Rumpelfußball, Finanzsorgen und Rafinha-Wirbel: Auf Schalke regiert wieder das Chaos
zuletzt aktualisiert: 30.08.2009 - 10:32Gelsenkirchen (RPO). Mit ihm sollte alles besser werden: Felix Magath wurde in der Sommerpause als neuer starker Mann nach Gelsenkirchen geholt. Aber der Trainer und Manager des FC Schalke 04 ist nach dem 0:1 gegen Freiburg als Krisenmanager gefordert. Es rumort an allen Ecken und Enden.
Der angebliche Last-Minute-Wechsel des Brasilianers zu Bayern München, die Berichte über akute Finanzprobleme und der Rückfall in schlimmste Rumpelfußball-Zeiten - Magath hatte viel Unangenehmes zu erklären und merkte schnell: Das Chaos ist zurück auf Schalke, die Euphorie schon wieder verflogen.
Dementieren war Magaths wichtigste Aufgabe. "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein konkretes Angebot für Rafinha", sagte der Trainer und Manager nach dem peinlichen 0:1 (0:1) gegen Aufsteiger SC Freiburg. Der Rechtsverteidiger wolle zwar weg, habe aber noch nicht den Verein gebracht, "der die richtige Ablöse zahlt". Das könne bis zum Transferschluss am Montag noch geschehen, alles andere sei "doch Papperlapapp".
Mit Bayern-Manager Uli Hoeneß habe er sich auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung am Freitagabend zwar unterhalten, "aber nicht über Rafinha". Der neue Münchner Sportdirektor Christian Nerlinger assistierte aus der Ferne. Eine "absolute Falschmeldung" nannte der Ex-Nationalspieler die von kicker-online verbreitete Nachricht von Rafinhas Blitztransfer zu den Bayern, "da ist nichts dran."
Dennoch steht der 23-Jährige, der in der zweiten Halbzeit nach Bekanntwerden der Meldung bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde, zum Verkauf. "Ich habe ständig meine Hand am Telefon, um sofort da zu sein, wenn es klingelt", sagte Magath.
Am Sonntag legte er im DSF-"Doppelpass" nach - und machte klar, dass Rafinha nicht zu den Bayern wechseln wird: "Vorstand und Trainer der Bayern haben sich zusammengesetzt und entschieden, dass kein Spieler mehr verpflichtet wird."
Die finanzielle Situation des mit 136,5 Millionen Euro verschuldeten Traditionsklubs indes sei "nicht besorgniserregend", sagte er. Dass angeblich Spielergehälter mit Verspätung gezahlt wurden, wollte er jedoch nicht dementieren.
"Davon weiß ich nichts. Aber ich will auch nicht in der Vergangenheit rumkramen", sagte Magath, während sein Vorstandskollege Peter Peters, der seit der Entmachtung des Präsidenten Josef Schnusenberg für die Finanzen zuständig ist, auf Tauchstation ging. Immerhin erklärte Kapitän Heiko Westermann: "Bei mir ist das nicht vorgekommen, und ich hoffe, es wird auch nie vorkommen."
Krisenmanager Magath beteuerte indes: "Ich bin sicher, dass wir die finanzielle Situation genauso in den Griff bekommen wie die sportliche." Die sportliche Situation hatte sich in nur zwei Wochen dramatisch verschlechtert: Bejubelten beim 3:0 gegen den VfL Bochum vor 14 Tagen noch alle den neuen Magath-Stil mit Tempo, Tricks und Toren, so erlebten die 60.198 Zuschauer gegen Freiburg einen Rückfall in schlimmste Vor-Magath-Zeiten.
"Harmlos, kopflos" nannte der neue Trainer die untauglichen Versuche seiner Mannschaft, die nicht immer sattelfeste Abwehr des Aufsteigers zu überwinden. Vor allem wunderte sich der Wolfsburger Meistermacher, dass es sein Team "nur mit langen Bällen" versuchte, "ich weiß nicht, wer das der Mannschaft gesagt hat".
Vermutlich lag es daran, dass die Abwehrspieler schnell merkten, dass das Schalker Mittelfeld mit dem extrem schwachen Ivan Rakitic und dem kaum stärkeren Heiko Westermann keinerlei Impulse gab. Die Freiburger bemerkten dieses Manko recht schnell und bewiesen immer mehr Mut. Du-Ri Chas Tor nach einem katastrophalen Fehler von U21-Europameister Benedikt Höwedes (40.), das den ersten Freiburger Sieg auf Schalke seit zwölf Jahren perfekt machte, war der gerechte Lohn.
"Das sind drei Bonuspunkte für uns", sagte Trainer Robin Dutt, nachdem sein Team die Rote Laterne abgegeben hatte: "Jetzt soll's richtig losgehen." Nach dem vielen Lob, aber nur einem Punkt in den ersten drei Spielen sei seine Mannschaft "endlich belohnt worden".
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