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Gladbacher hoch im Kurs
Marc-André ter Stegen wird geadelt

Foto-Porträt: Das ist Marc-Andre ter Stegen
Foto-Porträt: Das ist Marc-Andre ter Stegen FOTO: afp, JL/ql
Mönchengladbach. Der Ex-Welttorhüter Oliver Kahn, Weltmeister-Torwart Bodo Illgner und der spanische Weltmeister Carles Puyol trauen dem gebürtigen Gladbacher ohne Einschränkung zu, bei der WM in Russland Deutschlands Nummer eins zu sein. Von Karsten Kellermann

Als Marc-André ter Stegen am 10. April 2011 sein erstes Bundesligaspiel machte beim 5:1 der Borussen gegen den 1. FC Köln, war Fußballdeutschland neugierig auf den jungen Mann im Gladbacher Tor, dem so große Fähigkeiten nachgesagt wurden. Natürlich wurde auch die Geschichte erzählt von seinem Vorbild Oliver Kahn, an dessen Hand er mal als Einlaufkind das Bökelbergstadion betreten hatte.

Inzwischen ist Kahn Fußball-Rentner und ter Stegen nicht weit von dem entfernt, was Kahn zu seinen Titan-Zeiten war: einer der besten Torhüter der Welt zu sein. Ter Stegen trägt Borussia nur noch im Herzen, längst ist er in andere Sphären entschwunden: Er ist die Nummer eins des großen FC Barcelona. Champions-League-Sieger, zweimal spanischer Meister, dreimal spanischer Pokalsieger, zudem mit dem DFB Confed-Cup-Sieger - die Vita des 25-Jährigen ist schon prall gefüllt mit Titeln. Derzeit ist er bilanztechnisch sogar besser als jeder andere seiner Zunft, denn in der La Liga hat er nur 13 Gegentore bekommen - kein anderer Torwart wurde in dieser Spielzeit seltener bezwungen. Bleibt er unter 18 Gegentoren, ist er spanischer Rekordhalter.

"Marc spielt eine unglaubliche Saison. Für mich gehört er zu den besten Torhütern der Welt. Er passt perfekt zur Spielidee von Barca. Als Torhüter sowieso, aber auch mit den Füßen. Ich glaube, er wird bei Barca noch viele Jahre im Tor stehen", sagte der langjährige Barca-Kapitän Carles Puyol dem TV-Sender Sport 1 im Vorfeld des morgigen Test-Länderspiels zwischen Deutschland und Spanien in Düsseldorf. Es wird nahe seiner Heimatstadt Mönchengladbach ein schöner Härtetest für ter Stegen gegen das Nationalteam seiner Wahlheimat. Wie danach das Treffen mit Rekordweltmeister Brasilien in Berlin.

Keine Zweifel an ter Stegen

Puyol, der spanische Weltmeister, aber auch Ex-Titan Oliver Kahn und der deutsche Weltmeister-Torwart Bodo Illgner adelten nun ter Stegen. Alle drei trauen dem gebürtigen Gladbacher absolut zu, bei der Weltmeisterschaft in Russland Deutschlands Nummer eins zu sein, wenn Manuel Neuer nicht rechtzeitig fit werden sollte.

"Marc-André kann jederzeit eine WM spielen. Er hat sich in Barcelona durchgesetzt und sich extrem weiterentwickelt. Er war schon immer ein guter Fußballer, aber jetzt hat er ein unglaublich hohes Niveau - das alles unter extremem Druck von außen. Denn der Verein hat die höchsten Ziele", sagte Kahn bei Sport 1. "Bedenkenlos könnte Bundestrainer Joachim Löw auf ihn setzen", sagte Illgner dem Kicker. "Für mich ist er auf dem gleichen Niveau wie Neuer. Deutschland hat Glück, dass es einen Ersatzmann wie ter Stegen haben. Für mich kann er einer der besten Torhüter der Geschichte werden", sagte Puyol.

Beim Confed im vergangenen Sommer ersetzte ter Stegen Neuer bereits und trug mit seiner Leistung seinen Teil zum überraschenden Erfolg des deutschen Teams bei. Dabei, aber auch zuvor 2015 beim Champions-League-Triumph mit Barcelona, habe sich ter Stegen das Rüstzeug geholt, um bei der WM das deutsche Tor zu bewachen. "Marc-André ist Champions-League-Sieger. Er hat also den nötigen Background, den man für die Nummer eins in der Nationalmannschaft braucht. Er hat sich über den Confed Cup in die Mannschaft entwickelt, das heißt, er ist jetzt wirklich in der Nationalmannschaft angekommen. Er hat dort Stabilität und Selbstvertrauen entwickelt, so dass ich keine Bedenken hätte, wenn er die WM spielen sollte", sagte Kahn.

Bei einer Umfrage stimmten 50 Prozent der Teilnehmer für ter Stegen als ersten Mann beim Weltturnier, Neuer, der aktuell auch beim DFB-Team weilt, aber noch auf sein Comeback nach der Verletzung wartet, kam auf 45 Prozent.

Dass sein früheres Vorbild Kahn derart überzeugt von ihm ist, dürfte ter Stegen durchaus stolz machen - und eine Extra-Motivation sein. Die Motivation, die Kahn antrieb bis zum Welttorhüter, war es auch, die ter Stegen früher imponierte. Das berichtete er nun in einem kurzen Videoclip auf Spanisch.

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Bevor ter Stegen Torhüter wurde, hatte er indes ein ganz anderes Vorbild: Marcel Ketelaer. Der war frühere Flügelflitzer bei den Borussen. "Er ist dann zum HSV gegangen und ich wurde Torwart", sagte ter Stegen. Der Rest ist spätestens seit seinem Bundesliga-Debüt im rheinischen Derby vor sieben Jahren Geschichte.

Quelle: RP
 
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