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Borussia Mönchengladbach
Traoré hat viel Spaß am Hamburger Kiez

Borussia Mönchengladbach: Traoré hat viel Spaß am Hamburger Kiez
Statuenhafter Jubel: Ibrahima Traoré hat soeben das 2:1 für die Borussen beim FC St. Pauli erzielt. Im Hintergrund sind die Gladbacher Fans weit weniger "eingefroren" als der Torschütze. FOTO: Dirk Päffgen
Hamburg. Borussia tat sich beim FC St. Pauli schwer. Dann legte der Dribbler Lars Stindl das 1:1 auf und erzielte das 2:1. Der Weg zum 4:1-Pokalsieg war geebnet. Von Stefan Klüttermann

Fußball ist am schönsten, wenn er spielerisch leicht ausschaut. Genau das ist der Fußball, den Ibrahima Traoré mag. Er ist ein echter Straßenfußballer, er hat in den Straßen seiner Heimat Paris gelernt, wie es geht, sich gegen die Größeren und Stärkeren durchzusetzen, sich gegen Widrigkeiten zu behaupten. Gestern Abend gab es reichlich Widrigkeiten, mit denen es der quirlige Außenstürmer und die anderen Borussen im Pokalspiel beim FC St. Pauli zu tun hatten. Der Gegner kämpfte aufopferungsvoll im neuen Stadion am Millerntor. Borussia tat sich lange schwer, das nötige Tempo auf den Platz zu bringen, um das Team des Ex-Borussen Ewald Lienen auszuspielen.

Als St. Pauli nach einem Ballverlust von Granit Xhaka auch noch in Führung ging, weckte das Erinner-ungen an das Pokal-Aus des Vorjahres in Bielefeld. Auch dort fehlte es an zündenden Ideen gegen einen kompakten Gegner. Auf der "Alm" war Traoré einer der Verlierer, weil er im Elfmeterschießen patzte. Gestern war der kleine Dribbler einer der Helden des Abends beim 4:1 seines Teams, dem höchsten Pokal-Erfolg unter Trainer Lucien Favre.

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Und er sorgte für den herrlichsten Moment des Abends: Gerade hatte er nach einem flotten Dribbling dem Kollegen Lars Stindl den Ball zum 1:1 vorgelegt - da hieß es: Bühne frei für den Ballkünstler. Traoré lief mit dem Ball parallel zur Strafraumlinie, gab Stindl den Ball, der legte ihn wieder in Traorés Lauf und der zwirbelte den Ball mit einem hübschen Drehschuss hinein ins lange Eck des Hamburger Tores zum vorentscheidenden 2:1. Danach jubelte er, wie man es auf den Straßen von Paris tut: Er wurde zur Statue und schaute verächtlich. Das, hat er mal erklärt, zeigt Stärke.

Tore wie dieses werden so langsam zum Markenzeichen des Guineers. In der vergangenen Saison traf er auf fast spiegelgleiche Weise zunächst in Berlin und eine Woche darauf auch in Leverkusen. "Ich übe die Situationen im Training und versuche, im Spiel in diese Situation zu kommen, weil ich weiß, dass ich sie gut kann", sagte Traoré. Er belegte diese These mit Taten.

Traoré ebnete mit dem Assist für Stindl, der später auch das 3:1 besorgte, und dem eigenen Treffer Borussias Weg in die zweite Runde. Die reichlich mitgereisten Gladbach-Fans honorierten das: Als Traoré vor dem Borussen-Block seine Ecken trat, wurde er gefeiert. "In der Halbzeit hat uns der Trainer gesagt, dass wir zu langsam spielen. Er hat gesagt, wir müssen mehr Tempo machen. Das haben wir getan", sagte Traoré. Er selbst folgte Favres Rat insbesondere.

Fotos: Stindl trifft bei Pflichtspiel-Debüt doppelt FOTO: dpa, ahe kno

Schon vor der Pause hatte sich Traoré bemüht, St. Paulis Defensive mit hohen Flanken zu triezen. Sein Adressat war vor allem der neue Stürmer Josip Drmic, der den Strafraum als seinen natürlichen Lebensraum definiert. Doch Drmic, der wie Marvin Schulz und Fabian Johnson etwas überraschend zur Startelf gehörte, muss sich noch eingewöhnen in Gladbach. Er gab zwar von der Strafraumkante den zweiten Torschuss seines Teams ab, doch das war es dann auch schon. Drmic hat die richtige Bewegung noch nicht raus - und seine Kollegen wissen auch noch nicht so recht etwas mit ihm anzufangen. Nach rund 80 Minuten tauschte ihn Lucien Favre gegen Thorgan Hazard aus, der nun mit Raffael den Zweiersturm bildete und nach einem Pass des Brasilianers das 4:1 erzielte.

Für Traoré war kurz darauf auch Feierabend. Er bekam noch mal den Applaus der Fans und bedankte sich artig. Er hatte sichtlich richtig viel Spaß am Hamburger Kiez.

Quelle: RP
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