Bayern München: 100 Tage van Gaal - eine Bilanz
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 08.10.2009 - 16:23Düsseldorf (RPO). Seit 100 Tagen ist Louis van Gaal Trainer beim FC Bayern München. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: acht Spiele, zwölf Punkte, Tabellenplatz acht - der Niederländer ist noch nicht in München angekommen. Wir ziehen für Sie eine erste Bilanz.
Ergebnisse:
Der Rekordmeister ist in der laufenden Saison unter van Gaals Regie so unberechenbar wie selten zuvor. Gerade als man das Star-Ensemble von der Säbener Straße nach drei Siegen in Serie nach dem Stotter-Start in der Bundesliga in der Erfolgsspur wähnte, kamen prompt die Rückschläge. Erst das 0:1 beim Meisterschaftskandidaten Hamburger SV, dann noch die peinliche Nullnummer gegen den 1. FC Köln. Seine Startbilanz ist mit zwöf Punkten ernüchternd, der Abstand zur Spitze beträgt bereits acht Zähler.
Im DFB-Pokal haben die Bayern nach Siegen über die SpVgg Neckarelz und Rot-Weiß Oberhausen das Achtelfinale erreicht. Hier ist van Gall voll im Soll. In der Champions League sind die Bayern in ihrer Gruppe nach einem Sieg über Haifa und einem Remis gegen Juventus Turin Tabellenführer - auch hier darf van Gaal zufrieden sein.
Taktik:
Van Gaal wurde verpflichtet, um das personell üppig besetzte Bayern-Team mit einer klaren taktischen Linie wieder an die Spitze zu führen, doch der Niederländer tut sich bislang schwer, eine eindeutige Stammformation zu finden und änderte bereits mehrmals das Spielsystem.
Anfangs schwörte der Disziplin-Fanatiker noch auf das 4-4-2 mit Raute, also mit Spielmacher, doch als er im Kader einfach keinen Regisseur fand und Superstar Franck Ribery diese Rolle offen ablehnte, stellte van Gaal auf das niederländisch inspirierte 4-3-3 mit zwei Außenstürmern um. Gegen den HSV operierte er zudem eine Halbzeit lang mit einer Dreierkette. Die Experimente sind eigentlich abgeschlossen, doch van Gaal will flexibel bleiben.
Personal:
Im Tor stärkte er erst Michael Rensing, um ihn dann doch wieder durch Jörg Butt zu ersetzen. In der Abwehr wechselte Philipp Lahm merhmals die Seite. Im Zentrum sind Youngster Holger Badstuber und der weidererstarkte Daniel van Buyten gesetzt, doch hier fehlen van Gaal auch Alternativen. Martin Demichelis kehrt nach langer Verletzung bald zurück.
Im Mittelfeld befinden sich Alexander Baumjohann (am ersten Spieltag noch Spielmacher), Hamit Altintop und Jose Ernesto Sosa auf dem Abstellgleis. Gleiches gilt für Zugang Anatoli Timoschtschuk. Der Ukrainer zog im Duell um den Platz in der defensiven Zentrale zunächst gegen Kapitän Mark van Bommel den Kürzeren, nach dessen Verletzung lief ihm Eigengewächs Andreas Ottl den Rang ab. Dafür konnte sich Shootingstar Thomas Müller an der Seite von Bastian Schweinsteiger in der ersten Mannschaft etablieren.
Im Angriff ist das Gedränge besonders groß. Weltmeister Luca Toni kam nach seiner Verletzung noch nicht einmal in der Liga zum Einsatz, in der Mitte wechseln sich Ivica Olic, Miroslav Klose und Mario Gomez als Stoßstürmer ab, während auf den Außenpositionen Arjen Robben und Franck Ribery mehr oder weniger konkurrenzlos sind.
Fazit:
Die Spieler wirken aufgrund der zahlreichen Wechselspiele auf nahezu jeder Position verunsichert. Zudem finden Leistungsträger wie Toni oder Zugänge wie Timoschtschuk nicht den richtigen Draht zum neuen Übungsleiter, der einen schroffen Umgang mit seinen Profis pflegt.
Nach 100 Tagen hat es der neue Trainer noch nicht geschafft, der Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken, eine Stammelf zu finden sowie die Zugänge zu integrieren. Außerdem läuft der FCB mit van Gaal in der Bundesliga der Musik noch hinterher. Noch können sie in München nicht zufrieden sein.
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