(RP) Es ist eine schwere Rolle, die Florian Fromlowitz am Samstag (15.30 Uhr im Live-Ticker) im Spiel gegen Schalke 04 antreten muss: Der junge Torwart ist die neue Nummer eins bei Hannover 96. Zu Robert Enke hatte er ein enges Verhältnis: "Er war wie mein Lehrer."
Es ist die traurigste Art, in ein Team zu kommen, an den Stammplatz zwischen den Pfosten. Nach dem Tod von Robert Enke hütet nun Florian Fromlowitz das Tor von Hannover 96. Glücklich machen kann ihn der Aufstieg zur neuen Nummer eins nicht. Der Pfälzer tritt bei dem niedersächsischen Bundesligisten ein schweres Erbe an. Denn er ist Nachfolger eines Kollegen, der sportlich unumstritten war, Publikumsliebling und als Kapitän eine überragende Position in der Mannschaft hatte. Heute hat der 23-Jährige mit den Niedersachsen bei Schalke 04 anzutreten.
"Robert war für mich wie ein Lehrer. Ich habe keinen Konkurrenten, sondern einen Freund verloren. Er hat mir auch ohne viele Worte immer geholfen", sagte Florian Fromlowitz. Enke werde "immer in meinem Herzen sein, und ich weiß, dass er von oben zuschauen wird".
Die Tage nach Enkes tragischem Tod verbrachte Fromlowitz in Kaiserslautern – der Stadt, in der er geboren wurde und seine Familie lebt. Vor fünf Monaten hatte er die andere, die wunderschöne Seite des Sportlerdaseins erlebt. Denn er gehörte zum Kader der deutschen U21-Junioren, die in Schweden den EM-Titel gewannen. Zwar war Fromlowitz bei dem Turnier nur Bankdrücker, an dem Schalker Manuel Neuer führte kein Weg vorbei. Aber "Flo" durfte sich trotzdem wie ein Europameister fühlen, und er feierte den Triumph nach dem Finale ausgelassen mit.
Zweimal vertrat Fromlowitz Enke über einen längeren Zeitraum. Im Herbst 2008 war der Nationaltorhüter verletzt, im September und Oktober diesen Jahres litt Enke unter einer nicht näher genannten Viruserkrankung. Das Team konnte sich zuletzt auf den jungen Fromlowitz verlassen, dem früher kecke Sprüche nachgesagt worden waren.
Er hat das vielen Torhütern eigene ausgeprägte Selbstbewusstsein, fügte sich aber in die Rolle hinter Enke, der in seiner besonnenen, sachlichen Art des Torwartspiels Vorbild für den neun Jahre jüngeren Kollegen war. "Robert ist hier klar die Nummer eins", hatte Fromlowitz stets betont und sich ohne Murren auf die Bank der Reservespieler gesetzt.
Auch im Fernsehstudio gab er sich demütig, realistisch, sympathisch. Immerhin hatte man ihn schon die beste Nummer zwei der Liga genannt. Das Fachblatt "Kicker" bewertete seine Leistungen in dieser Saison mit dem Notenschnitt von 2,67 – ein beachtlich guter Wert.
Florian Fromlowitz stammt aus der Jugend des 1. FC Kaiserslautern, für den er von 1992 bis zu seinem Wechsel nach Hannover im Jahr 2008 spielte. Er ist einer der Keeper, die bei den Pfälzern aus der Torwartschule von Gerry Ehrmann hervorgegangen sind – wie auch Nationalschlussmann Tim Wiese (heute Werder Bremen) und Roman Weidenfeller (Borussia Dotmund).
Fromlowitz und seine Mannschaftskollegen werden heute in Gedenken an Robert Enke mit einer Nummer "1" auf dem Trikot auflaufen. Für Fromlowitz ist es ein trauriger Anfang, aber ein Anfang.
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Quelle: RP