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Borussia Mönchengladbach
Raffael will Gladbach in die Champions League führen

Raffael – Keiner ist wertvoller für Borussia
Raffael – Keiner ist wertvoller für Borussia FOTO: ap
Mönchengladbach. Borussias Brasilianer ist eine der Leitfiguren im Team von Lucien Favre, das heute bei Eintracht Frankfurt antritt. Von Karsten Kellermann

Raffael lächelt kurz. Ob er emotional sei? "Natürlich", sagt der Brasilianer, der für Borussia Mönchengladbach spielt. "Aber", gesteht er im zweiten Teil seiner Antwort, er sei eher einer, der sich innerlich freut. Der 30-Jährige ist kein Mann der großen Geste. Seine Miene sagt selten etwas über seinen Gemütszustand. Auch seine Tore bejubelt er eher zurückhaltend. Wie am Samstag sein 2:0 beim 3:1 gegen Borussia Dortmund. Es war Raffaels sechster Treffer in der Rückrunde und der vierte in den letzten drei Spielen. Damit hat er wesentlich dazu beigetragen, dass sein Arbeitgeber viermal in Folge gewonnen hat und als Bundesliga-Dritter auf Champions-League-Kurs ist. Vor allem sein Doppelpack bei den Bayern, der Borussia einen 2:0-Sieg bescherte und auch in seiner Heimat viel beachtet wurde, ist ein Ursprung des immensen Selbstvertrauens, mit dem die Gladbacher derzeit unterwegs sind.

"Wir wollen den dritten Platz halten", kündigt Raffael entsprechend an und wählt damit die Sprachregelung, der alle seine Kollegen bei diesem Thema folgen. Es ist eine klare Ansage an Bayer Leverkusen, den verbliebenen Konkurrenten im Kampf um die direkte Qualifikation für die europäische Köningsklasse. Aber es sind keine markigen Worte, die da zu hören sind. Das Dogma der Borussen ist: Nicht viel reden, sondern viel machen. So denkt Trainer Lucien Favre. Und auch Raffael. Er lebt die Spielidee des Fußball-Lehrers aus der Schweiz. Er ist sozusagen Favres sportlicher Ziehsohn.

Favre holte Raffael als 18-Jährigen aus Chiasso zum FC Zürich und machte aus dem schmächtigen Mittelstürmer, der ihm später auch nach Berlin und schließlich nach Gladbach folgte, eine Neuneinhalb nach seinem Geschmack: Einen spielenden Stürmer, der Regiearbeit übernimmt und die Wege nach hinten zustellt. So ist Raffael zugleich Torschütze (elf Treffer insgesamt wettbewerbsübergreifend), Vorbereiter (sechs Assists), Ideengeber, Ballbeschleuniger und, in der Defensivbewegung, Balldieb.

Diese Ämterhäufung auf dem Platz macht ihn bei Borussia zu einem der Anführer im Team. Er ist kein Boss wie Martin Stranzl, der derzeit verletzte Abwehrchef, der durchaus seine Meinung zu sagen pflegt und eine Autorität auf dem Rasen und in der Kabine ist. Raffael ist eine leise Leitfigur. Er hat den Respekt seiner Kollegen, weil er ein toller Fußballer ist - und viel Erfahrung hat. "Das ist wichtig für einen Führungsspieler", sagt Raffael. Mehr als 400 Profispiele hat er gemacht und über 140 Tore erzielt. "Er ist mit seiner Technik fast nicht mehr wegzudenken bei uns", sagt Patrick Herrmann, der Raffael am Samstag nach seinem Solo bediente. Raffael ist einer der Spieler, die den Unterschied machen können.

Er ist Südamerikaner und daher ein Spaßfußballer. Derzeit macht ihm sein Job besonders viel Freude. "Wir spielen gut, daran haben wir alle Spaß", sagt er. Dass er mit einem verschossenen Elfmeter in Bielefeld aktiv am Pokal-Aus beteiligt war, und deswegen die Option auf eine Endspiel-Reise in seine Lieblingsstadt Berlin wegfällt, hat Raffael geärgert. Doch er hat die Enttäuschung weggespielt gegen Dortmund, wie der Rest der Mannschaft.

In Frankfurt, wo die Borussen heute bei der Eintracht antreten (20.30 Uhr, live bei Sky), will Borussia ihre Serie fortsetzen. Sie will vorlegen und damit Leverkusen im Fernduell unter Druck setzen. Raffael will Borussia auf seine leise Art in Frankfurt zum Erfolg führen - und am Ende der Saison in die Champions League.

Quelle: RP
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