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Borussia Mönchengladbach
Schuberts Vier-Punkte-Plan für Borussia

Das ist André Schubert
Das ist André Schubert FOTO: dpa, fg fdt
Mönchengladbach. Interimstrainer André Schubert will mit mehr Mut und Aggressivität die Gladbacher Krise beenden. Sportdirektor Max Eberl stellt klar, dass die Suche nach Lucien Favres Nachfolger bis zum Winter dauern kann. Von Stefan Klüttermann

Pressekonferenzen mit Lucien Favre waren in der Regel ein Akt höflicher Verschwiegenheit. Sie waren meist sehr kurz, weil Borussias ehemaliger Trainer sich in seinen Antworten auf charmant-inhaltslose Halbsätze beschränkte. Das Podium im Borussia-Park war für Favre fast immer ein Pflichttermin, keine geliebte Bühne. Für seinen vorübergehenden Nachfolger André Schubert war dasselbe Podium gestern nun die Plattform für eine fußballerische Regierungserklärung. Lächelnd, eloquent, ja redselig und in der Körpersprache vor Selbstvertrauen geradezu strotzend, tat der 44-Jährige kund, wie er Gladbachs sportliche Talfahrt zu stoppen gedenkt. Heute gegen den FC Augsburg (20 Uhr/Live-Ticker) soll der Auftakt gemacht werden.

Schubert sagte: "Ich bin nicht zur Borussia gekommen, um auf irgendwas zu spekulieren, ich sehe das nicht als Chance, ich sehe das als große Herausforderung." Aber sein Auftritt verriet: Hier ist jemand, der sich auf jeden einzelnen Tag freut, an dem er sich in der neuen Rolle beweisen darf. Wie lange er nun diese Rolle einnehmen wird, das konnte Sportdirektor Max Eberl nach wie vor noch nicht konkret sagen, er stellte aber zumindest in Aussicht, eventuell sogar die erste Halbserie mit Schubert beenden zu wollen. "Es kann sein, dass die Trainersuche bis zum Winter dauert", sagte Eberl. Und er wollte auch nicht ausschließen, dass man sich um einen Trainer bemühen werde, der woanders unter Vertrag steht. "Wir versuchen, für uns den besten Trainer zu finden", sagte Eberl. Natürlich sei es wünschenswert, auf andere Rücksicht zu nehmen. "Aber das tut nicht jeder." Während Eberl also an der langfristigen Zukunft auf der Trainerbank arbeitet, heißt die Gegenwart Schubert. Und Schubert skizzierte vier Punkte, vier Stellschrauben, an denen er ansetzen will, um den Umschwung zu schaffen.

Fotos: Eberl nimmt Stellung zum Favre-Rücktritt FOTO: Dirk Päffgen

1) "Wir sind zu passiv im Defensivverhalten." Zwölf Gegentore in der Liga, ungehindertes Zulassen von Flanken, kaum Pressing - die Schwachpunkte liegen in dieser Hinsicht auch einfach auf der Hand. "Wir können mal defensiver spielen, aber wir dürfen nie passiv werden. Ein Zweikampf ist immer aggressiv, ist aktiv, ist immer auch ein Stören, ein Unter-Druck-Setzen des Gegners", sagte Schubert.

2) "Der Zug zum Tor ist auch etwas, was angesprochen worden ist." Ganze zwei eigene Treffer in den vergangenen sechs Pflichtspielen, ideen-, mut- und harmlos präsentierte sich Borussias Offensive zuletzt, unfähig, eine gegnerische Abwehr in Bewegung und so in Unordnung zu versetzen. "Es geht um Aggressivität auch mit dem Ball, Eins-gegen-eins-Situationen zu suchen, den Mut müssen wir wieder haben. Wir haben dafür Spieler mit einer hervorragenden Qualität", erklärte Schubert.

3) "Es geht um das Umschaltverhalten in beide Richtungen." Die Lücken, in die der Gegner bei Kontern stoßen kann, sind in dieser Saison zwar ein neues, aber dafür ein umso eklatanteres Gladbacher Problem. Gleichzeitig ist das Umschalten auf Angriff viel zu behäbig.

Wer folgt auf Lucien Favre? FOTO: dpa, Steffen Schmidt

4) "Selbstvertrauen, das ist der vierte Punkt, den erarbeiten wir uns durch die Punkte eins bis drei." Wenig überraschend sieht auch Schubert wie quasi jeder Interimstrainer in positiver Aggressivität einen kurzfristigen Weg zur Besserung. "Mit jedem Zweikampf, mit jedem Torschuss, mit jedem geblockten Torschuss des Gegners holen wir uns das Selbstbewusstsein zurück", sagte er.

Schubert weiß, dass er nicht viel Zeit hat. Er weiß, dass er schnell liefern muss. Weil Borussia sich das von ihm erhofft, und weil er selbst ebenso weiß, dass die kommenden Wochen eine große Chance für ihn sind. Selbst wenn er auf diese Chance nie spekuliert haben sollte.

Quelle: RP
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