| 13.12 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Schon wieder Spektakel: Borussias schmaler Grat

Einzelkritik: Bestnote für Johnson
Einzelkritik: Bestnote für Johnson FOTO: dpa, ua axs
Sinsheim. Fabian Johnson rettet Borussia beim 3:3 in Hoffenheim einen Punkt. Dem FC Bayern München dürfen die Gladbacher nächster Woche aber nicht so viel Raum geben. Von Stefan Klüttermann

Moral ist ein arg bedeutungsschwangeres Wort im Fußball. Absolut verlässlich kommt sie immer dann zum Tragen, wenn eine Mannschaft einen zwischenzeitlich deutlichen, also quasi demoralisierenden, Rückstand bis zum Schlusspfiff noch in Zählbares verwandeln kann. Dann sprechen die Beteiligten eben oft und gerne von der Moral, die man gezeigt habe, und nicht minder selten, wie viel die getätigte Aufholjagd doch über den Charakter des Teams aussage.

Insofern stellte Borussia Mönchengladbachs 3:3 bei der TSG Hoffenheim (Tore: Fabian Johnson (2), Josip Drmic), das nach einem 1:3-Rückstand zustande kam, dann auch nichts nie Dagewesenes im Fußball da. Kapitän Granit Xhaka sagte hinterher: "Wir haben Moral gezeigt", Torschütze Josip Drmic fand: "Wir haben Charakter gezeigt, sonst hätten wir dieses Spiel verloren", und Rechtsverteidiger Julian Korb sagte: "Wir haben immer daran geglaubt, hier noch etwas mitzunehmen." Viel mehr als zu Erhellendem über Moral und Charakter taugte der Spielverlauf zur Aussage über die Früchte und Risiken von Gladbachs neuem Spektakelfußball unter Trainer André Schubert.

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In den vergangenen beiden Spielen - 3:3 in Sinsheim, 4:2 gegen Sevilla - gab es zwölf Treffer in Gladbacher Partien. In beiden Spielen war es ein äußerst schmaler Grat, auf dem die Borussen wandelten: Sie hatten Torchancen en masse, sie begeisterten die Zuschauer mit mitreißendem Fußball - aber sie ließen eben auch etliche Torchancen zu, sie hätten beide Spiele, genauso wie das 2:1 gegen Hannover vor einer Woche beim Start aus der Länderspielpause, verlieren können. Sie hatten viel Glück und boten den Gegnern Räume an, die auf Dauer nicht ungenutzt bleiben werden.

Wie im Vorjahr steht Borussia nach 14 Spieltagen bei 23 Punkten. Doch ein Blick auf die Tordifferenz manifestiert die veränderte Spielweise. 2014 stellte man bei 19:12 Treffern nur den neuntbesten Sturm der Liga, dafür aber die zweitbeste Abwehr. Heute bedeuteten 28:22 Treffer den drittbesten Sturm, aber nur die elftbeste Abwehr. Wo Lucien Favre stets das Primat der Vorsicht und Sicherheit predigte, löst der offensivere Ansatz von Nachfolger Schubert nun offenbar aus, dass die Profis vor lauter Vorwärtsdrang die Balance zwischen Angriff und Verteidigung zuweilen mit mehr Herz als Hirn herzustellen suchen. "Wir wollen einfach gewinnen. Ob jetzt 1:0, 4:3 oder 5:3 oder 6:0 - das ist eigentlich egal. Hauptsache, die drei Punkte sind bei uns", sagt Xhaka.

Die Devise "ein Tor weniger kassieren als der Gegner" ist aktuell in Gladbach durch ein "ein Tor mehr schießen" abgelöst. Solange es gut geht, beschwert sich niemand, aber nun kommen am Samstag (15.30 Uhr) ausgerechnet die Bayern in den Borussia-Park - und die decken bekanntlich in diesen Wochen jede Schwäche auf. Deswegen reifte bei den Borussen auch schon in Sinsheim die Überzeugung, dass man den Spektakel-Faktor wohl ein bisschen reduzieren müsse. "Wir können nicht so offen stehen wir hier in Hoffenheim, aber wir werden auch nicht mit zehn Spielern am eigenen Sechzehner stehen", sagte Xhaka. Aber er sagte eben auch: "Wir werden unseren Fußball nicht verändern, nur weil Bayern München zu uns kommt. Ich glaube sowieso nicht, dass man gegen die Bayern 95 Minuten nur mauern kann, auch wenn Frankfurt das vielleicht zuletzt mal geschafft hat."

Drmic feiert seine Tor-Premiere FOTO: afp, agz

Für Schubert wird das Bayern-Spiel seine bisher größte taktische Herausforderung. Und auch er wird wissen, wie viele Probleme die Bayern in den vergangenen Jahren gegen eine zunächst mal intelligent verteidigende Favre-Borussia hatte.

Quelle: RP
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