| 17.35 Uhr

2:1 gegen Hannover
Borussia gewinnt durch Last-Minute-Elfer

Borussia - Hannover: Bilder des Spiels
Borussia - Hannover: Bilder des Spiels FOTO: dpa, fg nic
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach ist nach wie vor nicht richtig angekommen in dieser Saison – durfte sich aber am Ende über einen 2:1-Sieg gegen Hannover 96 freuen. Nur vier Minuten nach Matthias Ginters Führungstor kassiert sie das 1:1. Am Ende wurde es dramatisch. Von Karsten Kellermann

Lars Stindl ist der Coverboy des "Fohlen Echo" zum Spiel gegen Hannover 96. Der Kapitän der Borussen blickt auf dem Foto ein wenig undefiniert drein. Man könnte sagen, er ist voll fokussiert auf die Aufgabe und wild entschlossen, etwas zu bewegen. Man könnte aber auch sagen: Er schaut grimmig, weil es nicht so läuft bei den Borussen. Die Geschichte des Spiels würde die Auflösung des Bilderrätsels bringen, so viel stand am Samstag um 15.30 Uhr, als Schiedsrichter Christian Dingert zum Anstoß in seine Pfeife pustete, fest. Am Ende passte das Foto zum zähen Spielverlauf, nicht aber zum Endergebnis. Mit etwas Glück fuhr die Borussia doch noch den erhofften Heimsieg ein.

Vor dem Spiel hatte es zweimal Sonderapplaus gegeben. Der ging jeweils an einen Neuling. Zunächst war der 18 Jahre alte Franzose Michael Cuisance der Adressat, denn er gehörte erstmals zur Startelf der Borussen – keiner war jünger seit dem Bundesliga-Aufstieg 1965. Für Cuisance ging einer seiner besten Kumpel im Team, Denis Zakaria, auf die Bank, weswegen Cuisance mit Christoph Kramer die Doppelsechs bildete. Der zweite Debütant des Tages war Vincenzo Grifo. Der Italiener, der vom SC Freiburg geholt wurde, hat seine Knieprobleme überwunden und stand erstmals im Gladbacher Kader. Ein dritter Gladbacher, dem die Fans per Händeklatschen ihr Wohlwollen ausdrückten, war Nico Elvedi, der seit Samstag 21 Jahre alt ist. Nebenbei kehrte Yann Sommer ins Tor zurück. Somit gab es zwei Änderungen im Vergleich zum 1:6 in Dortmund.

Dieter Hecking hatte also einen klaren Auftrag an das Gros des Teams: Es sollte sich für den mangelhaften Auftritt rehabilitieren. Cuisance war der neue Reiz, den er setzte, ist dieser doch die offensivere Variante im Vergleich zu Zakaria. Gegen Stuttgart im Heimspiel zuvor hatte Cuisance als Einwechselspieler für Schwung gesorgt in der zweiten Halbzeit, sogar in Dortmund konnte er in der Schlussphase ein paar Akzente setzen. Nun sollte er der Ideengeber aus der Tiefe sein - der kesse junge Mann nahm den Auftrag aktiv an und hatte gleich viele Ballmomente. In der 22. Minute tanzte er im Strafraum der Gäste ein wenig, doch sein Schuss verfehlte das Ziel. Zuvor hatte Raffael Torwart Philipp Tschauner geprüft.

Hannover bissiger als Borussia

Trotz dieser beiden Chancen wurde deutlich, warum Aufsteiger Hannover in dieser Saison bis dahin noch nicht verloren hatte: Die Mannschaft, in der der Ex-Borusse Julian Korb hinten rechts in der Viererkette spielte, ist gut organisiert und auch selbstbewusst genug, um in des Gegners Stadion auch in der Offensive Akzente zu setzen. Vorsicht war also geboten, zumal die Gladbacher Defensive offenbar das Schock-Erlebnis von Dortmund noch nicht vollends aus den Kleidern geschüttelt hatte. Wenn die Niedersachsen im Strafraum ankamen, fehlte das Gefühl der ganz großen Sicherheit. In den Engagements-Werten war Hannover dann auch besser: Es gewann mehr Zweikämpfe und absolvierte mehr Kilometer.

Was den Fußball-Faktor anging war es zunächst eigentlich nur Cuisance, der für ein wenig Aufsehen sorgte. Ein Freistoß flog an Freund und Feind vorbei, doch Tschauner griff zu. Und für ein weiteres hübsches Dribbling bekam der Jüngling Szenenapplaus. Ansonsten ging es schleppend zu im Borussia-Park. Nein, es geht den Borussen aktuell nicht leicht vom Fuß. Dass es zwischenzeitlich sehr ruhig war im Gladbacher Stadion, und es auch das eine oder andere kollektive Aufstöhnen gab, erklärte der Spielverlauf. Es war ein Spiel der Kategorie "bemüht, aber …".

In der 38. Minute sorgte dann der frühere Hannoveraner Stindl für ein kurzes Torgefühl bei den Borussen-Fans, doch sein Schuss landete nicht im Netz, sondern dahinter. Es zappelte dennoch, was für die kurze Irritation sorgte. Wenig später war Hannover Defensive nach einem Freistoß von Thorgan Hazard irritiert, doch nach Matthias Ginters Kopfball-Ablage und einem Ball-Flippern im Fünfmeterraum hatte Tschauner den Ball.

Nach der Pause tat sich Borussia dann noch schwerer. Kaum etwas ging nach vorn und hinten bekam Hannover öfter Zugriff auf das Geschehen. Borussia leistet sich unnötige Ballverluste (Cuisance, Wendt), was nicht zur Sicherheit beitrug. Kaum im Spiel waren Führungskräfte wie Raffael oder Fabian Johnson. Auch Stindl tat sich schwer, initiativ zu werden. Hazard hatte zwar die erste Gelegenheit nach der Pause (Tschauner ließ den Ball prallen, doch kein Gladbacher war in der Nähe), doch auch er konnte der Sache keine Struktur geben.

Längst war klar, dass es kein Festtag mehr werden würde, sondern bestenfalls ein Arbeitssieg, wenn überhaupt. In der 63. Minute nahm sich Cuisance mal wieder die Zeit für einen schönen Pass in die Tiefe – dort war Stindl zu finden, doch sein Schuss war allzu lasch. Kein Problem für Tschauner. Es fehlte das Feuer, das Hecking während der Trainingswoche ausgemacht hatte. Auf der Bank saßen offensive Alternativen wie Raúl Bobadilla oder eben Grifo, der Standardspezialist. Ab der 55. Minute lief sich das außenstehende Personal warm. Fünf Minuten später wurde Bobadilla dann zur Bank zitiert, seine Zeit war gekommen. Borussia brauchte Männer, die Zeichen setzen, die es irgendwie erzwingen – "Boba" war nun der Hoffnungsträger, Raffael ging raus.

Ginter trifft zum 1:0

Sechs Minuten war er auf dem Feld, als vorerst die Erlösung kam. Doch es war nicht Bobadilla, sondern Ginter, der Abwehrspieler, der zum 1:0 traf. Vorarbeiter war der fleißige Jüngling Cuisance, diesen Scorerpunkt hatte er sich bis dahin redlich verdient. Und Ginter, nach dem 1:6 in Dortmund noch gescholten, "rannte" den Ball gleichsam ins Tor. Er ist gekommen, um Führungsspieler zu sein, mit diesem Tor untermauerte er seinen Anspruch. Doch vier Minuten später schaute er mit all den Kollegen wieder bedröppelt drein, denn Martin Harnik glich nach einer Ecke zum 1:1 aus, Borussias Defensive war an der Sache nur begleitend beteiligt. Jannik Vestergaard war indes schuldlos, er wurde an der Seitenlinie behandelt.

Alles war wieder auf Null – und dann wurde gezittert. Christan Dingert befragte den Video-Schiedsrichter, nach einem vermeintlichen Handspiel von Fabian Johnson, entschied dann aber nicht auf den von Hannover erhofften Strafstoß. Nun kam auch Vincenzo Grifo. Erneut war das eine Personalie für die Geschichtsbücher. Er ist der erste Italiener, der je in der Bundesliga für Gladbach gespielt hat. Für Grifo ging damit eine Leidenszeit zu Ende. Vor sechs Wochen hatte er sich verletzt. Nun kam er für den schwachen Johnson, erstmals hallte das "Grifo" durch den Borussia-Park.

Am Ende wurde es dramatisch. Harnik traf nach Bebous Hereingabe die Latte und wird sich selbst fragen, wie das möglich war. Borussia drückte in den Schlussminuten jedoch weiter, nun auch mit Denis Zakaria. Als bereits die vierminütige Nachspielzeit lief, wurde der Ball zu Grifo durchgesteckt, der ihn an Sané vorbeilegte – und selbst gelegt wurde. Dingert zeigte sofort auf den Punkt, doch so einfach war die Sache nicht. Die Kommunikation mit Wolfgang Stark in Köln genügte dem Schiedsrichter nicht, er schaute sich die Szene selbst auf dem Monitor an – und bestätigte seine Entscheidung. Den Elfmeter schoss Hazard sicher in die linke Ecke. Was für ein Schlussakt im Borussia-Park!

 
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