(RP) Nach über 30 Jahren als Manager hat Uli Hoeneß seinen Posten geräumt und sich zum Präsidenten des Rekordmeisters aus München wählen lassen. "Kaiser" Franz Beckenbauer ist nun Ehrenpräsident.
Vor der Halle C1 der Münchner Messe hat sich eine lange Schlange gebildet. Fans strecken Blöcke und Stifte entgegen. Es wird gekreischt, als ob Rockstars in die Halle einziehen. Tatsächlich beginnt dort in wenigen Augenblicken die Hauptversammlung des FC Bayern München.
Besonders laut wird es um kurz vor 19 Uhr. Auftritt von Uli Hoeneß. Es ist sein Abend – nach 30 Jahren als Manager wechselt er in das Präsidentenamt des deutschen Fußball-Rekordmeisters. Bei der Wahl bekommt er später bei 4490 anwesenden Mitgliedern nur zwölf Gegenstimmen.
Dem Wahlvolk ist zuvor eine Sonderedition des Bayern-Magazins in die Hand gedrückt worden. Die eine Hälfte des Heftes ist dem scheidenden Präsidenten Franz Beckenbauer – "der größten Persönlichkeit, die unser Klub je hervorgebracht hat", wie Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge später sagen wird – gewidmet, die andere seinem Nachfolger.
Beckenbauer betritt als erster die Bühne und begrüßt mit seinem ganz eigenen Charme die Mitglieder. "Sie wundern sich sicherlich, wo die ganzen Pokale stehen. Man ist es ja gewohnt, dass hier immer etwas steht." Dann wendet er sich zu Trainer Louis van Gaal, der überraschend wenig Pfiffe erntet, sowie den ebenfalls anwesenden Spielern Mark van Bommel, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger und lächelt: "Vielleicht kommt in dieser Saison ja noch der ein oder andere her." Das Publikum erweist sich als gnädig und spendet Beifall. Zuversicht sieht anders aus.
Während es sportlich zurzeit nicht gerade optimal läuft, ist die wirtschaftliche Bilanz hervorragend. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 verzeichnete die FC Bayern München AG einen Umsatz von 268,7 Millionen Euro, gemeinsam mit der Allianz Arena München Stadion GmbH 303,8 Millionen Euro. Nach Abzug von Steuern erzielte der Verein einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro. Die Bayern München AG erzielte gar einen Überschuss von 12,9 Millionen, in die Bilanz fließen aber auch 10,4 Millionen Euro Verlustübernahme der Stadion GmbH ein.
Rummenigge erklärt, der Verein sei "wirtschaftlich wie kein zweiter in Europa aufgestellt". Hoeneß, der neue Präsident, ergänzte: "Meine Erben haben eine goldene Zukunft vor sich. Wir sind wirtschaftlich unabhängig. Welcher andere Spitzenklub kann das behaupten?"
Beckenbauer trittt nach 15 Jahren als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender ab und wird zum Ehrenpräsidenten ernannt. Hoeneß' Manager-Posten übernimmt der derzeitige Sportdirektor Christian Nerlinger zumindest im sportlichen Bereich. "Es war", sagt Hoeneß, "eine großartige Zeit, ich freue mich jetzt auf das, was kommt."
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Quelle: RP