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Borussia Mönchengladbach
So verdauten Borussias Vorgänger die Königsklasse

So verdauten Borussia Mönchengladbachs Vorgänger die Königsklasse
FOTO: BMG, Fotomontage: Schreiber/Quast
Mönchengladbach. Heute in drei Monaten steigt der erste Gruppenspieltag der Champions League. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass für die zehn Bundesligisten vor Borussia das Debüt in der Champions League durchaus auf Kosten des Abschneidens in der jeweiligen Bundesligasaison ging. Von Stefan Klüttermann

Die Vorfreude auf Borussias erste Champions-League-Saison ihrer Vereinsgeschichte ist groß, daraus macht keiner der Beteiligten einen Hehl. "Für unseren Verein sind Spiele in diesem Wettbewerb wie Festtage", sagt beispielsweise Vizepräsident Rainer Bonhof. Doch so kribbelig die Erwartungshaltung in Richtung Königsklasse im gesamten Borussen-Land auch ist, so sehr sind sich die Verantwortlichen im Klub darüber im Klaren, dass das Vorstoßen an die monetären Fleischtöpfe der Uefa nicht nur einen Festakt, sondern auch einen Balanceakt darstellen wird.

"Die Herausforderungen werden größer werden. Wir werden anders wahrgenommen werden", sagt Sportdirektor Max Eberl. Das gilt für die Gegner in der Champions League genauso wie für den Bundesligaalltag - und vor allem für das parallele Bewerkstelligen beider Wettbewerbe. Denn so viel Lob es aus allen Richtungen in der so erfolgreichen Vorsaison auch dafür gegeben haben mag, wie gut die Rotation in Mönchengladbach funktionierte, so dringend wird nun eine Rotation 2.0 vonnöten sein, denn in der Gruppenphase der Champions League gibt es - anders als in der Europa League - eben keine schwächeren Gegner, gegen die man mit Blick auf das kommende Ligaspiel manchen Leistungsträger schonen konnte.

Saison 14/15: Das Zeugnis der Borussia-Spieler FOTO: dpa, fg nic

Diese Aussicht ist für Borussia nun zwar Neuland, aber vor ihr standen eben bereits zehn andere Bundesligisten vor genau derselben Herausforderung - die zehn Bundesligavereine, die seit 1992 ebenfalls ihr Debüt in der Champions League gaben und ohne Erfahrungen in der Königsklasse mit diesem kompliziertesten Tanz auf drei Hochzeiten klar kommen mussten. Insofern lohnt sich ein Blick zurück.

Die generelle Erkenntnis lautet dabei: Nur einem von zehn Vereinen gelang es, parallel zu seinem erstmaligen Auftreten in der Champions League über die Liga erneut das Ticket für diesen Wettbewerb zu lösen. Es war der BVB. Der Meister von 1995 verteidigte im Jahr drauf seinen Titel. Neun von zehn deutschen Champions-League-Debütanten bezahlten ihre Premiere unter den Top Teams Europa also immerhin damit, in der folgenden Saison kein zweites Mal dabei zu sein. Fünf von diesen neun gelang zumindest noch die Qualifikation für den Uefa-Cup oder - nach 2008 - die Europa League. Die Bayern rutschten 1995 als amtierender Meister nur dank Borussias Pokalsieg noch in den Uefa-Cup. Vizemeister Bayer Leverkusen verpasste 1998 die erneute Champions-League-Teilnahme als Dritter derweil nur knapp. Sensationsmeister 1. FC Kaiserslautern wurde 1999 genauso Fünfter wie Vizemeister Schalke 04 2002. Und Hertha BSC, als Dritter 1999 in die Königsklasse vorgestoßen, wurde im Jahr drauf immerhin noch Sechster.

Bleiben vier Vereine, bei denen sich die erstmalige Belastung Champions League empfindlich auf den Ligaalltag niederschlug: Sie alle mussten in der Saison drauf ganz ohne Europapokal auskommen. So erging es dem VfB Stuttgart, dem Meister von 1992, der in der folgenden Spielzeit nur Siebter wurde. So passierte es Werder Bremen, dem Meister von 1993, der 1993/94 als Achter abschloss. Der HSV, 1999/2000 noch als Dritter für die Champions League qualifiziert, wurde im Jahr drauf gar nur 13. in der Bundesliga, und der VfL Wolfsburg landete als Meister von 2009 in der folgenden Runde nur auf Rang acht.

Borussia-Fans singen "Die Elf vom Niederrhein" FOTO: Jörg Knappe

Die Geschichte dient den Borussen also durchaus als Warnung, wobei die handelnden Personen wohl für sich in Anspruch nehmen würden, keiner Extra-Warnung zu bedürfen. Schließlich saust Realismus seit mehreren Jahren als Leitmotiv durch die Flure des Borussia-Parks. "Unsere Zielsetzung des einstelligen Tabellenplatzes ist kein Blabla, sondern aus der Realität geboren", sagt Eberl. Und dieser Realität wollen sie treu bleiben. Auch und gerade als Champions-League-Debütant.

Quelle: RP
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