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Borussia Mönchengladbach
So würde die Xhaka-Ablöse Borussia verändern

Granit Xhaka – Schweizer, Ex-Borusse, Führungsspieler
Granit Xhaka – Schweizer, Ex-Borusse, Führungsspieler FOTO: dpa
Mönchengladbach. Ob nun in diesem Sommer für 40 Millionen Euro oder ein Jahr später für 30 – fest steht: eine horrende Einnahme durch den Weggang von Granit Xhaka würde Borussia zwangsläufig nachhaltig verändern. Es geht um Gehaltstruktur, Wahrnehmung und mittelfristige Risikobereitschaft. Von Stefan Klüttermann

1. DER MARKT Realistisch geht es nicht darum, ob, sondern nur, wann Granit Xhaka Borussia verlässt. Ob per Ausstiegsklausel ein Verein 2017 knapp 30 Millionen Euro zahlt oder Borussia bereits in diesem Sommer bei knapp 40 Millionen Euro schwach wird - es käme in jedem Fall viel Geld in die Gladbacher Kasse. Geld, das über den ohnehin schon überhitzten Transfermarkt fließt, der mit dem ab Sommer geltenden neuen TV-Vertrag der Premier League über knapp sieben Milliarden Euro für drei Jahre die Temperatur noch einmal höher fahren wird. Und 30+x Millionen Euro Transfereinnahmen für einen Spieler würden die Hitze auf der Borussen-Kochplatte zwangsweise auf die oberste Stufe stellen. Denn der Markt weiß: ein Großteil der Millionen fließt aus Gladbach ja zurück.

Rekord-Transfers von Borussia Mönchengladbach FOTO: afp, PST

2. DER NACHFOLGER Borussia kommt natürlich nicht umhin, einen Nachfolger für Xhaka zu finden. Und selbst wenn Max Eberl und Stephan Schippers nachweislich nicht Gefahr laufen, verrückte Dinge zu machen, wird der Markt selbst vertretbare Vorhaben der Gladbacher Macher ein Stück weit verrückt machen. Denn mit dem Wissen um 30+x Millionen mehr in der Geldbörse wird ein potenzieller Neuzugang, der sonst vielleicht 15 Millionen Euro gekostet hätte, schnell mal 20 kosten. Und einer, der 20 gekostet hätte, kostet plötzlich 25. Dem wird Borussia sich stellen müssen, denn die Xhaka-Ablöse nicht maßgeblich in (einen) Spieler zu reinvestieren, ließe sich intern wie extern kaum verkaufen. Ein teurer Nachfolger würde indes nicht nur eine Rekord-Ablöse kosten, sondern auch vom Gehalt her ein nächstes Level in den Kader bringen.

3. DER KADER "Man muss einen homogenen Kader haben. Und deswegen muss auch das Gehaltsgefüge homogen wachsen", sagte Schippers 2014. Homogenität beim Gehalt zu wahren, wird jedoch umso schwerer, je höher das Gehaltsvolumen des Kaders steigt. Kolportierte Summen können das Binnenklima beeinflussen. Wer viel kostet und verdient, steht auch stärker unter Beobachtung. Das galt 2012 für Xhaka selbst, es galt für Luuk de Jong als Rekord-Einkauf, und es gilt aktuell für Josip Drmic. Denn ein teurer Neuzugang muss sofort funktionieren. Tut er es nicht, rücken die in den Fokus, die ihn verpflichtet haben. Dass Borussia Talente formidabel entwickelt, hat sie zigfach nachgewiesen. Künftig wird die Frage auch lauten: Kann Borussia ganz große Transfers? Und bleibt ein Kader auch mit ganz großen Transfers ohne Europapokal bezahlbar?

Fotos: Herrmann wieder im Training FOTO: Dirk Päffgen

4. DIE WAHRNEHMUNG Borussia wird schon heute anders wahrgenommen als 2011. Natürlich. Und mit 30+x Xhaka-Millionen würde sich das noch mal ändern - auf dem Markt, in der Liga und nicht zuletzt bei Fans und Öffentlichkeit. Besonnenes Wirtschaften und die Nische als Talentförderer haben Borussia behutsam emporgehievt, aber wenn sie oben bleiben will, wird es jedes Jahr schwieriger. Ohne Champions-League-Gelder sowieso. Ganz nebenbei: Lucien Favres Welt wäre das eh nicht mehr gewesen. Der Schweizer wollte niedrig gehaltene Erwartungen übertreffen, nicht hochtrabende erfüllen. Wahrnehmung kann ein Verein nur in Teilen beeinflussen, und Borussia wird auch mit 30+x Xhaka-Millionen nicht ausflippen. Aber es wird ganz bestimmt schwieriger, so normal zu bleiben wie bisher. Vor allem als Akteur auf dem Transfermarkt.

Quelle: RP
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