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Borussia Mönchengladbach
Sommer: "Wir müssen noch schneller, noch präziser spielen"

Das ist Yann Sommer
Das ist Yann Sommer FOTO: Dirk Päffgen
Rottach-Egern. Borussias Torwart Yann Sommer sagt, wie er die 54 Spiele, die er in der Vorsaison machte, verarbeitet hat, was er in seinem Spiel noch verbessern will und wie sein Team in der Meisterliga bestehen kann.

Herr Sommer, Ihre erste Saison in der Bundesliga war wie ein Traum: Sie hatten die besten Werte der Liga, haben in der Rückrunde mit nur zehn Gegentreffern einen Rekord aufgestellt. Macht es das für das zweite Jahr in Gladbach leichter oder schwieriger?

Yann Sommer Eigentlich mache ich mir über die vergangen Saison keine Gedanken mehr. Das bringt nichts. Natürlich war die Saison schön, für die gesamte Mannschaft. Wir haben nie gedacht, dass es so endet, es ist unglaublich, dass wir uns durch Platz drei für die Champions League qualifiziert haben. Aber: Es war schön, aber es bringt uns jetzt nichts mehr. Es fängt wieder bei null an. Darum mache ich mir keine Gedanken über das, was war, sondern werde ganz normal weiter für Gladbach Fußball spielen.

Borussia spielt 1:1 gegen Swansea FOTO: Dirk Päffgen

Wenn die vergangene Saison für Sie normal war, kann Borussia sich ja freuen.

Sommer Natürlich ist es bei mir auch gut gelaufen. Ich bin darüber auch sehr froh. Aber unsere Mannschaft hat unglaublich gut verteidigt über die gesamte Saison – da ist es für einen Torhüter auch einfach einzusteigen in den neuen Klub. Aber auch wir haben neue Spieler, neue Kräfte, neue Qualität. Ich bin sehr gespannt auf die Saison.

Sie haben in der vergangenen Saison 54 Spieler gemacht: Bundesliga, Europa League und Pokal plus Länderspiele, das ist eine Menge. Geht das jedes Jahr so, zumal, wenn eine EM im nächsten Sommer ansteht.

Fotos: Eberl trainiert bei den Profis mit FOTO: Dirk Päffgen

Sommer Ich glaube mit 26 geht das gerade noch. Ich weiß nicht, wie es ausschaut, wenn ich 30 bin. Aber im Moment fühle ich mich sehr gut – und für einen Torwart ist es ja auch eine andere Belastung als für die Feldspieler. Aber mental habe ich es tatsächlich stark gemerkt, als jetzt am Ende noch die Nationalmannschaft dazu kam. Das war nicht einfach. Darum hat es sehr gut getan, mal drei Wochen abzuschalten. Ich habe es echt gebraucht. Auch, um alles, was passiert ist, zu verarbeiten: den neuen Klub, das neue Team, das neue Spiel. Das sind alles Sachen, die man mal verarbeiten muss. Und während der Saison kommt man gar nicht dazu. Das konnte ich jetzt in den letzten drei Wochen tun, und es war wichtig.

Sie haben eben die neuen Spieler bei Borussia angesprochen. Einer davon ist Tobias Sippel, der neue zweite Torwart. Verändert das die Situation im Borussen-Tor? Sie bleiben fraglos die Nummer eins, aber kann es sein, dass Sie in der neuen Konstellation auch mal das eine oder andere Spiel pausieren?

Sommer Wir haben darüber noch nicht groß gesprochen. Tobi Sippel ist ein toller Typ und ein richtig guter Torhüter, ich habe ihn in den vergangenen Tagen ja schon kennengelernt. Er bringt ins Torwartteam einen neuen Schwung rein, er hat einen anderen Stil, das bringt uns alle weiter. Es ist immer gut, sich mit neuen Spielern auszutauschen, die auch andere Erfahrungen gesammelt haben. Jeder Torhüter hat einen anderen Torhüter erlebt. Er kommt aus der Gerry-Ehrmann-Schule, und die ist ganz anders, als die, die ich erlebt habe. Entsprechend sieht man auch die Unterschiede in gewissen technischen Sachen. Das ist interessant zu sehen. Man nimmt sich immer etwas von einem anderen Torhüter raus und lernt dazu.

Was können Sie noch verbessern?

Sommer Ich möchte im Spielaufbau noch besser werden, noch genauer und kreativer werden. Wir müssen das optimieren und es noch besser werden, weil sich die Gegner inzwischen auf uns einstellen können. Darum müssen wir noch schneller denken im Spielaufbau, die Pässe müssen noch genauer kommen. Es ist eine große Herausforderung für uns alle, auch für mich als Torwart.

Kann Borussia mit Ihrem Spiel in der Champions League die Großen überraschen?

Sommer Wir haben ja einen Stilfußball, den wir spielen. Die anderen werden sich natürlich auch ein paar Video-Sequenzen anschauen von uns, aber wir werden es probieren. Es wird interessant sein, gegen Teams zu spielen, die uns nicht kennen. Klar ist: Wir werden unseren Stil nicht ändern, auch wenn wir jetzt in der Champions League spielen. Wir machen das gut so, wenn alles läuft. Wir müssen nur schauen, dass wir es noch schneller machen, noch präziser werden. Wir haben in der Europa League wichtige Erfahrungen gemacht, aber die Champions League ist noch mal etwas anderes.

Die Champions League kann extrem gute, aber auch schlechte Erfahrungen bringen. Sie haben das mit dem FC Basel gegen die Bayern erlebt. Erst gab es einen 1:0-Sieg, dann ein 0:7. Ist es schwierig, damit umzugehen.

Sommer Solche Erfahrungen wie ein 0:7 braucht keiner, das ist klar. Wir haben damals gegen eine unglaubliche Bayern-Mannschaft gespielt und hatten schon im ersten Spiel keine Chance, haben aber mit Riesenglück 1:0 gewonnen. Wenn ein Schweizer Klub gegen die Bayern gewinnt, sind die schon ein bisschen verärgert – und das haben wir dann im Rückspiel zu spüren bekommen. Wir hatten wieder keine Chance, nur haben sie da die Tore gemacht. Wir sind da an unsere Grenze gekommen.

Was kann die Gladbacher Mannschaft in der Champions League erreichen?

Sommer Es ist schwer zu sagen, und ich möchte eigentlich auch keine Prognose abgeben. Wir haben viel Qualität, die wir auf den Platz bringen können. Aber wir müssen es auch immer wieder tun. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir mit dieser Mannschaft eine gute Champions-League-Saison spielen können und auch eine gute Meisterschaft. Aber es braucht viel, wir müssen uns extrem gut vorbereiten und konzentrieren. Wenn wir das hinkriegen, kann es klappen.

Aufgezeichnet von Karsten Kellermann

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