1. Bundesliga 17/18
| 10.58 Uhr

"Wahnsinnsspiel" in Köln
Nur der Geißbock war nicht euphorisiert

1. FC Köln - Werder Bremen: Nur der Geißbock war nicht euphorisiert
Anthony Modeste wollte nach seinem zweiten Tor mit Hennes VIII. jubeln – aber der Geißbock war wenig begeistert. FOTO: dpa, ve fpt
Köln. Von diesem Spiel wird man sich nicht nur in Köln und Bremen noch eine Weile erzählen: Die Rheinländer besiegen Werder nach einem Offensiv-Spektakel mit 4:3. Die Verlierer konnten sich gar nicht richtig ärgern – und den Gewinnern fehlte die Kraft zum Jubeln.

Am Ende des furiosen Offensiv-Spektakels waren sich alle Beteiligten bewusst, Teil eines ganz besonderen Spiels gewesen zu sein. "Wir haben zwar verloren, aber ich denke, alle Zuschauer haben gewonnen und ein fantastisches Spiel gesehen", sagte Werder Bremens Trainer Alexander Nouri, der sich über die eigentlich bittere 3:4 (2:3)-Niederlage beim 1. FC Köln gar nicht so richtig ärgern konnte. Sein Manager Frank Baumann sprach trotz der Niederlage sogar von einem "Fußballfest".

Kölns Kapitän Matthias Lehmann fehlte fast die Kraft zum Jubeln. "Ich muss erstmal den Puls messen. Das war so ein emotionales Spiel", erklärte der 33-Jährige. Sein Sportchef Jörg Schmadtke sprach gar von "einer Werbeveranstaltung für den Fußball. Das war ein extremes, interessantes, tolles Spiel mit sieben Toren. Mehr geht nicht." Und Peter Stöger erklärte seinen ungewohnt ausgelassenen Jubel nach dem 100. Bundesliga-Spiel mit einem Schmunzeln: "Ich habe auch Gefühle. So ein Spiel lässt niemanden kalt. Es war ein Wahnsinnsspiel. Einige Jungs waren am Ende mausetot."

Köln - Bremen: die Bilder des Spiels FOTO: dpa, ve

Leidenschaft und Spannung bis zur letzten Minute

Die Partie der beiden Europacup-Aspiranten begeisterte zum Auftakt des 32. Spieltags die Zuschauer im Stadion und vor dem Fernseher. Beide Teams spielten von der ersten bis zur letzten Minute mit vollem Einsatz, mit Herz und Leidenschaft. Köln zeigte seine beste Saisonleistung und hatte ein halbes Dutzend weiterer Großchancen. Werder steckte nie auf und hätte am Ende mit vier Stürmern beinahe noch das 4:4 erzwungen.

Der Rekord von bisher acht Treffern in den vier torreichsten Saisonspielen hätte am Freitag eigentlich fallen müssen, am Ende waren es immerhin sieben. Torjäger Anthony Modeste mit seinem 24. und 25. Saisontor (13./47.), Leonardo Bittencourt (28.) und Simon Zoller (44.) trafen für die Kölner, die am Freitag Rang sechs von Werder eroberten und nun von der ersten Europacup-Teilnahme nach 25 Jahren träumen dürfen. Bartels (34.), Theodor Gebre Selassie (40.) und der eingewechselte Serge Gnabry (62.) waren für Werder erfolgreich, das dennoch erstmals seit Februar und elf Spielen wieder verlor.

Nur Geißbock Hennes VIII. ließ sich von der Euphorie im Kölner Stadion nicht anstecken. Als Modeste nach seinem zweiten Tor zu dem Tier an der Seitenlinie lief und ihm eine Streicheleinheit verpassen wollte, bockte Hennes. Das FC-Maskottchen hat halt schon so seine Erfahrungen mit jubelnden Torjägern gemacht. Vor ein paar Jahren hatte Anthony Ujah den Geißbock nach einem Tor an den Hörnern gepackt und damit den Zorn einiger Tierschützer auf sich gezogen. Modeste nahm Hennes die Abweisung aber nicht übel und lief grinsend und jubelnd zurück auf den Platz.

Fotos: Modeste zeigt Schiedsrichter die Gelbe Karte FOTO: Screenshot Sky

Für den humorvollen Höhepunkt dieses denkwürdigen Fußballabends sorgte dann ebenfalls Modeste. Der Franzose steckte die Gelbe Karte ein, die Schiedsrichter Wolfgang Stark verloren hatte, trug sie eine Weile mit sich herum, zeigte sie Stark schließlich mit einem schelmischen Lachen und gab sie ihm dann wieder zurück. "Normalerweise gibt der Schiri mir immer die Gelbe Karte. Jetzt habe ich das mal gemacht", sagte Modeste bei "Sky": "Beim Fußball musst du Spaß haben."

Es war das Motto dieses begeisternden Fußballspiels.

(areh/dpa)
 
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