Auch Sevilla ist dran: Ballack-Poker geht in die heiße Phase
zuletzt aktualisiert: 23.06.2010 - 13:57Johannesburg (RPO). Das Wettbieten um Michael Ballack macht die Fußball-Bundesliga verrückt: Bayer Leverkusen hat die Verhandlungen eingestellt, der VfL Wolfsburg wedelt mit den Geldscheinen, und auch der Hamburger SV ist weiter im Rennen.
Doch Ballack pokert weiter und spricht auch mit den Premier-League-Klubs FC Liverpool und Tottenham Hotspur sowie dem Spaniens Champions-League-Teilnehmer FC Sevilla. "Ich werde mich so schnell wie möglich festlegen. Eine Entscheidung fällt innerhalb der nächsten zwei Wochen", sagte der 33 Jahre alte Nationalmannschaftskapitän der Bild-Zeitung.
Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler rechnet sogar mit einer Entscheidung in den kommenden sieben Tagen. Dass die allerdings für die Rheinländer ausfällt, scheint aus finanziellen Gründen äußerst ungewiss. Das Angebot der Leverkusener soll bei knapp 13 Millionen Euro für zwei Jahre liegen.
"Wir haben vor einigen Tagen ein Angebot abgeben, dass am Rand unserer Möglichkeiten liegt. Das Angebot ist nicht mehr verhandelbar. Es wird von unserer Seite aus kein Wettbieten mit Wolfsburg und Hamburg geben", sagte Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Wir hoffen sehr, dass sich Michael Ballack für uns entscheidet. Dann machen wir ein Fass auf."
Ein finanzielles Fass aufgemacht hat derweil der VfL Wolfsburg. Sportlich ist der Wechsel für den 98-maligen Nationalspieler zwar auf den ersten Blick wenig attraktiv. Aber 19 Millionen Euro Gehalt für einen Vertrag bis 2012 sind mehr als eine Entschädigung für mindestens ein Jahr ohne internationale Teilnahme. Zudem will VW noch ein paar Euro drauflegen und Ballack nach dessen Karriereende im Anschluss an die EM 2012 in Polen und der Ukraine für weitere fünf Jahre als Repräsentant verpflichten.
Auch der HSV ist wieder im Rennen. Zwar herrschte einige Tage Funkstille zwischen Ballack-Berater Michael Becker und HSV-Boss Bernd Hoffmann, doch mittlerweile wurden die Gespräche wieder aufgenommen. Der HSV dachte wohl, Ballack habe sich längst für Bayer oder Wolfsburg entschieden, doch dem ist nicht so. "Es gibt noch keine Tendenz", sagte Becker.
Öffentlich wollen die Hamburger keine Stellung zu den Chancen einer Ballack-Verpflichtung beziehen. "Ich werde mich an den ganzen Spekulationen nicht beteiligen. Ich äußere mich nicht über Spieler, die nicht in meinem Kader stehen", sagte der neue HSV-Coach Armin Veh, der das Interesse an Ballack - wie auch das übrige Hamburger Umfeld - aber nicht dementieren wollte.
Das ursprüngliche Angebot des HSV soll über dem von Bayer, aber unter dem der Wolfsburger liegen. Als Stadt ist Hamburg für Ballack und seine Familie interessant. Das nötige Geld für einen Ballack-Vertrag liegt ebenfalls auf der Straße. Das Projekt "anstoß" ist eine Offerte des in der Schweiz lebenden Hamburger Milliardärs Klaus-Michael Kühne.
Der Unternehmer hat dem HSV angeboten, eine Summe zwischen 15 und 20 Millionen Euro für die Verpflichtung herausragender junger Spieler zur Verfügung zu stellen. Die ursprüngliche Idee war, ihn dafür an den Weiterverkäufen partizipieren zu lassen. Da es bei Ballack einen Wiederverkaufswert nicht gäbe, ist daran gedacht, Kühne Teile von Transferrechten bereits bei den Hamburgern unter Vertrag stehenden Spielern zu überlassen.
Derweil läuft bei Ballack die Suche nach einem neuen Verein weiter auf Hochtouren, in der neuen Saison will er dann auch in der DFB-Auswahl wieder der Chef sein. Diskussionen, ob die Nationalmannschaft den derzeit verletzten Ballack nach der WM in Südafrika überhaupt noch brauchen würde, erstickte DFB-Präsident Theo Zwanziger im Keim. "Natürlich brauchen wir Michael Ballack, diese Frage stellt sich nicht. Er ist eine echte Führungsfigur und unverzichtbar", sagte Zwanziger im SID-Interview.
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