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Borussia Mönchengladbach
Jantschke: "Wir waren naiv"

Tony Jantschke: "Wir waren naiv"
Frust bei Tony Jantschke und seinen Teamkollegen, während im Hintergrund die Schalker jubeln. FOTO: dpa, a hak
Tony Jantschke führte die Borussia auf Schalke als Kapitän auf das Feld. Nach dem 0:4 analysierte er, wie es zu diesem verheerenden Ergebnis kommen konnte. Von Jannik Sorgatz, Gelsenkirchen

Borussia und der FC Schalke hatten ihre jeweils jüngsten Mannschaften in dieser Saison aufs Feld geschickt. Zwei U25-Teams duellierten sich, so dass Tony Jantschke den Schnitt mit seinen 26 Jahren noch steigerte. Es war ein besonderes Spiel für den Fohlenstall-Absolventen, sein 200. Pflichtspiel im Gladbach-Trikot, in dem er die Mannschaft zudem als Kapitän anführte.

Um 17.29 Uhr war die Jantschke-Welt also schwer in Ordnung, um 19.20 Uhr musste er gefrustet konstatieren: "Es war ein komisches Spiel. Wenn man in der zweiten Halbzeit innerhalb von knapp zehn Minuten drei Tore kassiert, kann man natürlich nicht gewinnen." Es waren sogar nur knapp sieben Minuten. Kurz vor Schluss fiel dann noch das 4:0 für Schalke.

So trug Borussia ein weiteres Kapitel in das dicke Buch misslungener Auswärtsspiele ein. Trainer André Schubert war bereits zum dritten Mal auf Schalke zu Gast. Im Oktober 2015 gewann Gladbach 2:0 im DFB-Pokal, bekam dort kurz vor dem Ende einer Halbzeit mit starkem Schalker Übergewicht den Führungstreffer geschenkt und in der zweiten Halbzeit einen Elfmeter zugesprochen. Bei der 1:2-Niederlage im März produzierte Gladbach sagenhafte Slapsticktore und hätte den Gegner vom Spielverlauf her völlig demontieren können. Nun also eine neue Variante: 45 weitgehend ereignislose Minuten mit 68 Prozent Ballbesitz für Gladbach, ein guter Start in die zweiten 45 Minuten, ein Elfmeter der Sorte "Kann, aber muss nicht" für Schalke und ein 3:0 für die Gastgeber auf der Anzeigetafel wenige Momente darauf.

"Wir haben sehr naiv gespielt", sagte Jubilar Jantschke. "In der zweiten Halbzeit wollten wir das Tor machen, haben aber vergessen, dass man auch nach hinten arbeiten muss." Christoph Kramer gab zu, dass auch die Vorleistungen der Konkurrenz am Wochenende eine Rolle gespielt hätten. "Wir hatten uns viel vorgenommen, weil wir mit einem Sieg Zweiter werden konnten", sagte der 25-Jährige. "Dann sind wir etwas hohes Risiko gegangen, sind hektisch geworden und haben etwas den Faden verloren – so ein Mix aus allem." So wurde aus dem "0:0-Spiel" (O-Ton Kramer) ein 0:4-Spiel – und Borussia rutschte aufgrund der Tordifferenz ab auf den neunten Platz.

Nach dem Abpfiff verbreiteten die Borussen keinerlei Lügen. An gewissen Relativierungen der Klatsche war etwas dran, am Ergebnis änderte das freilich nichts. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Trainer Schubert und zog drei Statistiken heran, um seiner Nachsicht ein Fundament zu geben: "Wir haben 72 Prozent Ballbesitz hier auf Schalke, spielen dreimal so viele Pässen wie der Gegner. Mehr Zweikämpfe haben wir zwar auch gewonnen, aber Schalke eben die entscheidenden." Von den mehr als 800 Pässen sorgte Jannik Vestergaard in der ersten Halbzeit alleine für 93, musste aber raus, weil Schubert das statische Aufbauspiel ankurbeln wollte. Auch das ein Kuriosum dieses Spiels, weil Borussia nach Andreas Christensens Wechsel in die Dreierkette und Lars Stindls Hereinnahme tatsächlich das Tempo anzug, aber dann eben auseinanderfiel.

Ein sichtlich angefressener Sportdirektor Max Eberl überließ zunächst den vor ihm stehenden Journalisten die Analyse und warf nur ein: "Waren wir schlechter?" Seine Erklärung fiel relativ knapp aus und war im Grunde keine: "Das Momentum war auf Schalker Seite. Es ist im Fußball eben nicht immer alles erklärbar."

Derweil saß Jantschke bei der Dopingprobe. Auch der Teil des Abends wollte zunächst nicht gelingen. Also blieb Jantschke nach seinem 200. Borussia-Spiel viel Zeit, um darüber nachzudenken, ob er so etwas schon mal erlebt hat.

 
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