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Borussia Mönchengladbach
Patrick Herrmann und 90 Minuten, die gut taten

Das ist Patrick Herrmann
Das ist Patrick Herrmann FOTO: afp, agz
Mönchengladbach. Vor einem Jahr um diese Zeit war der Flügelspieler der Vorzeige-Borusse. Dann kam eine Saison, die für ihn "sehr bitter" war. Doch das letzte Spiel in Darmstadt lässt ihn mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen. Von Karsten Kellermann

Es waren 90 Minuten, die richtig guttaten. "Ich habe gut gespielt und bin viel gelaufen", fasst Patrick Herrmann sein Arbeitspensum des vergangenen Samstags beim 2:0 in Darmstadt zusammen. "Außerdem habe ich gezeigt, dass ich die neue Position spielen kann, ich habe ein Tor vorbereitet und wir haben den ersten Auswärtssieg der Rückrunde geschafft", sagt Borussias.

"Die Position" - ein Mittelding aus Außenverteidiger, Außenbahnspieler und Außenstürmer, ein Job, den Trainer André Schubert im Zuge der Dreierkettisierung Borussias eingeführt hat. In Darmstadt entschied er sich für die total offensive Besetzung: Herrmann und Ibo Traoré. "Man muss mehr nach hinten machen, aber das ist okay, das kann ich", sagte Herrmann. Endlich konnte er das auch belegen, aktiv, über die volle Distanz.

Es war das erste Mal in dieser Saison, dass er komplett spielte. Zwischenzeitlich fehlte er wegen seines Kreuzbandrisses, der ihm das Jahr vermieste, monatelang. "Es war für mich eine Saison zum Abhaken", gesteht Herrmann. 18 Spiele machte er nur, die meisten verpasste er: Pause von Anfang Oktober 2015 bis Ende Februar 2016. Die Champions-League-Saison hat er fast komplett verpasst. "Es war alles sehr bitter", sagt Herrmann. Binnen eines Jahres hat er gelernt, wie schön und wie brutal es sein kann als Profi.

Im Sommer 2015 war er der Vorzeige-Borusse. Die Saison zuvor war die beste seiner Karriere, er schoss elf Tore. Er machte seine ersten beiden Länderspiele. Herrmann war hip, und wäre vor einem Jahr die EM gewesen, er wäre wohl ein Kandidat für die Reise nach Frankreich gewesen. So aber ist er nun mit den Borussen in der Schweiz unterwegs, auf der PR-Tour, und hat viele Termine, wie gestern, als er in einem Sportartikelgeschäft viele Autogramme schreiben musste.

Nach dem für ihn versöhnlichen Saisonabschluss ist Herrmann, der in Darmstadt sein 180. Bundesligaspiel machte, sehr positiv, was seine Zukunft angeht. "Es ist gut, dass ich am Ende dieser Saison noch einige Einsätze hatte. Ich weiß jetzt, dass mein Knie hält und dass ich wieder Gas geben kann", sagt er. Herrmann will nach dem Urlaub unbefangen in die Saison-Vorbereitung starten, um sich einen Stammplatz zu erkämpfen. "Ich denke, ich habe dem Trainer gezeigt, dass er auf mich bauen kann, egal auf welcher Position. Außerdem habe meinen Torinstinkt offenbar nicht verloren", sagt Herrmann, der beim 4:0 gegen Stuttgart bei seinem zweiten Kurzeinsatz nach dem Comeback traf.

Dass er in Darmstadt ausgerechnet André Hahn den Ball zum 2:0 auf die Stirn flankte, passt. Auch Hahn fehlte lange. Und auch Hahn schaffte schnell wieder ein Tor, mehr noch: Er wurde in der Schlussphase der Saison zum Gladbacher Helden mit fünf Toren in sechs Spielen. Hahn und Herrmann fielen sich in Darmstadt jubelnd in die Arme - beide werden in der anstehenden Saison eine besondere Rolle spielen, nun da Spieler wie Martin Stranzl oder Roel Brouwers wegfallen: als Verbindungsmänner zur Kurve. Hahn ist auf dem Weg, Kultspieler Brouwers zu ersetzen, auch Herrmann gehört zu den Profis, bei denen die Fans einen Anpack haben. Beim 2:1 gegen Leverkusen im letzen Heimspiel rief die Nordkurve seinen Namen.

"Ich war zwei Jahre im Internat, bin seit acht Jahren Borusse, ich denke, das wissen die Fans zu schätzen", sagt Herrmann. Er gehört noch zu der schrumpfenden "Generation Relegation". "Viele im Team kennen ja nur die guten Zeiten hier, ich bin aber noch einer von denen, die ganz anderes hier erlebt haben", sagt Herrmann. Damals hat er gelernt, wie wichtig Zusammenhalt und positives Denken sind.

Dass er grundsätzlich einer aus der Gute-Laune-Fraktion ist, hat ihm in den Monaten, als er verletzt war, geholfen. Darum hat er auch nicht resigniert, als noch nicht klar war, wie der Bänderriss heilen würde. "Es hätte ja alles viel schlimmer kommen können", weiß Herrmann. Darum hat er in dieser Saison, die für ihn eine verlorene war, viel gelernt. Vor allem das, was er hat, zu genießen. Wie die 90 Minuten in Darmstadt. Sie lassen ihn mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen.

Quelle: RP
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