Ex-Nationalspieler nimmt sich Auszeit: Ballacks Sonderbehandlung schadet Bayer
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 07.03.2011 - 11:41Leverkusen (RP). Als Bayer Leverkusen im vergangenen Sommer Michael Ballack mit einem fabelhaft dotierten Zweijahresvertrag ausstattete, tat der Verein dies vor allem aus zwei Überlegungen heraus: Zum einen sollte er die junge Mannschaft führen und ihr den fehlenden Schuss Cleverness einimpfen. Zum anderen sollte er dem Club und vor allem seinem Hauptsponsor als global zu verkaufender Imageträger dienen.
Acht Monate später spielt Ballack als Erfolgsfaktor auf dem Platz keinerlei Rolle. Und der vermeintliche PR-Coup hat sich für die Werkself längst zum permanent störenden Nebenkriegsschauplatz entwickelt.
Am Samstag gewann Bayer 3:0 gegen den VfL Wolfsburg. Ohne Ballack. Der stand auf eigenen Wunsch nicht im Kader. In seiner jetzigen körperlichen Verfassung könne er der Mannschaft als Einwechselspieler nicht helfen, soll er Trainer Jupp Heynckes unter der Woche eröffnet haben. Deswegen die Bitte, ihn lieber trainieren als auf der Ersatzbank sitzen zu lassen.
Was andernorts als Arbeitsverweigerung eines Solisten oder zumindest als Im-Stich-Lassen des Teams ausgelegt würde, wird bei Bayer überraschenderweise einvernehmlich akzeptiert. Heynckes revidierte Ballacks "Auszeit" selbst dann nicht, als am Samstagmorgen Spieler mit Magen-Darm-Beschwerden ausfielen. Stattdessen ging Leverkusen ohne einen problemlos einsatzfähigen Ballack nur mit 16 statt der erlaubten 18 Akteure in die Partie. "Dazu sage ich nichts. Ich bin ja nicht der Präsident dieses Vereins", sagte Kapitän Simon Rolfes.
Doch wie befremdlich muss es auf Mitspieler wirken, wenn jemand selbst entscheiden darf, dass Kurzeinsätze nichts für ihn sind? Würde so etwas beispielsweise einem Lars Bender auch zugestanden? Und warum lehnt Ballack aus freien Stücken Einsatzminuten ab, wo er doch in der Vergangenheit gebetsmühlenartig betonte, dass man sich die wahre Fitness einzig im Wettkampf holt?
Nach Bayers 3:1 in Mönchengladbach am 23. Januar hatte er noch verkündet, er sei fit und bereit für die Startelf – und nach sechs weiteren Wochen im Mannschaftstraining plus vier Spielen ist sein Fitnesszustand in der eigenen Wahrnehmung auf einmal schlechter geworden?
Bayer-04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sagte, Rudi Völler und er hätten in der vergangenen Woche auf ein Gespräch zwischen Ballack und Heynckes gedrängt, als sich andeutete, dass Lars Bender und nicht Ballack den gelbgesperrten Arturo Vidal vertreten würde. Wieso ein solches Drängen, wenn das Verhältnis zwischen Trainer und Altstar doch nach Auskunft aller Beteiligten vollkommen intakt ist?
Ballacks Vertrag läuft bis Juni 2012. Heynckes’ Vertrag läuft in diesem Sommer aus. Nach dem Willen des Vereins soll der 65-Jährige noch ein Jahr dranhängen. Unterschrieben ist aber immer noch nichts. Und es scheint zunehmend unwahrscheinlich, dass Bayer mit Ballack und Heynckes in die kommende Saison geht.
Als Ballack neulich beim Spiel in Frankfurt 90 Minuten auf der Bank bleiben musste, wollte Heynckes damit verdeutlichen, dass es für ihn keine Sonderbehandlung gibt. Der Vorgang vom Wochenende hat diesen Trugschluss nun jäh beendet. Und er dürfte nachhaltigen Schaden verursachen im Binnenklima des Tabellenzweiten.
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