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Borussia Mönchengladbach
Sommer setzt Borussias Torwart-Tradition fort

Sommer trainiert mit riesigem Gymnastikball
Sommer trainiert mit riesigem Gymnastikball FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Gladbach hatte schon immer besondere Typen im Tor. Der Schweizer gilt als ein Ideal des modernen Torwarts und kümmert sich nebenbei geschickt um sein öffentliches Bild. Das alles kommt an bei den Fans. Von Karsten Kellermann Aus Rottach-Egern

Yann Sommer lächelt. Er lächelt immer, dieser Torwart. Man spürt, dass der Mann mit sich und der Welt im Reinen ist. Dass er zufrieden ist mit seinem Leben. Und mit dem, was er tut. Das darf er auch sein. In der vergangenen Saison, seiner ersten bei Borussia und in der Bundesliga, spielte er herausragend. Er hatte bessere Quoten als Deutschlands Vorzeigetorwart Manuel Neuer, er stellte mit nur zehn Gegentreffern in der Rückrunde einen Rekord auf – und wurde gleich Publikumsliebling in Gladbach. Weil er toll hält. Und weil er ein smarter Typ ist. Sommer kommt an.

Kochen kann er auch noch

Und jetzt auch noch kochen kann, der Kerl aus der Schweiz. In einem Blog zeigt er, wie frisches und gesundes Essen gemacht wird. Ja, er kocht wirklich selbst, versichert er. Zudem modelt er, macht Werbung für Körperpflegeprodukte, spielt Gitarre, ist stylisch und überhaupt nicht sperrig. Er mag die Schublade zwar nicht, doch er ist der Typ, den Schwiegermütter mögen - und natürlich auch ihre Töchter. Er hat Menschen an seiner Seite, die ihn gut kennen, denen er vertraut, die ihm Tipps geben, wie er sich öffentlich darstellt. Das ist heute wichtig, wenn man Fußballprofi ist. Die Wahrheit liegt auf dem Platz, aber es ist nicht mehr die einzige Wahrheit der Fußballwelt. Sie ist gläsern und schillernd, auch jenseits des Rasens gehört Inszenierung dazu.

Eine Journalistin betreut Sommers Food-Blog. Ein Mentaltrainer macht ihn stark. Vor allem aber hat der Torwart ein gutes Gespür, das Richtige zu tun. Dazu gehört auch der geschickte Umgang mit den sozialen Netzwerken. Sommer nutzt sie gezielt, aber nicht überbordend. Als er aus dem Urlaub kam, postete er ein Foto, das seine Hand im Torwarthandschuh am Steuer seines Autos zeigt. "Auf dem Weg nach Deutschland", schrieb er darunter. Borussias Fangemeinde jauchzte. "Einfach top, dieser Mann", schrieb einer unter das Foto. Sommer war für die Anhänger der beste Borusse der Saison.

Borussia hat schon immer besondere Typen im Tor gehabt. Wolfgang Kleff, den Mann hinter der legendären Fohlenelf, den Entertainer und Komiker. Wolfgang Kneib, den stoischen Riesen aus Hessen. Den ewigen Uwe Kamps. Den kultigen Amerikaner Kasey Keller. Den charismatischen Schweizer Jörg Stiel. Das Eigengewächs Marc-André ter Stegen, den jungen Mann mit dem gigantischen Potenzial, der nun mit Barcelona Champions-League-Sieger wurde. Sommer setzt die gute Tradition fort. Als Torwart und als Mensch.

Sommer weiß, worauf es ankommt im Fußball. Er weiß, dass er gut ist. Aber auch, dass er sein Team braucht für den Erfolg. Darum spricht er stets von "Wir", wenn er nach seinen Leistungen befragt wird. Und Sommer ist ehrgeizig. Er will sich verbessern, sagt er. Das an sich ist schon ein turmhoher Anspruch nach einer Saison wie seiner ersten in Gladbach. Jörg Stiel sieht Sommer auf der Schwelle zur Weltklasse. Der Schweizer Torwarttrainer Patrick Foletti definiert ihn als das Ideal des modernen Torwarts. Auch Folettis Gladbacher Kollege Uwe Kamps preist die Qualitäten der Nummer eins Borussias.

Sommer gegen Lüttich wieder im Tor

Bislang hat Sommer im Trainingslager der Borussen nur mit seinen Torwartkollegen Tobias Sippel und Christofer Heimeroth trainiert, um nach dem verlängerten Urlaub wieder reinzukommen. Am Sonntag wird er wohl zum ersten Mal in dieser Vorbereitung wieder im Tor stehen, wenn die Gladbacher auf ihrem Trainingsplatz in Rottach-Egern gegen Standard Lüttich spielen. Es wird für ihn der Auftakt einer erneut langen Saison. In der vergangenen Spielzeit hat er 54 Spiele gemacht: 48 für Gladbach, sechs für die Schweiz, deren Nummer eins er ist. Körperlich hat ihm die Belastung nichts ausgemacht, sagte er, "ich bin ja erst 26 Jahre alt". Mental aber habe ihn die Saison ausgelaugt, gesteht er, "es war gut, mal abzuschalten". Nun sind die Akkus wieder voll.

Sommer ist bereit also für die neue Saison. Er wird an dem gemessen werden, was er in seinem ersten Jahr gemacht hat. Er stellt sich der Herausforderung inklusive der "Challenge" Champions League. Torhüter dürfen keine Angst haben. Und sie müssen Selbstvertrauen haben. Auf Sommer trifft beides zu. Er vertraut auf seine Qualitäten. Und er hat seine innere Zufriedenheit. "Mein Leben gibt es her, immer positiv zu sein", sagt er. Und lächelt das Sommer-Lächeln. Es steht in Gladbach für den Erfolg.

Quelle: RP
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