Herrmann, deutscher U21-Auswahlspieler, im Nationaldress des Kollegen zum Training erschienen, weil er gewettet hatte, das holländische Team bei der U21-Europameisterschaft zu besiegen. "Ich war mir sicher, dass Luuk mein Hemd tragen muss", gestand Herrmann. Doch de Jong und die anderen Holländer siegten.

De Jong und Herrmann sind also wieder da. Und auch alle anderen Nationalspieler, die Sonderurlaub hatten. "Jetzt geht es richtig los", sagte Trainer Lucien Favre dann auch, bevor er und sein Team gestern zum offiziellen Fototermin antraten. "Aber", sagte Favre, "es war gut, unsere Nachwuchsspieler zu sehen." Acht Jungspunde aus der U23 und der U19 waren in den ersten beiden Trainingswochen dabei.

Nico Brandenburger ist einer von ihnen. Er hat gerade die letzten Prüfungen für das Fachabi hinter sich gebracht, zuletzt einen Profivertrag bekommen und wird morgen zum dritten Mal mitfahren ins Trainingslager. "Für mich ist das wieder eine wichtige Erfahrung", sagte Brandenburger. Auch Mahmoud Dahoud, wie Brandenburger ein defensiver Mittelfeldspieler, doch noch mal ein Jahr jünger als der Kollege, fährt mit zum Tegernsee. Der 17-Jährige spielte in beiden bisherigen Testspielen mit und machte einen guten Eindruck. "Er ist sehr präsent auf dem Platz, spielt gut, einfach und schnell", sagte Lucien Favre. "Mahmoud hat große strategische Fähigkeiten", weiß Nachwuchsdirektor Roland Virkus.

Der dritte Spieler, der die Reise nach Rottach-Egern mitmacht, ist der lange Finne Joel Mero, ein Verteidiger, den die Gladbacher gerade aus Lahti geholt haben. Favre will sich den 18-Jährigen genauer ansehen. Das Trio hat sich besonders aufgedrängt in der Vorbereitung. Doch auch die fünf anderen jungen Spieler haben dem Trainer Freude machten. "Es ist gut, solche Talente zu haben", sagte Favre. Er mag es, junge Spieler zu entwickeln, und wenn sie aus dem eigenen Nachwuchs sind, umso besser. Dass sie den Arrivierten Druck machen, ist ein netter Nebeneffekt der Geschichte. "Vielleicht gibt es ja eine Überraschung", sagte Favre.

Einer, der zwar nicht mitfährt ins Trainingslager, gleichwohl aber viel Potenzial hat, ist Kevin Holzweiler. 164 Zentimeter ist der flotte Dribbler klein und hat inzwischen auch einen Profivertrag unterschrieben. "Wenn ich größer wäre, wäre ich nicht so quirlig", sagte Holzweiler. Er ist auf dem Platz rotzfrech und nebendran forsch. Das Kopfballspiel, gab er jüngst bekannt, gehöre nicht zu seinen Stärken. Nebenbei macht Holzweiler eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei den Borussen. Daher steht er zuweilen im Fanshop des Borussia-Parks und druckt die Namen derer, die er beim Training mit seinen Finten narrt, auf Trikots.

Sinan Kurt, ein treffsicherer Stürmer, ist der Jüngste der Jungen, die sich nun zeigen konnten. 16 Jahre ist er alt und damit 18 Jahre jünger als Kapitän Filip Daems. "Natürlich war ich anfangs etwas nervös, aber die älteren Spieler machen es uns leicht", sagte Kurt. Ein bisschen Nervosität hielt ihn und die anderen aus der Nachwuchs-Riege nicht davon ab, Favre zu beeindrucken.

Roland Virkus ist zufrieden mit der Entwicklung der jungen Männer. "Jeder hat eine besondere Stärke", sagte er. Virkus und das Trainerteam von Lucien Favre sind ständig im Austausch. Zudem werden die Nachwuchsleute schulisch nachhaltig betreut. Borussia ist nun eine Eliteschule des Fußballs, einige Spieler besuchen das Sport-Teilinternat im Gladbacher Hockeypark. So werden die Talente nicht nur auf das Leben als Fußballer vorbereitet. "Es ist gut, ein zweites Standbein zu haben", sagte Nico Brandenburger.

Quelle: RP