1. Bundesliga 16/17
| 07.34 Uhr

Abzocke im Stadion
Verbraucherschutz kritisiert Bezahlkarten

Die Kapazität der 18 Bundesliga-Stadien
Die Kapazität der 18 Bundesliga-Stadien FOTO: dpa
Düsseldorf. Einige Fußball-Bundesligisten sollen dank der komplizierten Rückerstattung von Restguthaben attraktive Geschäfte machen, auch die Fans sind verärgert. Schalke 04 wehrt sich gegen die Vorwürfe. Von Patrick Scherer, Michael Zehender und Michel Winde

Das Spiel ist aus, die Fans strömen zu den Ausgängen - und auch zu den Auszahlstationen für Bezahlkarten. Die Schlangen sind lang. Jetzt heißt es: Warten und den kleinen Euro-Betrag ausbezahlen lassen oder blitzschnell den Heimweg antreten. Tausende Fans entscheiden sich für zweiteres. Und so schlummert auf vielen Chipkarten ein kleines oder gar größeres Guthaben. Vielleicht nur zwei Wochen bis zum nächsten Heimspiel, vielleicht aber auch Jahre. Jetzt wollen Verbraucherschützer gegen die bargeldlose Bezahlung von Bier und Bratwurst in deutschen Fußballstadien vorgehen.

Die vielfach eingesetzten Bezahlkarten seien für die Vereine ein lukratives Zusatzgeschäft, berichtet die ARD-Radio-Recherche Sport über gemeinsam mit den Verbraucherzentralen durchgeführte Tests in fünf Bundesligastadien. Im Visier stehen unter anderem der FC Bayern München, der FC Augsburg und der FC Schalke 04. Vor allem die Erstattung von Restguthaben sei oft kompliziert geregelt.

In München und Augsburg erwägt die Verbraucherzentrale rechtlich dagegen vorzugehen, dass für Rücküberweisungen von Kartenguthaben Gebühren verlangt werden. In vielen Stadien können Speisen und Getränke nur noch mit den Karten und nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden. "Wenn ein Bezahlsystem absolut und ausschließlich ist, besteht immer eine fehlende Wahlmöglichkeit", sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. "Das Beste ist natürlich eine Vielfalt und eine Auswahlmöglichkeit für den Nutzer." Laut Recherche gibt es in der 1. Liga in zwölf von 18 Stadien ein bargeldloses Bezahlsystem, in der 2. Liga sind es sechs.

Der FC Bayern wies laut dem Bericht für 2010 einen Ertrag in Höhe von 2,4 Millionen Euro durch verfallene Bezahlkartenguthaben aus. Seitdem gibt es keine Angaben mehr. Auf Anfrage der ARD teilte der Verein mit, dass Restbeträge nach Ablauf der Frist auf Kulanz ausgezahlt würden. Diese Regelung gelte auch beim FC Augsburg, heißt es.

Auch bei Schalke 04 geht die Verbraucherzentrale dagegen vor, dass bei Rücküberweisungen Gebühren anfallen. Daneben kritisiert sie, dass die Rückbuchung bis zu eineinhalb Jahre dauere. "Das halten wir für rechtlich unzulässig", sagt Julia Schmitz von der Verbraucherzentrale NRW. Bei der Auszahlung des Restguthabens handele es sich um eine vertragliche Pflicht, für die keine Gebühr genommen werden dürfe.

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel widersprach den Verbraucherschützern: "Es wurde niemals eine Bearbeitungsgebühr von drei Euro verlangt. Und Guthaben sind nie verfallen." Er kündigte aber an, dass sich der Verein um die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu diesem Thema "kümmern" werde.

Im Frankfurter Stadion bemängelt die Verbraucherzentrale zu lange Wartezeiten, zu wenig Personal und zu wenige Rückgabestellen sowie ebenfalls eine Gebühr für die Rücküberweisung von Guthaben. Ein Sprecher der Eintracht sagt, dass der Verein lediglich Mieter im Stadion und die Betreibergesellschaft verantwortlich sei.

Auch Faninitiativen stören sich schon länger an den Chipkarten. "Vor allem bei Fans, die zu Auswärtsspielen fahren, sind sie natürlich wenig beliebt", sagte ein Sprecher der Initiative ProFans. Einige Vereine bieten deshalb Gästefans an, an speziellen Kassen mit Bargeld zu zahlen.

Quelle: RP
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