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Borussia Mönchengladbach
Zwischen Stars aus Rom und Unbekannten aus Rostow

Wissenswertes über die Play-offs zur Champions League
Wissenswertes über die Play-offs zur Champions League
Mönchengladbach. 83 Tage nach dem Ende der Bundesligasaison wird am Freitag endlich Borussias Play-off-Gegner in der Champions League bestimmt. Das sind die fünf Kandidaten. Von Jannik Sorgatz

Als die große Überraschung perfekt war, legten die Fans der Young Boys die Latte historisch hoch. "Das zweite Wunder von Bern!", jubilierten sie bei Twitter und vermutlich auch auf der Heimfahrt in der Bahn. Das Stadion ihres Vereins wurde eben dort gebaut, wo Helmut Rahn 1954 aus dem Hintergrund schoss und Deutschland gegen Ungarn Weltmeister wurde: in Wankdorf.

Tatsächlich ist es nahezu sensationell, wenn der 85. der Uefa-Klubrangliste den 21. in der Champions-League-Qualifikation ausschaltet. Das Hinspiel bei Schachtjor Donezk hatte Bern 0:2 verloren, im Rückspiel brachten zwei Tore von Yuya Kubo den Schweizer Vizemeister erst in die Verlängerung und schließlich ins Elfmeterschießen. Die Young Boys behielten die Nerven, Donezk nicht. Und das ist dann wohl auch Europa: Wenn ein Schweizer Team ein ukrainisches besiegt und das am Niederrhein in Deutschland für große Freude sorgt.

Denn um kurz nach 23 Uhr am Mittwochabend war der unwahrscheinliche Fall dann doch eingetreten. Die Borussia rutschte last minute in den Topf der fünf Mannschaften, die bei der Auslosung der Play-offs zur Champions League am Freitag (12 Uhr/Live-Ticker) gesetzt sind. Zuvor war bereits der RSC Anderlecht gegen den FK Rostow ausgeschieden. Aus potenziellen Hammerlosen wie Manchester City, FC Villarreal oder FC Porto macht das keineswegs Freilose. Aber Gladbach wird wenigstens einen Gegner auf Augenhöhe bekommen und unter Umständen sogar als Favorit in die Ausscheidungsspiele gehen.

0,448 Punkte lag die Borussia nach der vergangenen Saison in der Uefa-Rangliste vor dem AS Rom. Das ist in der speziellen Arithmetik dieser Tabelle nicht einmal ein halbes Unentschieden. Oder in anderen Worten: Wenn Bayer Leverkusen im Oktober 2015 aus einem 2:4 gegen Rom in der Schlussphase nicht noch ein 4:4 gemacht hätte, wäre Gladbach nun nicht gesetzt. So klein ist dieser Kontinent.

Das sind die fünf möglichen Gegner am 16./17. und 23./24. August:

AS Rom (41,587, Platz 51)

Wie die Borussia hat auch Rom im Sommer seinen besten Spieler verloren. Miralem Pjanic wechselte zu Juventus Turin. Die größten Stars des Vorjahresdritten der Serie A haben aber immer noch international klangvolle Namen: die Römer Legende Francesco Totti, Radja Nainggolan (Belgien), Mohamed Salah (Ägypten), Konstantinos Manolas (Griechenland), Alessandro Florenzi (Italien), Edin Dzeko (Bosnien). Warum ist das Team von Trainer Luciano Spalletti trotzdem ungesetzt? Rom hat zwar zuletzt zweimal Champions League gespielt, dort aber kaum gepunktet. Zuvor gab es zudem zwei Jahre ganz ohne Europapokal.

Steaua Bukarest (36,576, Platz 57)

Der in Deutschland bekannteste Protagonist des rumänischen Vizemeisters ist sein Trainer. Laurentiu Reghecampf spielte für Energie Cottbus und Alemannia Aachen in der Bundesliga. In die Play-offs hat es Steaua durch einen Erfolg gegen Sparta Prag geschafft. Der beste Mann im Kader ist Nationalspieler Nicolae Stanciu, der im Rückspiel zweimal traf. Mihai Pintilii könnte einigen von der EM im Gedächtnis geblieben sein – aufgrund der i-Inflation in seinem Namen. Steaua kann sowohl im 4-4-2 als auch im 3-4-3 agieren. Wenn man so will ist der Star des Siegers im Europapokal der Landesmeister von 1986 sein Stadion: Vor vier Jahren gewann Álvaro Dominguez in der schmucken 55.000-Zuschauer-Arena mit Atlético Madrid die Europa League.

AS Monaco (36,549, Platz 58)

1996 machte die Borussia in Monte Carlo ihr letztes Europapokalspiel, bevor sie sich für 16 Jahre unfreiwillig von der internationalen Bühne verabschiedete. Damals spielten in Fabien Barthez, Emmanuel Petit und Thierry Henry drei Weltmeister in spe beim AS Monaco, dessen Stade Louis II mit seinem Terrakotta-Dach von oben aussieht wie ein luxuriöser Wohnkomplex mit Park in der Mitte. Auch ohne seine zwei portugiesischen Europameister Ricardo Carvalho und Joao Moutinho drehte Monaco gegen Fenerbahce Istanbul eine Hinspielniederlage noch um. Stürmerstar Falcao traf beim 3:1, musste aber mit einer Oberschenkelverletzung raus.

Young Boys Bern (24,755, Platz 85)

Mit zahlreichen Paraden im Spiel und einem abgewehrten Elfmeter war Yvon Mvogo einer der Helden beim Erfolg gegen Donezk. Der 22-Jährige dürfte bald die Bundesliga-Phalanx der Schweizer Nationaltorhüter durchbrechen. Eine namenlose Truppe hat der Underdog aus Bern keinesfalls: Kapitän Steve von Bergen spielte einst bei Hertha BSC, Stürmer Guillaume Hoarau (36 Tore in 51 Ligaspielen für die Young Boys) war bei Paris Saint-Germain gesetzt, bevor Zlatan Ibrahimovic kam, und Miralem Sulejmani ist mit 16 Millionen Euro, die Ajax Amsterdam 2008 für ihn bezahlte, immer noch der teuerste Einkauf der Niederländer.

FK Rostow (11,716, Platz 146)

Dass Rostow der große Unbekannte in diesem Quintett ist, wird verstärkt durch die Tatsache, dass FK zuvor bereits drei andere Namen hatte. Bis 1953 hieß der Klub Traktor Rostow, dann bis 1957 Torpedo und bis 2003 Rostelmasch. Bislang war der Einzug ins Halbfinale des UI-Cups 1999 der größte internationale Erfolg (damals 0:4 und 1:5 gegen Juventus Turin). Hier hätte Borussias Scouting-Abteilung noch einiges an Arbeit zu erledigen. Rostow hat einen ähnlichen Weg zurückgelegt wie die Gladbach: 2015 mussten die Russen noch in der Relegation gegen den Abstieg kämpfen, im Folgejahr schafften sie den Sprung in die Champions-League-Qualifikation – als Vizemeister, noch vor Zenit St. Petersburg.

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