Wolfsburgs Aufsichtsratschef tobt: "Als wäre die Mannschaft beratungsresistent"
zuletzt aktualisiert: 18.04.2011 - 16:08Wolfsburg/Berlin (RPO). Ex-Meister VfL Wolfsburg taumelt Richtung 2. Liga, selbst "Magier" Felix Magath scheint seinen Zauber verloren zu haben. Jetzt platzte dem mächtigen Aufsichtsratschef der Kragen. Die Schonzeit für die Spieler ist ab sofort vorbei.
Beim abgestürzten Ex-Meister VfL Wolfsburg geht es nun den Spielern an den Kragen: Angesichts der immer größer werdenden Abstiegsgefahr hat die Klubführung den Druck auf die Millionen-Truppe erhöht. Mit dieser längst überfälligen Maßnahme will der Richtung zweite Liga taumelnde Meister von 2009 den drohenden Abstieg noch verhindern.
"Wenn die Mannschaft jetzt nicht konsequent agiert, dann werden wir eben Konsequenzen ziehen", sagte Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz: "Es ist Zeit, die Spieler in die Pflicht zu nehmen. Wie haben uns in den letzten zwei Jahren immer vor die Mannschaft gestellt. Wir haben eigene Fehler eingestanden, haben dazu die Trainer gewechselt. Es scheint fast, als wäre die Mannschaft beratungs- und trainerresistent. Es ist keine Besserung eingetreten."
"Fünf vor zwölf"
Auch nicht mit Rückkehrer Felix Magath, unter dessen Leitung keines der vier Spiele gewonnen werden konnte. Trotzdem nahm ihn das VW-Vorstandsmitglied ausdrücklich von seiner Kritik aus.
"Wenn es einer schaffen kann, dann Felix Magath. Es ist ja bereits mehr Zug, mehr Disziplin in der Mannschaft. In den vergangenen zwei Jahren hat die Mannschaft nicht die Leistung gebracht, die von ihr erwartet wurde. Dies innerhalb kurzer Zeit abzustreifen, ist auch für Felix Magath nicht leicht", sagte Garcia.
Bei einem Krisentreffen wurde die dramatische Lage des VfL mit Magath, VW-Chef Martin Winterkorn und Aufsichtsratsmitglied Bernd Osterloh am Samstagabend besprochen.
Sollte im kommenden Heimspiel am Ostersonntag gegen den 1. FC Köln keine Besserung eintreten, dürfte es für die Spieler ungemütlich werden. Es sei bereits "fünf vor zwölf", betonte Garcia. Dies wüssten alle, vom Platzwart bis zum Busfahrer, "nur die Mannschaft anscheinend nicht."
Die Fans haben dies längst begriffen. Nach dem enttäuschenden 2:2 im Kellerduell gegen den FC St. Pauli am Samstag bekam das Verhältnis der Fans zur Mannschaft Risse. Als die Spieler in die Kurve gingen, schallte es "Absteiger, Absteiger!" und "Wir sind Wolfsburger und ihr nicht!". Garcia zeigte Verständnis für die Reaktion: "Die Fans standen gegen St. Pauli 90 Minuten hinter dem Team, aber auf dem Platz kam nichts zurück."
Gesprächsrunde soll helfen
Um das Verhältnis zu verbessern, kommt es am Dienstag ab 17.30 Uhr im Fansaal der Wolfsburger Arena zu einer Gesprächsrunde, bei der die gesamte Mannschaft anwesend ist. Im Dialog mit den Anhängern sollen die Probleme gelöst werden.
"Ich bin überzeugt, die Fans können mit ihrer Leidenschaft dazu beitragen, dass die Spieler in den verbleibenden Partien an ihre Leistungsgrenze gehen und sich als Mannschaft präsentieren", sagte Magath.
Aufsichtsrats-Boss Garcia erwartet von den Wölfen gegen Köln eine deutliche Reaktion: "Die Spieler müssen bereit sein, für den anderen zu laufen und zu kämpfen." Alle Egoismen müssten ausgeschaltet und der Fokus einzig und allein auf das Ziel Klassenerhalt gelegt werden, so Garcia.
Wolfsburg hat nur eines seiner letzten elf Spiele gewonnen. Nach derzeitigem Stand müsste der Tabellen-16. in der Relegation gegen den Dritten der 2. Liga um den Klassenerhalt kämpfen.
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