Fußball-Wettskandal: Bundesliga – alles korrekt?
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 07:22Düsseldorf (RP). Bei den Drahtziehern des Manipulationsskandals soll es sich um eine fünfköpfige Gruppe handeln. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Bande ihre Geschäfte vom Ruhrgebiet aus gelenkt hat. Acht der 15 Haftbefehlen in Deutschland wurden dort vollstreckt.
Der mutmaßliche Kopf der Bande, der Türke Deniz C., stammt aus Herten. Weitere Hauptverdächtige sollen aus Berlin kommen. Den durch die Machenschaften der Wettmafia in diesem Jahr entstandenen Schaden schätzen die Ermittlungsbehörden auf mehr als zehn Millionen Euro.
Nach Informationen des "Spiegel" ist in die illegalen Aktivitäten vier Jahre nach dem Skandal um Robert Hoyzer erneut ein Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verstrickt. Er soll bei einer Begegnung der Regionalliga Süd im Mai Schmiergelder angenommen haben.
Im Visier der Ermittler stehen europaweit 200 Fußballspiele, in Deutschland sollen mindestens 32 Partien von der Zweiten Bundesliga bis in den Juniorenbereich manipuliert worden sein. Um welche Begegnungen es sich dabei handelt, ist weiter unklar. Im Brennpunkt stehen vor allem Drittligist VfL Osnabrück und der Süd-Regionalligist SSV Ulm.
DFB-Präsident Theo Zwanziger kündigte eine lückenlose Aufklärung an. "Wir werden die Leute bestrafen, sie gehören nicht mehr zu uns", sagte er. Zwanziger versuchte aber auch, den Skandal aus deutscher Sicht zu relativieren und betonte: "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, wenn von 1,4 Millionen Spielen im Jahr 32 untersucht werden."
Staatsanwaltschaft und Polizei in Bochum, die für den Fall verantwortlich sind, hatten den DFB nicht über ihre Ermittlungen informiert und nur mit der Europäischen Fußball-Union zusammengearbeitet. Der nationale Fußball-Ligaverband hat deshalb Kritik an der Informationspolitik der Staatsanwaltschaft geübt. "Ich hätte es gut gefunden, wenn wir eingeweiht worden wären", sagte Ligaverbands-Boss Reinhard Rauball. "Ich werde versuchen, Anfang der Woche begrenzte Einsicht in die Akten zu bekommen."
Das Ausmaß des Wettskandals hat die Bundesliga erschüttert – auch wenn die höchste deutsche Spielklasse offenbar nicht direkt betroffen ist. "Das ist aber eine große Belastung für unseren Sport", erklärte Rauball. Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß forderte harte Strafen für die Täter: "Die müssen alle miteinander ins Gefängnis, und dann ist Ruhe."
Der kanadische Korruptionsexperte Declan Hill appellierte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass der Kampf gegen die Wettmafia schon auf den Amateur-Sportplätzen beginnen müsse. "Die Informanten der Wettmafia müssen aus den Stadien vertrieben werden", erklärte Hill. "Sogar bei Jugendspielen sieht man solche Menschen, die den Spielverlauf an ihre Auftraggeber durchtelefonieren und somit Live-Wetten ermöglichen."
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