Bielefelder 1:6 in Dortmund: Bankrotterklärung bringt Middendorp in Not
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 08.12.2007 - 11:54Dortmund (RPO). Dank einer glanzvollen Leistung hat Borussia Dortmund einen 6:1-Sieg gegen Arminia Bielefeld gefeiert. Den größten Anteil an diesem Resultat hatten aber die Gäste - weil sich nach dem 0:1 aufgaben. Jetzt wird es eng im Abstiegskampf.
Es war ein Spiel, das zwei Geschichten schrieb. Die eine handelt von Borussia Dortmund, jener Mannschaft die sich innerhalb von 180 Minuten von einem ernsthaften Abstiegskandidaten in einen Anwärter auf die internationan Plätze verwandelt hat.
Von der, die gestern Abend von den Fans so frenetisch gefeiert wurde. Die hatten vor zwei Wochen nach der 0:2-Pleite in Nürnbeg noch die Abfahrt des Mannschaftsbusses blockiert und die Profis beschimpft. Doll sollte weg, jetzt ist er ein Held, Chancentod Valdez ist ein Held, der überragend Regisseur Petric sowieso.
In der anderen Geschichte geht es um Arminia Bielefeld, hier brodelt es schon seit Wochen, das was jetzt kommt, wird einem Vulkanausbruch gleichen.
6:1, so stand es auf der Anzeigetafel im Dortmunder Signal-Iduna-Park, den Zahlen hatten sie Nikolausmützen aufgesetzt. Die Gäste-Kicker hätten lieber selbst welche mitgebracht und tief ins Gesicht gezogen. Denn das, was sie da auf dem Rasen gezeigt hatten, war ein Armutszeugnis, eine Demütigung für die eigenen Fans - eine Bankrotterklärung.
Nach dem ersten Gegentreffer durch Tinga in der 13. Minute waren die Bielefelder von der Erstligatauglichkeit nicht weniger weit entfernt als Petrik Sander von der Verpflichtung als Chefcoach der englischen Nationalmannschaft.
Da fehlte es an allem: Einsatzbereitschaft, Mut, Zweikampfstärke, Ideen und Offensivdrang, Stellungsspiel, Leidenschaft, Teamgeist. Die Mannschaft zeigte nach dem Rückstand keinerlei Aufbäumen, sie gab sich der Lächerlichkeit preis. Sie war keine Mannschaft.
Middendorp im Kreuzfeuer
Und das nicht zum ersten Mal. Schon am achten Spieltag war die Arminia bei Werder Bremen mit 1:8 untergegangen. Seitdem und vor allem nach weiteren blutleeren Vorstellungen in den darauffolgenden Wochen steht Trainer Ernst Middendorp im Kreuzfeuer der Kritik - was ihn dazu veranlasste, seinen Kompetenzbereich eigenhändig noch ein bisschen erweitern zu versuchen: "Ich entlasse mich nur noch selbst", sagte er jüngst.
Auch nach der gestrigen Partie, in der die Bielefelder Anhänger schon nach 50 Minuten mit ihren Trainer-Rausschmiss-Forderungen die stimmgewaltige Südtribüne übertönten, blieb Middendorp seiner selbstverliebten Linie treu. Als ihn ein Premiere-Reporter nach etwaigen eigenen Fehlern fragte, verdrehte der Coach bloß die Augen und zischte: "Warum bin ich eigentlich immer der Erste, der sowas gefragt wird?"
Erklären konnte er sich die Leistung seiner Schützlinge indes nicht, "das hat nichts mehr mit Bundesliga zu tun, das war keine Mannschaftsleistung, das war katastrophal." Middendorp war frustiert, aber nicht resigniert. An einen freiwillgen Rückzug denkt er nicht, er will das durchziehen.
Aber wer kann dann Erklärungen liefern? Wer kann den Schalter umlegen? Wer kann das Auseinanderfallen des Teams bei Rückständen verhindern?
Auf diese Fragen müssen die Arminia-Granden schnellstmöglich Antworten finden, sonst sind Klatschen gegen Bremen und Dortmund im nächsten Jahr nicht mehr möglich: In Liga zwei heißen die Gegner nämlich Osnabrück und Offenbach.
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