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Borussia Mönchengladbach
Dieser Liste will Bobadilla kein Kapitel mehr hinzufügen

Gladbach stellt Bobadilla vor
Gladbach stellt Bobadilla vor FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Raúl Bobadilla hat auf all seinen Stationen für Negativschlagzeilen gesorgt. Da eine der Stationen Borussia Mönchengladbach war, wissen die Verantwortlichen also, was sie tun. Bei seiner Rückkehr am Donnerstag versuchte Bobadilla gleich, seine Reife unter Beweis zu stellen. Von Jannik Sorgatz

Nicht nur die Erinnerung an die lange Gladbacher Epoche des Abstiegskampfes haben die sportlichen Erfolge der vergangenen Jahre verblassen lassen, auch die Zeit der Eskapaden abseits des Platzes ist lange vorbei – es könnte ein Zusammenhang bestehen. Bobadilla war eines der letzten Problemkinder bei Borussia, mit dieser Bezeichnung tritt man ihm nicht zu nahe. Anfang 2012 verließ er den Klub. Die Sache mit dem "Kind" dürfte seitdem alleine die Zeit erledigt haben, der Paraguayer ist inzwischen 30 Jahre alt, und von ernsthaften "Problemen" ist seit Längerem auch nichts mehr nach draußen gedrungen.

Nicht viele Bundesliga-Manager gibt es, die einen Spieler zurückholen können, der vor mehr als fünf Jahren ging und vor acht erstmals geholt worden war – weil sie in der Zwischenzeit meistens selber weg sind. Max Eberl muss also wissen, ob dieser Transfer Sinn ergibt. Dass er der Überzeugung ist, betonte der 43-Jährige bei Bobadillas Vorstellung am Donnerstag. 

Bobadilla selbst verschleierte nicht, dass sein Name etwas oft wegen nicht-sportlicher Belange in der Zeitung stand. "Ich habe eine gute Zeit hier gehabt, viele schöne Momente, auch weniger gute Momente", sagte er. "Dann bin ich gegangen, aber jetzt bin ich wieder da und bedanke mich bei Borussia für diese Möglichkeit."

  • März 2010: Am Freitagabend hat Borussia beim 1. FC Köln 1:1 gespielt. Der Sonntag ist trainingsfrei, weshalb Bobadilla am Samstagabend eine Tour in die Gladbacher Altstadt unternimmt. In der Nacht hält ihn die Polizei in der Nähe des Alten Marktes mit seinem gelben Lamborghini an. Der damals 22-Jährige hat 1,17 Promille Alkohol im Blut. Der Vorfall kommt erst ein paar Wochen später raus. "Er hat getan, was andere junge Menschen auch mal tun: gefeiert. Doch statt mit dem Taxi zu fahren, ist er in sein Auto gestiegen. Raúl wird empfindlich leiden unter der Strafe, die er vom Staat bekommt", sagte Eberl. "Ich denke, dass er nun auf den Boden der Tatsachen zurückkommt."
  • Dezember 2010: Beim Derby in Köln hat Bobadilla mit zwei Toren geglänzt, auch im Heimspiel danach gegen Mainz spielte er trotz der Niederlage nicht schlecht. Doch eine Woche später sitzt er in Dortmund nur auf der Bank – Michael Frontzecks Mannschaft verliert 1:4. Dann kommt Hannover 96 in den Borussia-Park, Bobadilla ist immer noch angefressen und übermotiviert. Von Sergio Pinto, auch kein Kind von Traurigkeit, lässt er sich so provozieren, dass er nachtritt und vom Platz fliegt. Zudem Zeitpunkt führt Borussia 1:0, verliert in Unterzahl noch 1:2. Auf dem Weg in die Kabine beschimpft Bobadilla das Schiedsrichter-Gespann, auch eine Glastür muss dran glauben. Seine Fünf-Spiele-Sperre sitzt er gar nicht komplett in der Bundesliga ab, weil Borussia ihn in der Winterpause nach Griechenland an Aris Saloniki verleiht. Oben drauf gibt es die Rekordstrafe von 50.000 Euro.
     
  • Mai 2012: Sein letztes Halbjahr in Gladbach verläuft ohne große Eskapaden. Zum Höhenflug unter Lucien Favre trägt Bobadilla, der die Zeit in Griechenland auch zum Nachdenken genutzt hat, aber nur als Joker bei. Er kehrt zurück in die Schweiz, woher er 2009 gekommen war, und schließt sich den Young Boys Bern an. Am Ende der Saison rastet er im Spiel gegen Luzern aus, nachdem Bern den späten Ausgleich kassiert hat. "Ich versuche, bis zehn zu zählen, bevor ich reagiere. Auf ein Foul, einen Schiedsrichterpfiff. Das gelingt nicht immer", lautete seine Devise, aber diesmal hält er sich nicht dran. Für höhnischen Beifall fliegt Bobadilla mit Gelb-Rot vom Platz, im Kabinengang beschimpft er den Linienrichter, während zwei Betreuer an ihm hängen. Sein "Hijo de Puta" gibt es anschließend auch auf Video.
     
  • Juli 2013: Diesmal wieder ein Verkehrsvergehen, anders als die Alkoholfahrt in Gladbach 2010 bedeutet es das Aus beim FC Basel. Mit 111 Stundenkilometern wird Bobadilla in einer 50er-Zone geblitzt. Der Führerschein wird genauso einkassiert wie der Maserati, den die Polizei am nächsten Tag abholt – der Schweizer Boulevard berichtet im ausführlichen Ticker. Nachbarn berichten schockiert ("Es hat Wumms gemacht!") von seiner Raserei. Nachdem Bobadilla zum FC Augsburg gewechselt ist, kommt raus, dass er mit seinem Haus in dem kleinen Schweizer Ort wenig sorgsam umgegangen ist. Basel behält 20.000 Franken Gehalt für die Renovierungsarbeiten ein, Bobadillas regelmäßige Casinobesuche will der Klub nicht kommentieren.
     
  • Mai 2014: FCA-Sportdirektor Stefan Reuter begleitet Bobadilla zur Verhandlung in die Schweiz. 61 km/h zu viel bescheren dem Stürmer 16 Monate Haft auf Bewährung.
     
  • November 2014: Erst Monate nach dem Vorfall räumt Bobadilla ein, dass es auf dem Augsburger Presseball in den frühen Morgenstunden zu einer Schlägerei gekommen sei. Er wird angezeigt und letztlich zu 90 Tagessätzen verurteilt.

Auffällig geworden ist der Paraguayer also schon länger nicht mehr. 2015 wurde er Vater, Noah Gabriel heißt sein Sohn. Den Eindruck der Reife wollte Bobadilla am Donnerstag indirekt über seine Rückennummer demonstrieren. Künftig trägt der Stürmer die 26, obwohl die Neun frei gewesen wäre. "In meinem Alter ist das nicht mehr so wichtig", sagte er. Der Fußball allein soll für Schlagzeilen sorgen.

 
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