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Borussia Mönchengladbach
Rotation extrem

Drochtersen/Assel - Borussia: Einzelkritik
Drochtersen/Assel - Borussia: Einzelkritik FOTO: dpa, crj fpt
Mönchengladbach. Erst auf der Tribüne, nun der Mann des Tages: Julian Korb war beim Champions-League-Play-off in Bern nicht im Kader, beim Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel gehörte er zur Startelf und erzielte das einzige Tor des Spiels. Von Karsten Kellermann

Julian Korb war am Samstag lange wach. Nicht, weil ihm sein Siegtor beim Pokalspiel der Borussen bei der SV Drochtersen/Assel den Schlaf geraubt hat. Dabei war es ein Tor, dass den Borussen unter Umständen viel erspart hat: eine Verlängerung beim Regionalligisten, vielleicht ein unberechenbares Elfmeterschießen und, im übelsten Fall, der GAU, das Aus, Hohn und Spott, Erklärungsnot, mithin miese Stimmung vor dem zweiten Champions-League-Play-off gegen Young Boys Bern am Mittwoch. Doch Korb traf nach Christoph Kramers Vorarbeit und alles ist gut.

Wach geblieben ist das Gladbacher Eigengewächs später, weil er sich das olympische Fußballfinale angeschaut hat. Denn auf gewisse Weise ist Korb mit dafür verantwortlich, dass das Team von Trainer Horst Hrubesch in Rio de Janeiro ein solches "Super-Turnier" spielen konnte. Korb gehörte auf dem Weg zur Olympia-Qualifikation zum Stammpersonal. "Wir wollten die Quali damals unbedingt schaffen, um den Jungs nach uns die Chance zu geben, in Rio dabei zu sein. Ich freue mich, auch für den Trainer und den Staff", sagte Korb.

Fotos: Borussia übersteht erste Pokalrunde bei Drochtersen/Assel FOTO: Dirk Päffgen

Gefreut hat er sich auch über seinen Einsatz in Drochtersen. "Es ist wohl eine der Geschichten, die nur der Fußball schreibt", kennt Korb selbst den Nachrichtenwert dessen, was ihm in den vergangenen Tagen widerfahren ist. Beim Play-off in Bern war er nicht im 18er-Kader. Nun gehörte als einer von sieben Neuen zur Startelf und war gleich der Mann des Tages. "Das zeigt, wie gut unser Kader aufgestellt ist", sagte Korb. Dass er deswegen neue Wege suchen könne, wurde nach der Tribünen-Situation in Bern spekuliert, doch Wechselgedanken hat Korb nicht. "Ich habe eine gute Vorbereitung gespielt, das hat mir der Trainer auch bescheinigt. Ich werde mich anbieten", sagte er.

Dass Schuberts Ankündigung von großartiger Rotation nicht nur eine Fensterrede war, weiß nun auch Korb. Der Trainer wechselte nicht nur das Personal, sondern auch die Grundordnung: Hinten wurde mit Viererkette gespielt. Korb gab den rechten Verteidiger. "Ich bin ja flexibel, habe in den vergangenen Jahren hinten fast alles gespielt", sagte Korb. Zuletzt auch den rechten Part in der Dreierkette. Korbs Aufstieg vom Tribünenhocker zum Tagessieger zeigt auch, dass die Ansage von Schubert und Manager Max Eberl, dass jeder Spieler im Kader wichtig sei, zutrifft.

"Mythos Gladbach" auf 84 Seiten FOTO: Rheinische Post

Korb, der in Drochtersen neben Tony Jantschke, Mo Dahoud und Patrick Herrmann eines von vier Eigengewächsen in der Startelf war, kennt den Wandel zwischen den Extremen. In der vergangenen Saison war er zunächst einer der großen Gewinner unter Schubert. Der Höhepunkt für Korb war der Treffer beim Champions-League-Spiel in Manchester. In der Rückrunde jedoch kam er kaum noch zum Einsatz. "Die Hinrunde war meine bis dahin beste Halbserie im Borussen-Trikot, in der Rückrunde durfte ich leider nicht mehr so viele Spiele machen", sagte Korb.

Aktuell ist seine Bilanz ausgeglichen: Zwei Pflichtspiele gab es, eines hat er gemacht. Damit kann Korb leben. Zumal Max Eberl in Drochtersen noch einmal herausgestellt hat, dass es eben keine erste Elf gebe in Gladbach, sondern eine erste 18, also eine erweiterte Stammmannschaft. "Man braucht viel Qualität, wenn man in die Champions League und in der Bundesliga unter die besten sechs oder sieben Teams will", sagte Eberl.

Hahn aus dem Abseits zum 2:1 FOTO: dpa, ps sam

Vier Spiele in zwölf Tagen gilt es derzeit zu absolvieren, von daher ist André Schubert froh um die reichlichen Alternativen. Und stellte klar: "Ich kann mich doch nicht hinstellen und sagen, dass ich meinen Spielern vertraue, und wechsele dann nicht." Die Spieler müssen sich jedoch emotional noch richtig an die große Offenheit gewöhnen, zumal, wenn Rotation extrem angesagt ist, wie nun bei Korb: erst außen vor, dann mitten drin. "Spielen will jeder immer. Man darf enttäuscht sein, wenn es nicht so ist, aber sich nicht die Laune vermiesen lassen", sagte Korb. Siegtore sind dabei natürlich sehr hilfreich.

Quelle: RP
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