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Pro und Contra
Borussias Dreierkette - Wohl oder Übel?

Pro und Contra: Was taugt Borussia Mönchengladbachs Dreierkette?
Die 0:4-Niederlage beim FC Schalke 04 hat die Diskussion um Borussias Defensivverbund neu aufkeimen lassen. FOTO: afp, PST
Mönchengladbach. Immer wieder auswärts kommt sie hoch: Die Debatte um das Markenzeichen von Gladbachs Trainer André Schubert: die defensive Dreierkette. Daheim passt es hinten wunderbar, in der Fremde nicht. Ein Pro und Contra zur Defensiv-Debatte.

Pro: Beharrlich bleiben

Als die Dreierkette bei Borussia erst eine Halbzeit alt war, stellte Trainer André Schubert seine Spieler in der Kabine vor die Wahl: Weitermachen oder zurück zur Viererkette? Das war in der Pause des Heimspiels gegen den FC Bayern, beim Stand von 0:0, am 5. Dezember 2015. Am Ende gewann Gladbach 3:1 und die Premiere der neuen Defensivformation war furios gelungen, auch dank des nötigen Glücks.

Dauerhaft mit drei Innenverteidigern lässt Schubert sein Team seit Anfang März dieses Jahres spielen. Da war Borussia bereits seit fünf Auswärtsspielen sieglos – in den meisten davon lief sie mit klassischer Viererkette auf. Entscheidend ist, dass die junge Mannschaft es noch nicht schafft, ihren mutigen und entschlossenen Stil auch auf fremdem Platz abgebrüht durchzuziehen. Die Art und Weise, wie Borussia beim 0:4 auf Schalke auseinandergebrochen ist, untermauert eher eine Auswärts-Ergebniskrise als ein Kettenproblem.

Hat der Gegner den Ball, wird die Dreierkette oft sowieso zur Viererkette. Dann lässt sich ein Außenspieler oder ein Sechser zurückfallen. Borussia-Spiele sind unter Schubert deutlich attraktiver geworden, weil mehr Tore fallen. 75:44 betrug das Torverhältnis in seinen ersten 34 Bundesligaspielen, in der letzten kompletten und überaus erfolgreichen Saison unter Lucien Favre waren es 53:26. Die Differenz ist leicht besser, einen Punkt mehr gab es im besten Favre-Jahr.

Es beschleicht einen das Gefühl, dass es weitaus ruhiger wäre im Umfeld, wenn Gladbachs Heim- und Auswärtsbilanz einfach nicht so extrem wären. Im Ausland wird die Dreierkette übrigens mehr gepriesen als kritisiert. Auch aufgrund des 3-4-1-2 kürte eine englische Fußballseite Borussia zum "Liebling der Hipster". Ihr Stil sei "aufregend". Natürlich wäre ab und an etwas weniger Aufregung nicht verkehrt. Aber Spiele wie die Pleite auf Schalke mit drei Gegentoren in sechs Minuten widerfahren der Mannschaft eher aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung. Den Stil an den richtigen Stellen zu justieren, dürfte gewinnbringender sein, als nun alles über den Haufen zu werfen. Jannik Sorgatz

Contra: Daheim 3, auswärts 4

Es gab eine Zeit, da wurde ein Trainer von Borussia Mönchengladbach gefeiert, weil er die Viererkette einführte: Das war Bernd Krauss in den 90er Jahren. Seither bestand Gladbachs Abwehr aus vier Spielern auf einer Linie.

Auch bei Lucien Favre war die Viererkette eine Institution – und die Art, wie Favre sie zu einem Bollwerk machte, das dem Gegner kaum einen Torschuss gönnte, war verblüffend. Es stimmte alles: die Abstände, die Abstimmung und letztlich die Abrechnung. In besten Zeiten hatte Borussia eine der besten Abwehrreihen Europas. Die Viererkette hatte einen hohen Wohlfühlfaktor. Sie gab Sicherheit und Geborgenheit.

Trainer André Schubert ist derweil eher ein Anhänger der Dreierkette. Die besteht aus drei Innenverteidigern und ist in der defensiven Ausprägung eher eine Fünferkette, was wiederum nicht modern ist, weil arg abwehrend. Schuberts Interpretation ist aber die offensive: mit Flügelspielern statt echten Außenverteidigern. Zwar gibt es neuerdings die "pendelnde Viererkette", bei der sich einer der Außen oder ein Sechser eingliedert in den hinteren Verbund, doch ist das recht komplex. So kommt es zu Lücken, und Lücken führen zu Gegentoren.

Stellen wir folgende These auf: Die Dreierkette funktioniert hinten nur dann richtig, wenn vorn mit ganz viel Mut gespielt wird, wenn also hoch aggressiv gepresst wird. Das kann Borussia auch richtig gut – aber nur im eigenen Stadion. Der Beleg ist auf dem Platz. Warum und wieso das so ist, sei dahingestellt, Fakt ist: Was daheim recht ist, wirkt in der Fremde zuweilen billig. Die Lösung könnte sein: Daheim kann die 3 hinten ruhig stehen, das gibt der Mut her. Doch auswärts, wo das Ego nicht so groß ist, wäre es, zumindest für den Moment, vielleicht besser, fix und ohne Pendelei auf die defensive 4 zu setzen. Modern ist gut, aber modern ist vor allem der Erfolg.

Wie gesagt: Die Viererkette steht in Gladbach für Sicherheit und Geborgenheit. Vielleicht kann ein Schritt zurück in der Kettenfrage das Auswärtsproblem lösen. Wenn das geschafft ist, kann mit Sicherheit auch auswärts die Dreierkette klappen. Karsten Kellermann
     

Quelle: RP
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