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Ex-Borusse ist tot
Steve Gohouri und die Frage nach dem Warum

Porträt: Steve Gohouri: Bilder aus seiner Zeit bei Borussia
Porträt: Steve Gohouri: Bilder aus seiner Zeit bei Borussia FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Drei Wochen wurde er vermisst. Am Samstag gab es die traurige Gewissheit. Steve Gohouri ist tot. Die Polizei bestätigte, dass der Fußball-Profi bei Krefeld aus dem Rhein geborgen worden sei. Ein Fremdverschulden schlossen die Ermittler nach einer Obduktion aus. Alles spricht für eine Verzweiflungstat. Von Karsten Kellermann

In Mönchengladbach begann die Spurensuche. Von Januar 2007 bis Dezember 2009 war der Ivorer Fußball-Profi bei der Borussia, er machte 46 Spiele in der Ersten und Zweiten Liga, er stieg mit Gladbach ab, war ein Aufstiegsheld, wurde zweimal suspendiert und ging nach zwei wechselhaften Jahren zum englischen Erstligisten Wigan Athletic.

Gohouri war ein Verteidiger der kompromisslosen Art, aber auch ein Bruder Leichtfuß. "Er hat oftmals Fehler produziert, aber er konnte auch den Unterschied ausmachen", beschrieb ein Fan bei Facebook den Fußballer treffend. Vor allem war der baumlange Kerl mit der tiefen Stimme ein Typ – ein guter Typ. Einer, den Fans nicht vergessen. So wühlen sie nun in ihren Erinnerungsstücken in Gedenken an Gohouri.

"Wisst ihr noch: 1 gegen 1, Steve letzter Mann und dann das meiner Meinung nach legendäre lang gestreckte Bein, das fast jeden Ball klärt", schrieb einer und erinnerte sich an das Raunen, das hernach durch den Borussia-Park ging: "Steve" oder "Goooooohouuuuuriiii". Trikots, die Gohouri Fans vermacht hat, werden nun gepostet, eine Kappe, die er bei der Aufstiegsfeier 2008 trug, Videos von der Humba mit Gohouri, Fotos mit seinem Autogramm. Auf diesen Fotos lächelt Gohouri immer. "Ich habe Steve als lebensfrohen Menschen kennengelernt und werde ihn auch so in Erinnerung behalten", sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl.

Die Fußball-Welt trauert um Steve Gohouri

"Steve war immer lebenslustig, ich konnte mir nie vorstellen, dass so etwas passiert", sagte am Sonntag auch Gohouris früherer Mitspieler Michael Delura unserer Redaktion. "Aber Steve hat auch extrem nach außen gelebt, hatte immer teure und auffällige Autos und Klamotten. Vielleicht war das auch ein bisschen eine Maske und innen drin war er anfällig und zu gutgläubig. Aber es ist schwer zu sagen, man weiß eben nie, was in den Leuten vorgeht. Und zeigen tut es auch keiner", sagte Delura.

Er selbst musste 2013 wegen langwieriger Verletzungen seine Karriere früh beenden und weiß, "dass der Wechsel ins Leben nach dem Fußball nicht immer leicht ist. Man verdient als Spieler viel, und plötzlich ist das Geld nicht mehr so da. Auch sonst ändert sich viel. Wann man da nicht den richtigen Halt hat, kann es schon Probleme geben."

Gohouri war ein Modellathlet, aber sicher nicht immer der perfekte Profi. Er flog mal aus dem Kader, weil er vor einem Derby in einer Kölner Diskothek fotografiert wurde und später, weil er medizinische Termine verpasste. Er war nicht immer Trainers Liebling, weil er zuweilen arg flapsig und unorthodox bis unberechenbar war – als Spieler und als Mensch. Aber er war ein guter Fußballer, ein Kämpfer und immer mit dem Herzen bei der Sache.

Darum war er ein Liebling der Fans. Und er war ein Mann, der seine Emotionen lebte. Die haben ihn wohl letztlich auch zu seinem letzten, endgültigen Entschluss getrieben. Von privaten Problemen ist die Rede; Drogen können im Spiel gewesen sein. "Steve, du hast jetzt alle Ruhe der Welt, und jeder Gladbach-Fan denkt an dich", schrieb ein Freund der Borussia zum Abschied.

Zuletzt spielte Gohouri beim Südwest-Regionalligisten TSV Steinbach. Dort war der ehemalige Nationalspieler Thomas Brdaric sein Trainer. "Als klar war, dass Steve nicht mehr aufzufinden war, haben wir schon mit dem Schlimmsten gerechnet", sagte Brdaric, "aber wir hatten immer noch Hoffnung. Das ist jetzt vorbei. Wenn wir etwas tun können, um seiner Familie zu helfen, dann werden wir das tun. Wir machen alles, was Steves Familie wünscht." Brdaric bestätigte die privaten Schwierigkeiten, er nannte sie "Beziehungsstress".

Der Mönchengladbacher Fußball-Profi Ibrahima Traore verabschiedete sich traurig über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Ruhe in Frieden, mein Bruder. Für solch ein Drama gibt es keine Worte."

Quelle: RP
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