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Borussia Mönchengladbach
"Werbetour? Im Sommer sicherlich möglich"

Borussia Mönchengladbach: "Werbetour? Im Sommer sicherlich möglich"
Max Eberl und Steffen Korell. FOTO: Imago
Mönchengladbach. Borussias Teammanager und Scouting-Chef Steffen Korell über das Trainingslager in der Türkei und Pläne für eine Marketingreise nach der Saison.

Herr Korell, Borussia ist also seit gestern Abend wieder in Belek. Hieß es bei der Planung des Trainingslagers ganz einfach: "Bitte alles so wie 2015!"?

Korell Ein bisschen umfangreicher war es schon, aber natürlich macht es die Sache einfacher, wenn man die Bedingungen vor Ort haargenau kennt. Im Sommer am Tegernsee ist es ja genauso: Wir kommen an und können sofort loslegen. Und das gilt eben auch für Belek. Deswegen fällt unsere Wahl auch gerade dann auf die Türkei, wenn eine Vorbereitung so kurz ist wie diese.

Borussen in Belek angekommen FOTO: Dieter Wiechmann

Bei Teams wie den Bayern, Leverkusen, Dortmund oder Schalke spielt dagegen die Auslandsvermarktung bei der Wahl der Reiseziele schon länger eine relevante Rolle.

Korell Klar, aber wenn du mehr an die Auslandsvermarktung denkst und deswegen beispielsweise in die USA gehst, dann bist du die ersten Tage auch damit beschäftigt, erst einmal anzukommen.

Fotos: Gladbach und der BVB treffen sich FOTO: dpa, gki lof

Trotzdem: Wie lange kommt Borussia als regelmäßiger Europacup-Starter noch um solch eine Werbetour herum?

Korell Wir müssen diesen Schritt machen, das ist ganz klar. Wir müssen Präsenz zeigen in Zielmärkten, die man vorher aber auch selbst definiert hat. Denn es ist schon wichtig, sich zu fragen: Wo macht es Sinn, als Borussia Mönchengladbach hinzugehen und die Mannschaft als Vermarktungsinstrument hinzubringen? Für so einen Trip sehe ich im Winter momentan nicht die Möglichkeit.

Also im Sommer...

Borussia: Trainingsauftakt 2016 mit Jonas Hofmann FOTO: Dieter Wiechmann

korell Ja, eher im Sommer. Nach der Saison besteht für uns sicherlich die Möglichkeit, diesen Schritt zu gehen. Der ist notwendig, ansonsten nutzen wir nicht nachhaltig diese Aufmerksamkeit, die wir gerade in ganz Europa erzeugen.

Das Ganze ist indes immer ein Spagat zwischen Marketingmaßnahme und sportlicher Vorbereitung.

korell Unser Ansatz wäre deswegen auch eher der, zu sagen, man konzipiert so eine Reise nicht als reines Trainingslager, sondern als eine Unternehmung mit einem erkennbaren Mehrwert für den Verein. Denn gute Trainingsbedingungen findest du heute überall auf der Welt.

Fünf Grad mehr in Florida wären also kein Argument gegen die Türkei.

korell Das schon gar nicht. Und um beim Beispiel zu bleiben: Ich weiß gar nicht, wie nachhaltig Florida für Borussia wäre. Macht für uns am Ende die Schweiz am meisten Sinn, weil wir viele Schweizer Spieler bei uns haben? Am Ende muss unsere Marketingabteilung eine Vorgabe machen, und wir prüfen, ob es auch sportlich passt.

Köln und Ingolstadt gehen in dieser Vorbereitung den ganz anderen Weg und verzichten komplett auf ein Trainingslager ...

korell ... und das ist durchaus nachvollziehbar. Es ist ja nicht mehr so wie früher, als die Vereine im Winter in den Süden flogen, um den schlechten Bedingungen in Deutschland zu entkommen und gute Bedingungen im Trainingslager vorzufinden. Mittlerweile haben wir ja auch hier im Januar längst gute Bedingungen dank Rasenheizung auf dem Trainingsplatz und milden Wintern.

Warum dann überhaupt für eine Woche verreisen, wenn neun Tage später die Rückrunde beginnt?

korell Naja, was man eben nicht schafft, ist dieser Tage hierzulande Freundschaftsspiele in der Art zu organisieren, wie wir sie haben wollen. Ein Doppelspieltag wie am Dienstag gegen Hertha BSC und Sivaspor ist so nur in der Türkei möglich, weil dort eben viele Teams auf engem Raum vor Ort sind. Und dieser Spieltag ist für uns ein wichtiger Bestandteil eines Trainingslagers.

So bewährt die Bedingungen in Belek auch sind, im Vorjahr gab es Bodenfrost, und Darmstadt hat vor ein paar Tagen hier unten nach Dauerregen auf einer Seenplatte trainiert. Hat Borussia einen Plan B für dauerhaft schlechtes Wetter?

korell Vor drei Jahren hatten wir ja das komplette Trainingslager lang hier unten Dauerregen, und es ist trotzdem keine Einheit ausgefallen. Wenn es sintflutartig ist, musst du vielleicht mal ein Training streichen, aber einen Plan B für drei Tage Trainingsausfall, den gibt es in der Türkei nicht, den gibt es aber auch in Mönchengladbach nicht.

Inwiefern hat André Schubert seine Vorstellungen in sein erstes Trainingslager als Borussias Cheftrainer eingebracht?

korell Jeder Trainer hat seinen persönlichen Wochenplan für ein Trainingslager. Aber wir haben ja nun auch keine klassische Vorbereitung wie im Sommer. Und natürlich hat André andere Ideen und Vorhaben als Lucien Favre, das ist doch ganz normal. Aber das betrifft jeweils nur die Arbeit auf dem Platz, nicht die Rahmenplanung für die Woche in der Türkei.

Welche Rolle hat die Sicherheitsfrage in der Türkei in den vergangenen Wochen bei Borussia gespielt?

korell Natürlich hatten wir dieses Thema im Blick, und wir haben das Ganze so weit wie möglich eruiert, aber es wurde uns - wie auch den anderen Bundesligisten - von allen Seiten bestätigt, dass man keine Bedenken haben muss. Letztlich hat ja auch kein Verein sein Türkei-Trainingslager abgesagt.

An die Vorbereitung schließt sich für Borussia eine Rückrunde ohne DFB-Pokal und Europacup an.

korell Ich verhehle nicht, dass wir natürlich gerne auf den beiden anderen Hochzeiten weitergetanzt hätten. Ich sehe es auch nicht zwangsläufig als Vorteil, dass wir jetzt nur noch einmal pro Woche spielen. Ich würde mir einfach wünschen, dass unser Verletzungspech endlich vorbei ist.

Auch wegen dieses Verletzungspechs hat Borussia einen wie Jonas Hofmann geholt. Dass Gladbach in solchen Fällen Konkurrenten wie den HSV oder Hannover aussticht, ist dabei in der Wahrnehmung längst zur Selbstverständlichkeit geworden.

korell Für uns ist es immer noch keine Selbstverständlichkeit, weil wir es uns hart erarbeitet haben, dass ein Jonas Hofmann oder ein Lars Stindl zur Borussia kommen und nicht woanders hingehen. Trotzdem sind wir nach wie vor nicht an dem Punkt angelangt, solche Spieler auch per se halten zu können, wenn sie bei uns den nächsten Schritt gemacht haben.

STEFAN KLÜTTERMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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