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Borussia Mönchengladbach
Raus aus dem Verletzungskeller

Borussia Mönchengladbach: Raus aus dem Verletzungskeller
Patrick Herrmann erlitt in der vergangenen Saison einen Kreuzbandriss. FOTO: afp, CS
Mönchengladbach. In der Tabelle der Ausfalltage von Profis war Borussia 15/16 15. Was also tun für Besserung? Von Stefan Klüttermann

Der Superlativ hat es sich bei Borussia richtiggehend gemütlich gemacht in den vergangenen Jahren. Sportliche wie wirtschaftliche Kennzahlen erzählen Geschichten von teils nie da gewesenem Erfolg. Der Aufschwung ist am Niederrhein seit 2011 so nachhaltig wie bemerkenswert, mit der abgelaufenen Saison und der Champions-League-Premiere als vorläufigem Höhepunkt. Doch es gibt einen Bereich, da hat Borussia in den zurückliegenden Monaten eine Entwicklung genommen, die so gar nicht ins rosa Karo-Muster passen will: das Verletzungspech. Das Portal "fussballverletzungen.com" hat zusammengetragen, dass Gladbach in den vier Spielzeiten zwischen 2011 und 2015 ligaweit mit Abstand die wenigsten verletzungsbedingten Ausfälle aller 18 Teams aufgewiesen hatte. Doch 2015/16 erfolgte in dieser Wertung nun der Absturz auf Rang 15.

1414 Ausfalltage verzeichnete der Kader über die Summe aller verletzten Spieler, Darmstadt kommt als Klub mit den wenigsten Ausfalltagen auf gerade einmal 500. Zum Vergleich: 2014/15 führte Borussia die Liga selbst mit nur 526 Ausfalltagen an. 2013/14 ergab sich ein ähnliches Bild: Borussia war Erster mit 666 Ausfalltagen. In jenen Jahren hatte Lucien Favre in sogar relativ kleinem Kreis rotieren und die Belastung verteilen können, in jenen Jahren war das Verschont-bleiben vom Verletzungspech ein Erfolgsfaktor der Borussen.

Doch in der Vorsaison hagelte es viele und dazu schwere Verletzungen. Von sieben Kreuzbandrissen in der Bundesliga entfielen drei auf Borussia (Jantschke, Herrmann, Nico Schulz). Die medial wohl am prominentesten verarbeitete Verletzung erlitt André Hahn (Bruch im Schienbein und Riss des Außenmeniskus) nach dem Foul von Schalkes Johannes Geis, Alvaro Dominguez fällt seit November mit einer Rücken-OP aus. Martin Stranzls Augenhöhlenbruch kostete ihn fünf Monate, Josip Drmics Knorpelschaden beendete sein Leihgeschäft in Hamburg vorzeitig und kostete ihn die EM. Für die Reha-Abteilung um Andy Bluhm und die Physiotherapeuten bedeutete das viel Arbeit neben der täglichen Pflege der Spieler.

Wenn Borussia nun nächste Woche in die neue Saison einsteigt, bleiben von dieser Verletzenmisere vor allem zwei Punkte hängen: 1) das Hochgefühl, dank gewachsener Qualität in der Kaderbreite trotzdem Vierter geworden zu sein, 2.) die Hoffnung und das Bestreben, das Lazarett 2016/17 wieder deutlich kleiner zu halten. Ein abzustellender Missstand ist indes nicht wirklich auszumachen, denn Kreuzbandrisse und brutale Fouls lassen sich nicht über Trainingssteuerung vermeiden. "Ich glaube nicht, dass das an den Trainingsmethoden liegt", hatte Tony Jantschke dann auch schon vor Monaten gesagt. Hinzukommt: Bei den Muskelverletzungen lag Borussia laut "fussballverletzungen.com" in der Vorsaison im Bundesligamittelfeld. Was also gegen das Verletzungspech schlichtweg bleibt - so ernüchternd es klingt -, sind eine kluge Belastungssteuerung und -verteilung, eine enge Absprache zwischen sportlicher Leitung und medizinischer Abteilung und am Ende eben einfach auch eins: Glück.

Quelle: RP
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