Vom Leistungsträger auf die Tribüne: Barzagli in Wolfsburg nur noch Bankdrücker
zuletzt aktualisiert: 26.02.2010 - 09:24Wolfsburg (RPO). Unter Felix Magath noch Leistungsträger, unter Armin Veh schon Wackelkandidat und unter Lorenz-Günther Köstner nur noch Bankdrücker: In neun Monaten ist Fußball-Weltmeister Andrea Barzagli beim VfL Wolfsburg vom unangefochtenen Abwehrchef zum verzichtbaren Edelreservisten abgestiegen.
Nachdem der Italiener in der Meistersaison keine Spielminute verpasste, ist er inzwischen immer häufiger zum Zuschauen verdammt. "Andrea ist momentan außen vor. Er freut sich natürlich nicht über diese Situation, aber er respektiert sie", sagt Köstner, der auch im Rückspiel der Europa League am Donnerstag gegen den FC Villarreal anderen Innenverteidigern den Vorzug vor Barzagli geben wollte.
Alte Verdienste zählen beim neuen Coach nicht: "Er war in der Meistersaison der Abwehrchef. Aber das bedeutet keine Einsatzgarantie. Er muss wieder Ehrgeiz zeigen."
Allerdings sind durchwachsene Leistungen in der laufenden Saison nur ein Grund für Barzaglis Abstieg. Denn der Karriereknick kam mit dem Familienglück: Weil er bei der Geburt seines ersten Kindes vor zwei Wochen unbedingt dabei sein wollte, flog der 28-Jährige kurzerhand nach Florenz und fehlte dadurch beim Bundesligaspiel der "Wölfe" in Leverkusen (1:2) – was ihm Köstner offenbar übel nimmt.
Auch wenn der Trainer den Sonderurlaub selbst genehmigte, konnte er sich einen Seitenhieb anschließend nicht verkneifen. "Ich hätte gesagt, erst spielen, dann nach Hause. Ich bin gespannt, wann die Männer die Kinder kriegen und die Frauen zuschauen können", erklärte Köstner und ließ Barzagli seither auf der Bank schmoren.
Anstelle des 25-maligen Nationalspielers kam zuletzt der Tscheche Jan Simunek zum Einsatz - und nutzte im Hinspiel in Villarreal (2:2) wie auch in der Bundesligapartie gegen Schalke 04 (2:1) seine Chance. "Jan hat im Training gezeigt, dass er seinen Platz in der Mannschaft nicht so schnell abgeben will", erklärte Köstner.
Ob Barzagli dies als Ansporn oder eher als letzten Anstoß für einen Wechsel im Sommer betrachtet, ist offen. Zwar läuft sein Vertrag beim VfL noch bis Ende kommender Saison, doch ein vorzeitiger Transfer des Wolfsburger Rekordeinkaufs (13,9 Millionen Euro) ist nicht ausgeschlossen.
Die Konkurrenz auf seiner Position ist jedenfalls nicht kleiner geworden, seit die Niedersachsen in dem Brasilianer Rever einen weiteren Innenverteidiger in der Winterpause verpflichteten. Sollte der 25-Jährige nach auskuriertem Mittelhandbruch bald zur Verfügung stehen, wird Barzagli womöglich endgültig verzichtbar sein.
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