Günter Netzer adelt Mönchengladbach: "Am Ende können sie Meister werden"
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012 - 02:30Düsseldorf (RP). Günter Netzer adelt seine Nachfolger. "Am Ende können auch sie Meister werden", sagte der ehemalige Weltstar von Borussia Mönchengladbach nach dem 3:0-Erfolg der Elf vom Niederrhein beim VfB Stuttgart.
"Die anderen", urteilte der ehemalige TV-Analyst im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt", "müssen die Gladbacher zunehmend ernster nehmen. Sie gewinnen ihre Spiele und machen das Beste aus der Situation."
Der Auftritt in Stuttgart hat offenbar den größten Eindruck auf Netzer hinterlassen. "Wer das Spiel gesehen hat, der kann ja gar nicht anders, als sich daran zu berauschen", erklärte der Europameister 1972, "das Team vereint so viele positive Attribute des modernen Fußballs auf sich, und das Ganze wird auch noch gepaart mit einer Reihe von wirklich großartigen Spielern. Es ist eine pure Freude, ihnen zuzuschauen."
Der entscheidende Mann für die Erfolge der Borussia ist auch für Netzer Trainer Lucien Favre, der aus dem fast sicheren Absteiger binnen weniger Monate einen Meisterschaftsaspiranten geformt hat. "In erster Linie ist es diese wunderbare Organisation der Mannschaft auf dem Platz, die der Trainer Favre geschaffen hat", betonte er, "es gibt eine Ordnung, die durch nichts zu erschüttern ist. Eine Ordnung, die in jeder Phase funktioniert. Es ist alles durchdacht."
"Hoffentlich kommt kein Einbruch"
Natürlich sieht Netzer aber auch Grenzen für die Borussia vom Niederrhein. "Die Mannschaft spielt auf verdammt hohem Niveau, das zu halten, ist nicht leicht, darin liegt die Gefahr", warnte der ehemalige Meisterspieler, "hoffentlich kommt kein Einbruch oder eine Serie von Niederlagen, die ich schon im Hinterkopf habe." Jedenfalls sei das Ganze schwer zu steigern, "das Aufwärtspotenzial ist begrenzt, es sind schon jetzt wunderschöne Vorstellungen. Aber im Moment mehr zu verlangen, wäre kaum möglich. Es geht kaum besser". Favre hört die Lobeshymnen ganz bestimmt nicht ungern. Aber er lässt sich nicht dazu herausfordern, seine Ziele öffentlich zu korrigieren. "Wir denken wirklich von Spiel zu Spiel", sagte der Schweizer, "damit sind wir gut gefahren. Wir haben noch sehr schwere Aufgaben vor uns."
Seine Spieler hat er gut erzogen. Denn auch die finden sich nicht zu lautstarken Träumereien bereit. "Natürlich sind wir stolz, dass wir solche Spiele mit so gutem Fußball gewinnen", erklärte Mike Hanke, einer der Torschützen in Stuttgart, "wir schauen gern auf die Tabelle, aber wir wissen, wo wir herkommen." Der Stürmer, den Favre zu einer Art Spielmacher umfunktioniert hat, kann sich bestens an die Last-Minute-Rettung im Sommer erinnern, als die Borussia erst in zwei Relegationsspielen gegen den VfL Bochum (1:0, 1:1) die Klasse halten konnte.
Den Entscheidungsspielen war bereits eine erstaunliche Serie mit dem Trainer Favre vorausgegangen. Als er das Team übernahm, war es eigentlich schon mit beiden Beinen in der Zweiten Liga. Über eine deutlich verbesserte defensive Ordnung aber schaffte der Schweizer den Klassenerhalt. Und er hatte sich für diese Spielzeit vorgenommen, das offensive Spiel zu verbessern. Dass es so gut laufen würde, hatten allerdings nicht einmal notorische Optimisten erwartet.
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