Schalke verzockt 2:0 in Bochum: Ausgerechnet Hashemian schockt Magath
zuletzt aktualisiert: 24.01.2010 - 10:26Bochum (RPO). Den Sprung an die Tabellenspitze in letzter Sekunde verpasst, den Derby-Sieg leichtfertig verspielt - das war zuviel für Felix Magath. Der Trainer von Schalke 04 stampfte wütend auf den Rasen, stürmte in die Kabine und ließ dort deutlich hörbar Dampf ab: "In der Nachspielzeit! Das darf doch nicht sein!" Das völlig unnötige 2:2 (0:2) beim Revier-Rivalen VfL Bochum machte Magath mächtig zu schaffen, doch nachdem der erste Ärger verraucht war, biss er sich kräftig auf die Zunge.
"Wir haben hier zwei Punkte liegen lassen. So ist das, wenn man eine junge Mannschaft mit wenig Erfahrung hat", sagte Magath genervt, aber beherrscht. Mit Mühe fand er sogar noch einen positiven Ansatz: "Wenn das Unentschieden dazu führt, solche Fehler in Zukunft abzustellen, sind wir wieder einen Schritt weiter."
2:0 hatte sein Team nach Toren von Vicente Sanchez (5.) und Kevin Kuranyi (42.) geführt und den Gastgeber im Stile einer Spitzenmannschaft fast nach Belieben beherrscht. Nachdem Kuranyi in der 55. Minute die Riesenchancen zum 3:0 vergeben hatte, schlichen sich erste Patzer ein, bevor ein Glücksgriff von Bochums Trainer Heiko Herrlich endgültig die Wende einleitete. Vahid Hashemian erzielte zehn Minuten nach seiner Einwechslung in der 72. zunächst das erste VfL-Tor. Das 2:2 durch Stanislav Sestak, das in der letzten Aktion des Spiels (90.) fiel, bereitete der Iraner mustergültig vor.
Ausgerechnet Hashemian
Ausgerechnet Hashemian machte Magath einen Strich durch die Rechnung. Unter Magath kam der Angreifer 2004/2005 in München lediglich zu neun, teilweise sehr kurzen, Einsätzen in der Bundesliga. Nur im DFB-Pokal glückte dem 41-fachen Nationalspieler in seinem einzigen Jahr an der Säbener Straße ein Treffer.
Beim 7:0-Sieg beim SC Freiburg setzte der heute 33-Jährige damals den Schlusspunkt. Nach einer Spielzeit musterte Magath ihn aus und er wechselte zu Hannover 96. Nach drei mäßigen Jahren an der Leine sollte die Rückkehr zum Vfl Bochum Hashemian wieder in die Erfolgsspur führen, doch der "Hubschrauber", wie er aufgrund seiner Kopfballstärke einst gerufen wurde, konnte in den vergangenen eineinhalb Jahren nur selten an die erfolgreichen Zeiten von 2001 bis 2004 anknüpfen. Damals war er zunächst mit acht Treffern maßgeblich am Bundesliga-Aufstieg der Bochumer beteiligt, ehe er dem Klub zwei Jahre später mit 16 Toren die Qualifikation für den Uefa-Cup sicherte.
Für Hashemian war der Treffer zum 1:2 nach einer Ecke von Milos Maric erst der zweite Torerfolg in der laufenden Saison. Und Herrlich bewies mit der Einwechslung des Stürmers nicht nur ein glückliches Händchen, sondern geradezu wundersame hellseherische Fähigkeiten.
"Der Trainer hat mir bei meiner Einwechslung gesagt: 'Du machst ein Tor und eine Vorlage'", sagte Hashemian, der Sestaks Ausgleich mit einer traumhaften Flanke vorbereitet hatte, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Was sich zunächst wie ein Scherz anhörte, "war die Wahrheit", wie Herrlich versicherte. Lotto wolle er aber trotzdem nicht spielen: "Davon habe ich keine Ahnung."
Viel lieber verneigte sich der ehemalige Klassestürmer bei einem seiner Lehrmeister. "Ich durfte zwei Jahre unter Ottmar Hitzfeld spielen. Was mich an ihm immer beeindruckt hat, war sein Glaube, den er bis zur letzten Sekunde hatte. Diesen Glauben versuche auch ich meinen Spielern zu vermitteln", sagte Herrlich.
Während der VfL-Coach die "tolle Moral" seiner Mannschaft lobte, waren die Schalker Spieler restlos bedient. Zwar hat der S04 gegen keine Bundesliga-Mannschaft mehr Siege vorzuweisen als gegen den VfL Bochum, doch in wirklich wichtigen Spielen sträubt sich der kleine Nachbar gerne mal.
Schon wieder Bochum
"Ich habe früher in der Sportschau gesehen, wie Schalke in Bochum gestrauchelt ist. Dass mir das jetzt auch passiert, ist unglaublich", sagte der 19 Jahre alte Christoph Moritz, eines von Magaths Top-Talenten.
2001 hatte Schalke mit einem 1:1 beim späteren Absteiger Bochum die entscheidenden Punkte im Titelkampf liegenlassen und wurde nur "Meister der Herzen". 2007 versetzte der VfL dem Möchtegern-Meister beim 2:1-Sieg einen herben Dämpfer. Diesmal verpasste Schalke zumindest den vorübergehenden Sprung an die Spitze der Tabelle und musste auch Bayern München vorbeiziehen lassen.
"Wir sind alle sauer auf uns, dass wir so fahrlässig mit unser Führung umgegangen sind", sagte Torwart Manuel Neuer. Auch Kuranyi war selbstkritisch: "Wir haben in der zweiten Halbzeit angefangen, weniger zu machen. Das darf nicht passieren."
Sein Teamkollege Rafinha verließ derweil wortlos das Stadion. Die Gerüchte um einen bevorstehenden Wechsel des Brasilianers für angeblich rund 14 Millionen Euro Ablöse zum deutschen Meister VfL Wolfsburg wollte der genervte Magath nach Spielende zunächst gar nicht kommentieren, bevor er doch eine vage Wasserstandsmeldung abgab: "Es hat sich heute Nachmittag nichts getan."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

























