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Borussia Mönchengladbach
Wunder, Zick-Zack und Erfolge

Chronologie: Die 1680 Tage des Lucien Favre bei Borussia
Chronologie: Die 1680 Tage des Lucien Favre bei Borussia FOTO: dapd
Mönchengladbach. Borussia hat ihre Vereinschronik um die Jahre 2010 bis 2015 erweitert – es ist vor allem die Ära Lucien Favre. Von Karsten Kellermann

Wenn Borussia am Sonntag um 17.30 Uhr gegen den SV Darmstadt 98 die Bundesliga-Hinrunde beschließt, ist es genau drei Monate her, dass Lucien Favre als Trainer zurücktrat. "Nur" drei Monate ist man geneigt zu sagen, denn die Rasanz des Fußballbusiness lässt das, was am 20. September geschah, erscheinen als wäre es Lichtjahre her. Nach dem 0:1 in Köln hatte der Schweizer das Gefühl, nicht mehr der richtige Trainer für Borussia zu sein. Niemand konnte ihn von diesem Gedanken abbringen. "Wir standen ohne Punkte und Trainer da", erinnert sich Sportdirektor Max Eberl. Rückblickend wertet mancher Experte Favres Entscheidung als Weitblick, denn ohne ihn blühte das Team tatsächlich wieder auf.

Doch just in dem Jahr, in dem er den Glauben an seine Schaffenskraft verlor, waren Favres Werk und sein Beitrag zur Borussen-Geschichte auch auf dem Höhepunkt: Borussia spielte zum ersten Mal in der Champions League, weil sie Dritter wurde in der vergangenen Saison, der letzten mit Favre, wie sich später herausstellte. Und das 40 Jahre nach dem größten Jahr der Klubgeschichte: 1975 wurde Borussia Meister und Uefa-Cup-Sieger sowie zum besten Team Europas gekürt. "Die beste Mannschaft der Vereinsgeschichte" war es - und der ist im jüngst erschienenen Zusatzband zur Vereinschronik der Borussen (Verlag die Werkstatt, 19,90 Euro) ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Chronik wurde auch komplett neu aufgelegt und um die Jahre 2010 bis 2015 erweitert. 704 Seiten hat die Neuauflage (Verlag die Werkstatt, 89,90 Euro). Die hinzugekommene halbe Dekade ist vor allem die Ära Lucien Favre. "Man kann es sicher nicht ganz auf ihn reduzieren, aber es ist sicher ganz viel Favre drin, weil er viereinhalb der fünf Jahre, die hier beschrieben sind, Trainer war", sagt Borussias Medienchef Markus Aretz.

Das erste Halbjahr der Saison 2010/2011 ist eine unglückliche Geschichte, die das Ende der Trainerzeit Michael Frontzecks beschreibt. Der Rest ist Favre. "Ein kleines Wunder vollbracht" steht über dem ersten Halbjahr seiner Amtszeit, die am 14. Februar 2011 begann. Es geht um die Relegationsrettung nach dem "Absturz auf den letzten Platz" unter dem unglücklichen, weil vom Verletzungspech geplagten Frontzeck. "Borussia Barcelona und der kurze Traum vom Double" heißt Teil zwei der Favre-Zeit: der Aufstieg vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Qualifikanten. Es folgt: "Eine Saison des Übergangs für die Zick-Zack-Borussen", die Post-Reus-Saison. Schließlich gibt es eine "Erfolgsgeschichte in drei Akten", die Borussia in die Play-offs zur Europa League führte. Und dann die beste Saison der jüngeren Vereinsgeschichte: der rauschhafte Tanz auf Rang drei nach dem Motto: "Auf, auf, auf in die Champions League."

2015 ist ein historisches Jahr für Borussia geworden durch den ersten Einzug in die moderne Champions League (in den 70ern waren die Gladbacher als fünfmaliger Meister Stammgast im Landesmeister-Wettbewerb, dem Vorgänger der Königsklasse). "Es ist ein Jahr mit einem großartigen Erfolg für Gladbach", resümiert Max Eberl. In der Zusatz-Chronik werden weitere Jahre erzählt, die für den Klub von großer Bedeutung sind: Das Aufstiegsjahr 1965 (nebst einer Fotoserie zur ersten Bundesliga-Saison Borussias). Und schließlich 1975 – es war der Höhepunkt des Schaffens von Meistertrainer Hennes Weisweiler.

Weisweiler hat den Mythos Borussia geschaffen, Favre hat den großen 70ern in der Gegenwart etwas entgegengestellt. Der Erfinder der Fohlenelf ging, wie Favre 40 Jahre später, Knall auf Fall: In der Nacht nach dem Europapokal-Triumph in Enschede, wo die Gladbacher mit dem wohl perfektesten Konterfußball nach dem 0:0 im Final-Hinspiel 5:1 siegten, wurde bekannt, dass Weisweiler zum FC Barcelona wechselt. Mönchengladbach war in Schockstarre. Wie vor drei Monaten, als Favre Borussia verließ.

Quelle: RP
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