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Borussia Mönchengladbach
So verließ Borussia die Königsklasse für 37 Jahre

Fotos: Diese aktuellen Trainer sind am längsten im Amt
Fotos: Diese aktuellen Trainer sind am längsten im Amt FOTO: dpa, row htf
Mönchengladbach. Der Original-Artikel aus unserer Zeitung vom 13. April 1978 dokumentiert Borussias Ausscheiden aus dem Landesmeister-Cup in Liverpool tags zuvor.

In einem Monat weiß Borussia dann endlich Bescheid, wissen alle Beteiligten, wer ihre drei Kontrahenten bei der ersten Teilnahme an Europas wichtigstem Pokalwettbewerb seit 37 Jahren sein werden. Und es wird zudem feststehen, wann die Borussen ihr erstes Spiel in der Champions League bestreiten, also, ob am 15. oder 16. September. Ihren bis dato letzten Auftritt im Vorgängerwettbewerb, den die früher Geborenen noch unter dem Titel "Europapokal der Landesmeister" kennen, hatte Borussia am 12. April 1978. Mit einem 0:3 im Rückspiel bei FC Liverpool schieden die Fohlen damals im Halbfinale aus.

Nachfolgend dokumentieren wir den Wortlaut des Textes von Sportredakteur O. E. Schütz, der am 13. April 1978 in der Rheinischen Post unter der Überschrift "Die Borussen wurden wie mit Urgewalt einfach niedergewalzt" so erschienen ist:

"Das war die Nacht der Nächte", schwärmten englische Journalisten. Der FC Liverpool ließ gestern abend beim 3:0 im Halbfinalrückspiel des Europapokals dem Deutschen Meister Borussia Mönchengladbach keine Chance. Die entfesselt und mit Urgewalt aufspielenden Engländer bestätigten eindrucksvoll ihren Ruf, Europas derzeit beste Vereinsmannschaft zu sein. Wie eine Dampfwalze machten sie die Versuche deutscher Spielkunst nieder. Die sich tapfer, aber ohne große Hoffnung wehrenden Borussen waren ihrem Gegner vor allem in Zweikämpfen und bei Kopfbällen deutlich unterlegen.

Es mag sein, dass die Angst der Gladbacher vor englischen Gegnern auch diesmal wieder eine Rolle gespielt hat. Bereits dreimal waren sie im Europapokal gegen Mannschaften von der Insel unterlegen: 1970 nach dem Elfmeterdrama in Everton, 1973 im Finale des Uefa-Cups gegen den FC Liverpool, im Vorjahr im Endspiels des Meisterpokals in Rom gegen die Liverpooler, und nun zum dritten Mal gegen den Englischen Meister. Die Mönchengladbacher, denen man gewiss keinen mangelnden Einsatz vorwerfen kann, hatten zwar den Willen, aber einfach nicht die physische Kraft, dem auch körperlich deutlich überlegenen Gegner entscheidenden Widerstand zu leisten.

In der ersten halben Stunde verstanden sie es noch, das Spiel einigermaßen offen zu halten und einige im Ansatz erfolgversprechende Angriffe zu starten. Doch dann wurden sie immer mehr in der eigenen Hälfte eingeschnürt und streckenweise fast pausenlos mit hoch in den Strafraum geschlagenen Bällen eingedeckt. Torhüter Wolfgang Kleff, mehrfach sehr hart von den Briten angegangen, verhinderte dabei eine noch höhere Niederlage.

"Wir müssen die erste halbe Stunde ohne Gegentor überstehen, dann haben wir eine Chance", hatten die Deutschen sich nach dem knappen 2:1-Sieg aus dem Hinspiel in Düsseldorf vorgenommen. Doch daraus wurde nichts. Bereits nach knapp sieben Minuten hieß es 1:0 für die Platzherren. Ray Kennedy hatte es mit einem gewaltigen Kopfball genau in den linken oberen Torwinkel erzielt. Dieser Kennedy war überhaupt die entscheidende Person gestern abend im Spiel des FC Liverpool. Obwohl er mit Rainer Bonhof einen der stärksten Gladbacher gegen sich hatte, bestimmte er das Spiel seiner Mannschaft und war einfach nicht auszuschalten. Er gab per Kopf die Vorlage zum 2:0 von Dalglish in der 34. Minute und in der 55. Minute auch den Paß zu Case, der Kulik ausspielte und sich dann freistehend aussuchen konnte, wohin er den Ball zum 3:0 schießen wollte.

52.000 Zuschauer an der in der ganzen Welt gefürchteten Anfield Road waren völlig aus dem Häuschen. Sie feierten ihre "Roten", wie die Liverpooler genannt werden, mit begeisterten Sprechchören und Gesängen. Der Englische Meister war allerdings nach dieser entscheidenden 3:0-Führung nicht so dumm, bedingungslos weiter zu stürmen. Er zog sich ein klein wenig zurück. so daß in der Schlußphase die Gladbacher wieder zu einigen Angriffen kamen. Doch große Chancen gab es dabei nicht.

Nur in der Anfangsphase liefen einige erfolgversprechend aussehende Angriffe der Borussen, wobei dann allerdings der quirlige Del'Haye sich meist zwei oder drei Gegenspielern gegenübersah und nicht weiterkam. Herbert Wimmer spielte zeitweise dritte Spitze, indem er über den linken Flügel kam. Später allerdings war von den Gladbacher, der sich in der letzten Zeit wegen seiner Achillessehnenbeschwerden gar nicht oder nur leicht trainiert hatte, immer weniger zu sehen. Er wurde zwanzig Minuten vor Schluß zusammen mit Wohlers ausgewechselt. Doch von Schäfer und Lienen, die für die beiden hereinkamen, konnte man beim Stande von 0:3 nicht erwarten, daß sie noch eine Wende würden bringen können.

Beste Gladbacher neben Kleff und Bonhof waren Libero Wittkamp und Kulik, der vor allem in der Schlußphase etwas Linie ins Spiel brachte. Berti Vogts hatte mit Heighway viel Mühe, und Wilfried Hannes bekam den Keegan-Nachfolger Dalglish nicht so in den Griff, wie er das noch im Hinspiel in Düsseldorf geschafft hatte. Hier machte sich wohl auch seine fehlende internationale Erfahrung bemerkbar.

Doch dem Deutschen Meister darf beschieden werden, daß er sich gestern abend trotz dieser 0:3-Niederlage mit Anstand aus dem Europapokal verabschiedet hat.

Quelle: RP
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