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Thorgan Hazard
"Ich habe mich in jeder Saison gesteigert"

Offensiv schwach gegen Nizza – bis auf Hazards Traumtor
Offensiv schwach gegen Nizza – bis auf Hazards Traumtor FOTO: dpa, mbk vge
Mönchengladbach. Der belgische Offensivmann Thorgan Hazard spricht über das Gefühl, nicht mehr zu den Jüngsten zu gehören, und seine Ziele im vierten Jahr bei Borussia.

Das Testspiel ging 1:2 verloren gegen Lucien Favres OGC Nizza. Doch für den ästhetischen Höhepunkt des Spiels sorgte ein Borusse: Thorgan Hazard. Der Belgier schoss den Ball aus 25 Metern in den Winkel - das gab Sonderapplaus. Was Hazard in dieser Saison vor hat mit Borussia, aber auch mit Belgien, und warum es für ihn schwer ist, aus dem Schattens seines Bruders Eden zu treten, darüber sprach der 24-Jährige in Rottach-Egern mit Karsten Kellermann.

Herr Hazard, kann man es so sagen: In der vergangenen Saison hatten Sie sich mehr vorgenommen?

Hazard Es hat ja gut angefangen bei mir. Ich habe gleich in den Play-offs gegen Bern getroffen. Dann war ich aber verletzt, fast einen Monat. Als ich dann wieder kam, kam ich nicht so richtig rein. Nach dem Florenz-Spiel kam wieder eine Pause. Es war alles nicht rund. Aber das ist so im Fußball. Trotzdem hoffe ich, dass ich in diesem Jahr keine Verletzungen habe. Ich will viele Spiele machen.

Borussia hat drei Jahre lang international gespielt, nun wurde der Europapokal verpasst. Ist es gut, weniger Belastung zu haben?

Hazard Man will immer das Optimum, und natürlich würde ich gern im Europapokal spielen. Wir hatten sehr viele Spiele, es war auch anstrengend. Vielleicht tut es mal ganz gut, weniger Belastung zu haben für eine Saison. Wir können es sowieso nicht mehr ändern.

Vor einem Jahr hat Ihr Bruder Eden mit Chelsea den Europapokal verpasst, jetzt spielt er als englischer Meister in der Champions League - und Sie sind außen vor. Kam da schon ein wenig Spott aus London?

Hazard Nein, natürlich nicht. Ich freue mich für Eden, dass er wieder in der Champions League spielen kann mit seinem Team.

Für Sie ist es trotzdem ein wichtiges Jahr, denn im nächsten Sommer ist die Weltmeisterschaft in Russland -da wollen Sie mit Belgien dabei sein.

Hazard Moment! Wir müssen uns erst mal qualifizieren, dann können wir über unsere Chancen und Möglichkeiten bei der WM sprechen. Es sieht bisher gut aus in der Qualifikation, und natürlich ist es unser großes Ziel, in Russland dabei zu sein. Dass ich einen Platz im Kader haben will, ist doch klar. Dafür muss sich aber in Gladbach viel und gut spielen. Es ist nicht leicht, ins belgische Team zu kommen. Viele Spieler spielen in großen Klubs, es gibt viel Qualität. Aber ich habe die Chance und will sie nutzen.

Porträt: Das ist Thorgan Hazard FOTO: dpa, soe jai

Sind Sie in Belgien immer noch der kleine Bruder von Eden?

Hazard Grundsätzlich bin ich für immer der kleine Bruder von Eden (grinst). Aber ich habe ja zwei Jahre in Belgien bei Zulte Waregem gespielt, war dort gut und wurde zum besten Spieler des Jahres gewählt. Darum kennt jeder in Belgien meine Qualität. Und ich bin ja auch nicht im Nationalteam, weil ich Edens Bruder bin, sondern weil ich in Deutschland bei einem guten Klub gute Spiele mache.

Trotzdem: Müssten Sie nicht noch mehr aus seinem Schatten treten, beispielsweise dadurch, dass Sie in Gladbach mehr Führungsaufgaben übernehmen?

Hazard Ich will diesen Vergleich mit Eden eigentlich gar nicht ziehen. Ich bin ein ganz anderer Spieler als er und will meinen Fußball spielen und meine Karriere machen. Eden ist einer der besten Spieler der Welt - da kann es ja gar nicht mein Ziel sein, besser als zu sein als er. Es ist nahezu unmöglich. Ich kenne meine Fähigkeiten und auch meine Grenzen - und daraus will ich für mich und meine Karriere das Beste machen. Ich will mich weiterentwickeln, und da ist Borussia der optimale Klub. Für den Moment bin ich sehr zufrieden mit dem, wie es ist.

Was wäre der nächste Schritt? Mehr ein Boss zu sein mit 24 Jahren und im vierten Jahr bei Borussia?

Hazard Warum nicht? Aber wir haben viel Qualität in der Offensive und wir wollen es in der neuen Saison besser machen als in der letzten. Da haben wir mal so und mal so gespielt. Wir wollen wieder konstant spielen und attraktiven Fußball zeigen, wir wollen viele Tore machen und hinten weniger bekommen. Und ich will meinen Teil dazu beitragen. Wenn ich viele Spiele mache, übernehme ich automatisch Verantwortung für das Team.

Sie sprechen die Tore an: Was darf man denn unterstellen? Raffael ist für zehn und mehr Tore gut, Lars Stindl auch, Sie ebenfalls und vielleicht auch Vincenzo Grifo, der in der vergangenen Saison sieben Mal für Freiburg getroffen hat. Kann man das so rechnen?

Hazard Das hoffe ich doch. Es hängst natürlich davon ab, wie viele Spiele man macht. Was mich angeht, habe ich mich von Saison zu Saison gesteigert, seit ich bei Borussia bin. Ich habe in der letzten Saison sechs Liga-Tore und fünf in den anderen Wettbewerben gemacht - aber ich habe einige Spiele verpasst. Da wäre sonst vielleicht mehr drin gewesen. In Belgien habe ich in einer Saison mal 15 Tore erzielt, gut, das war in Belgien, aber ich weiß, dass ich viele Tore machen kann. Für mich ist aber der Erfolg der Mannschaft wichtiger, dazu will ich auf welche Art auch immer beitragen. Wie Sie schon sagten, wir haben viele Spieler, die viele Tore machen können, und wenn wir gewinnen, ist es egal, wer die Tore macht. Trotzdem: Es ist super, wenn man trifft und ich mache gern Tore.

Für Sie gibt es zwei Varianten: Auf dem Flügel, oder, in der Dreierkonstruktion im 3-4-3, das Dieter Hecking nun einstudieren lässt, eingerückt ins Zentrum ...

Hazard ... es ist ja bekannt, dass ich lieber im Zentrum spiele. Bei Dieter Hecking habe ich ja schon da gespielt, aber auch links, sogar mehr als rechts. Aber ganz ehrlich: Der Trainer hat viele Möglichkeiten und jeder bietet sich im Training an. Mir geht es vor allem darum, zu spielen, und wenn der Trainer will, dass ich Verteidiger spiele, dann mache ich auch das. Das habe ich noch nie versucht, aber warum nicht? Ich will spielen und werde auf jeder Position alles geben.

Wenn Sie im Zentrum spielen, dann mit Raffael oder Stindl?

Hazard Warum nicht mit beiden?

Was Sie bei André Schubert taten, und was auch im neu einstudierten 3-4-3 möglich wäre.

Hazard Genau. Ich mag das ehrlich gesagt sehr gern. Aber jeder Trainer hat seine Vorstellungen und es geht auch um die Stabilität des Teams. Wir haben mit dem Dreierangriff super nach vorn gespielt bei Schubert, aber wir haben zu viele Tore bekommen, weil wir nach hinten nicht stabil waren.

Schauen wir auf Belgien: Was ist drin?

Hazard Wie gesagt: Wir müssen erst mal zur WM. Wir haben ein wichtiges Spiel in Griechenland, wenn wir da gewinnen, sieht es sehr gut aus. Wenn wir dabei sind, wollen wir den nächsten Schritt machen. Wir waren zweimal in Folge im Viertelfinale eines großen Turniers, es wäre doch schön, mal noch eine Runde weiterzukommen ins Halbfinale.

Gibt es eine Parallele zu Borussia? Ein Team, das vor dem nächsten Schritt steht?

Hazard Ein wenig vielleicht. Beide sind nicht ganz oben dabei, wollen aber vorankommen. Daran wird gearbeitet.

Apropos arbeiten: Ibo Traoré, Ihr Kumpel hat erzählt, dass Sie im Urlaub einen Fitnesscoach hatten.

Hazard Oh ja, das stimmt. In der letzten Woche waren wir am selben Ort im Urlaub und haben uns zusammen mit dem Coach fit gemacht. Wir waren bei in der vergangenen Saison länger verletzt, jetzt wollten wir von Beginn an bereit sein. Es war eine gute Entscheidung, das merke ich auch jetzt im Trainingslager.

Haben Sie im Urlaub auch Fußball geschaut? Den Confed Cup zum Beispiel, mit Ihrem Kollegen Lars Stindl?

Hazard Ich habe das Finale gesehen, in dem Lars das Tor gemacht hat. Ich habe mich sehr für ihn gefreut. Er ist gleich nach dem Confed Cup auch im Urlaub nach Spanien gekommen, wo wir waren, wir haben dann alle zusammen gegrillt. Da hat er viel erzählt von der Zeit in Russland. Lars hat gut gespielt und er ist ein Spieler, der gut ins Team passen würde.

Sie sind Wallone, auch aus dem französischen Teil Belgiens. Bei Borussia gibt es aktuell eine French Connection, also viele Spieler, die Französisch sprechen: Sie, Mickael Cuisance, Kolo, Ibo Traoré, Denis Zakaria. Auch Yann Sommer beherrscht die Sprache gut.

Hazard Lars Stindl spricht auch Französisch, er ist ja in der Nähe der Grenze aufgewachsen. Tja, in den letzten Jahren war eher Schweizer-Deutsch die heimliche Amtssprache bei uns, jetzt ist es Französisch. Das ist doch gut für uns.

Cuisance hatte einen guten Start mit seinen 17 Jahren. Was halten Sie von ihm?

Hazard Er ist sein sehr guter Spieler, noch sehr, sehr jung, aber er hat schon viel Qualität. Seine Zukunft müsste gut laufen - wenn er so weitermacht, wenn er zuhört, wenn er hart arbeitet. Aber er ist ein guter Junge, der weiß, worauf es ankommt. Er spielt gern Fußball, will immer den Ball, sucht nach Lösungen, ist ein guter Dribbler. Stark.

Wie waren Sie mit 17?

Hazard Puh, das ist lange her. Ich war in der Zweiten französischen Liga und habe nicht gespielt. Ich musste auf meine Chance warten. Das wird auch bei Mika so sein - wenn seine Zeit kommt, muss er die Chance nutzen. Aber er wird seinen Weg machen.

Cuisance ist sieben Jahre jünger also Sie. Was sagt uns das?

Hazard Das heißt, dass ich alt geworden bin, oder? Wenn da schon Jungs auftauchen, die 2000 geboren sind, wundern wir uns manchmal schon. Für mich hat das ja schöne Folgen: Ich muss nicht mehr in die Mitte, wenn wir Kreis spielen, das müssen immer die jüngeren. Und ich muss nicht mehr so viel vom Trainingsplatz tragen wie früher. Auch da sind erst mal die Jüngeren dran. Sie sehen: Für mich ist es gut, alt zu sein.

Was kommt in dieser Saison raus für Borussia? Oscar Wendt sagt, Borussia gehört zu den besten sechs Teams.

Hazard Er hat schon Recht. Aber es gibt in der Bundesliga viele gute Mannschaften, es ist sehr eng. Aber wir haben die Qualität, es zu schaffen. Wir können das Selbstbewusstsein schon haben. Wichtig ist, dass wir gut starten. Darum müssen wir uns sehr, sehr gut vorbereiten.

Quelle: RP
 
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