Dortmunds Welttorjäger: Barrios – die erste große Tor-Serie
VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 26.10.2009 - 07:53Dortmund (RP). Jürgen Klopp ist hinlänglich bekannt als kleiner Schelm, ausgestattet auch mit starkem Trieb zur Selbstdarstellung und stets um Originalität bemüht – zuweilen auf Teufel komm raus. Und solch ein Typ braucht hin und wieder etwas länger bis zu einer Pointe.
Also hat Dortmunds Trainer als kopfgesteuerter Mensch erst mal ausgiebig überlegt, ob er das 1:1 der Borussia bei Bayer Leverkusen nur rein "verstandesmäßig" erfassen wollte als Minimum oder als beachtliches Resultat im Duell mit dem Bundesliga-Spitzenreiter und nicht auch noch emotional.
Schließlich hat sich der eloquente Fußball-Lehrer doch durchgerungen bis zum "Geil-wir-haben-einen-Punkt-Gefühl", was in der Dortmunder Fan-Gemeinde zu einem verzückten Lächeln führte oder wahlweise auch zu Beifall.
Die Leverkusener aber waren ganz schnell beim Sortieren der Gedanken. Sie legten am laufenden Band Geständnisse ab. "Das war in der ersten Halbzeit unser schwächstes Spiel", betonte Trainer Jupp Heynckes. Und Manuel Friedrich, Torschütze zum 1:1 mit einem ebenso feinen Kopfball wie Lucas Barrios zu Dortmunds Führung, verhehlte seine Unzufriedenheit nicht.
"Wir haben zu viele Flüchtigkeitsfehler gemacht und Konzentration vermissen lassen. Wenn du oben bleiben willst, darfst du daheim keine Punkte abgeben", sagte der zuletzt sehr beständig arbeitende Innenverteidiger.
Oben bleiben – darüber müssen sich die Leverkusener nun verstärkt Gedanken machen, weil am Samstag wieder Showdown ist auf Schalke und auch dann Simon Rolfes und Renato Augusto noch außer Dienst sein werden wegen ihrer Verletzungen am Knie. Gegen die Dortmunder fehlten Bayer mit dem Kapitän und dem manchmal genialischen Brasilianer die Fixpunkte und treibenden Kräfte.
Leverkusens Jungschar – Lars Bender und Daniel Schwaab vor allem – fand niemanden vor zum Anlehnen. Selbst Sami Hyypiä, falsch platziert vor dem 0:1 nach Arturo Vidals Ballverlust, gab ungewöhnlich wenig Halt.
Die Dortmunder, denen Rudi Völler bescheinigte, "auch kein Feuerwerk abgebrannt" zu haben, fühlten sich gefestigt. "Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht", bekräftigte Klopp. Und sie registrierten mit viel Freude, dass sich Welttorjäger Lucas Barrios akklimatisiert.
Das fünfte Tor im fünften Pflichtspiel hintereinander spricht dafür, und "er merkt jetzt, dass sein Körper viel mehr hergibt, als er in Chile zeigen musste" (Klopp). Ein Problem allerdings plagt den Trainer weiterhin. Das Potenzial ("Dass wir kicken können, ist klar") und das Bewusstsein für die Stärke befinden sich noch nicht im Gleichklang. "Aber das kommt nach und nach", versprach er. Morgen im Pokal gegen Osnabrück besteht Gelegenheit zum Üben.
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