Interview: Armin Veh: Wir haben keinen Druck
zuletzt aktualisiert: 05.05.2007 - 12:38Düsseldorf (RPO). Armin Veh geht ganz locker in die entscheidende Phase in der Bundesliga - die Rolle des Geheimfavoriten scheint dem Trainer des VfB Stuttgart zu gefallen. Im Gespräch mit unserer Redaktion redet der Coach über den Titelkampf und die Zukunft bei den Schwaben.
Frage: Herr Veh, der VfB steht vor den vier wichtigsten Spielen der vergangenen zehn Jahre. Was muss die Mannschaft in diesen „Endspielen“ beherzigen, um einer erfolgreichen Saison die Krone aufzusetzen?
Armin Veh: Wir werden das fortführen, was uns im bisherigen Saisonverlauf ausgezeichnet hat. Die Mannschaft hat schon jetzt viel mehr erreicht, als ihr von vielen Experten vor der Saison zugetraut wurde. Aus diesem Grund können wir ohne Druck ins Saisonfinale gehen und sind guter Hoffnung, gegen Mainz 05 unsere positive Serie fortsetzen zu können.
Frage: Sogar das Double ist möglich, sind Sie auch zufrieden, wenn nur ein Titel herausspringen sollte?
Veh: Diese Frage verdeutlicht, wie schnelllebig und manchmal auch realitätsfern die Berichterstattung rund um den Fußball geworden ist. Unsere junge Mannschaft spielt eine hervorragende Saison und hat es einfach nicht verdient, mit irgendwelchen Forderungen unter Druck gesetzt zu werden.
Frage: Die Euphorie im Stuttgart ist kontinuierlich gewachsen, glauben Sie, dass es Enttäuschung geben wird, wenn letztlich kein Titel erreicht wird?
Veh: Auch das glaube ich nicht. Unsere Zuschauer honorieren auch so, wie sich die Mannschaft in jedem Spiel engagiert und alles für den Erfolg gibt.
Frage: Man hat Ihre Arbeit in Stuttgart anfangs skeptisch beobachtet, ist daraus nun mehr als Akzeptanz erwachsen?
Veh: Es ist völlig normal, dass ein Trainer zu Beginn seiner Tätigkeit teilweise kritisch beäugt wird. In meinem Fall kam hinzu, dass ich vor meinem Wechsel nach Stuttgart eine gewisse Zeit aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden war. Wichtig ist, dass innerhalb des Vereins eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist, und das war in Stuttgart von Anfang an der Fall. Nach den positiven Resultaten der vergangenen Wochen und Monate wird meine Arbeit nun aber auch von außen Stehenden positiver bewertet.
Frage: Beharrlichkeit scheint eine Ihrer Tugenden zu sein, Sie haben sich von Gegenwind jedenfalls nicht beirren lassen. Auch Ihre Spieler wirken abgeklärt, warten auf ihre Chance und nutzen sie. Gehört diese zielgerichtete Gelassenheit heute zum Erfolg?
Veh: Ich würde in diesem Zusammenhang eher von Bescheidenheit sprechen. Die Mannschaft weiß, dass sie jedes Spiel hoch konzentriert und engagiert angehen muss und es trotz der positiven Ergebnisse noch sehr viel zu verbessern gibt. Diese Einstellung ist eine wichtige Voraussetzung für positive Ergebnisse im Sport.
Frage: Sie haben den Kader zu einem Team zusammengeschweißt, in dem es zahlreiche Nationalspieler gibt, aber keine Starallüren. Wie wichtig ist der viel beschworene „Mannschaftsgeist“ heute noch?
Veh: Sehr wichtig. Ohne eine positive Atmosphäre im Team kann sich keine erfolgsorientierte Stimmung entwickeln. Es ist unabdingbar, dass alle ein gemeinsames Ziel vor Augen haben und dieses konsequent verfolgen.
Frage: Oft hat der VfB in den letzten Jahren einen Hurra-Stil gepflegt und damit nichts gewonnen. Wie sieht für Sie heute eine erfolgreiche Fußball-Philosophie aus, wie systemabhängig ist sie, wieviel Flexibilität muss sein?
Veh: Meine Fußballphilosophie ist darauf ausgerichtet, mit attraktivem Offensivfußball zum Erfolg zu kommen. Das habe ich allen Mannschaften vermittelt, mit denen ich im Laufe meiner Trainerkarriere zusammen gearbeitet habe. Die Systemfrage ist dabei natürlich immer auch davon abhängig, welche Spielertypen im Kader vorhanden sind.
Frage: Die Champions-League-Qualifikation ist dem VfB wohl nicht mehr zu nehmen, namhafte Verstärkung steht bisher nur in Torhüter Raphael Schäfer fest. Halten Sie Ihr Team für stark genug, unter den europäischen Champions zu bestehen?
Veh: Aus unserer Sicht wäre es den aktuellen Spielern gegenüber nicht korrekt, öffentlich über Neuzugänge zu sprechen. Unsere Mannschaft hat im bisherigen Saisonverlauf bewiesen, dass sie über großes Potenzial verfügt, einen großen Umbruch wird es nach der Saison mit Sicherheit nicht geben. Zu eventuellen Neuzugängen werden wir uns zu gegebener Zeit äußern.
Frage: Diese Saison des VfB erscheint im Rückblick wie ein kontinuierlicher Höhenflug, unabhängig vom Ausgang: Was war bisher Ihr persönliches Highlight und was wünschen Sie sich für die nächste?
Veh: Für mich war und ist sehr erfreulich, dass die Mannschaft von der ersten Trainingseinheit der laufenden Saison an voll konzentriert und engagiert mitgezogen hat und sich ständig weiter verbessern möchte. Mit der nächsten Spielzeit beschäftige ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.
Das Gespräch führte Jörg Berghoff.
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