Zeitung über Kirch-Pläne: Bundesliga-Zusammenfassung künftig nur noch im ZDF?
zuletzt aktualisiert: 18.01.2001 - 21:32Hannover (dpa). Die Bundesliga-Sendung "ran" von SAT.1 wird zu einem Spielball der Medienmanager. Innerhalb der Kirch-Gruppe existieren mehrere Pläne, wie mit Hilfe des Fußballs die Finanzkraft des Münchner Medienunternehmens erhöht werden kann. Eine Überlegung sieht die Verlegung von "ran" am Samstag von 18.30 Uhr auf 22.00 Uhr vor.
Damit soll der defizitäre Pay-TV-Sender Premiere World, der alle Spiele live überträgt, geschützt und für die Fußball-Fans attraktiver werden. Ein anderes Modell sieht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) den Verkauf der Bundesliga-Rechte an das ZDF vor. Dann könnte die Zusammenfassung des Spieltages im "Sportstudio" um 22.00 Uhr laufen.
Die Dementis folgten am Donnerstag prompt. Sie fielen aber eher schwach aus. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass SAT.1 aus der Bundesliga aussteigt", sagte Kirch-Sprecher Hartmut Schultz auf Anfrage. Er sprach von einem "regelmäßig wiederkehrenden Panikszenario." Ein anderer Kirch-Manager hatte in der "SZ" auf die Frage, ob die Bundesliga bei "ran" bleibe oder dem ZDF angeboten werde, mit den Worten "Es steht 50:50" geantwortet. "An unserer Position hat sich nichts geändert. "ran" wird sowohl in der kommenden Rückrunde als auch in der kommenden Saison auf dem bekannten Sendeplatz ab 18.30 Uhr ausgestrahlt", sagte SAT.1-Sprecherin Kristina Faßler.
"Das sind interne Gedankenspiele der Kirch-Gruppe, die wir zur Kenntnis nehmen", kommentierte ZDF-Redakteur Stefan Kürten die Pläne. Das ZDF, das gute Kontakte zur Kirch-Gruppe besitzt, strahlt in dieser Saison das Samstagabend-Spiel als erster Free-TV-Sender aus. Der drei Milliarden Mark teure Bundesliga-Vertrag der Kirch-Gruppe mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) läuft im Sommer 2004 aus. Er schreibt eine "zeitnahe Berichterstattung" im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) vor. "22.00 Uhr ist nicht mehr zeitnah und somit nicht im Geiste des Vertrages", sagte DFB-Ligadirektor Wilfried Straub. Allerdings schloss Straub Gespräche über eine Modifizierung des Vertrages nicht grundsätzlich aus.
Die SportA als Sportrechte-Agentur von ARD und ZDF will sich mit der "neuen Situation" in den nächsten Tagen befassen. Die SportA hat von der Kirch-Agentur ISPR Sublizenzen für die Zweit- und Nachverwertung der Bundesligaspiele erworben. Die ARD lehnt eine Bundesliga-Berichterstattung um 22.00 Uhr ab. "Wir werden nicht mitbieten, weil wir nicht gegen die Interessen des Publikums bieten", sagte ARD-Sprecher Rüdiger Oppers in Köln.
In der ARD-Sportredaktion wird die Entwicklung gleichwohl mit großem Interesse verfolgt. "Kirch steht mit dem Rücken zur Wand. Er benötigt Geld, um die Forderungen seines Mitgesellschafters Rupert Murdoch zu erfüllen. Deshalb hat er uns auch die WM-Rechte 2002 angeboten", sagte ein Redakteur. Der Abschluss des 225 Millionen Mark-Vertrages für das Turnier in Japan und Südkorea muss noch von den ARD-Intendanten genehmigt werden. "Eine Bundesliga- Zusammenfassung um 22.00 Uhr ist nicht so wertvoll, bei 19.00 Uhr würden wir Gewehr bei Fuß stehen", sagte der ARD-Mann.
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