Bundesliga-Analyse: Bayern greift noch mal an
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.05.2011 - 16:44Düsseldorf/München (RP). Das Minimalziel, Platz drei, ist erreicht. Jetzt macht München Druck auf Leverkusen und will dem Konkurrenten am letzten Spieltag noch Rang zwei abjagen, der die direkte Qualifikation für die Champions League bedeutet.
Am Montag spielt der FC Bayern München in Burghausen. Gegner sind "die Besten aus Bayern", zusammengestellt von einem großen Bierbrauer, der den deutschen Rekordmeister jährlich mit einer stattlichen Euro-Summe und bei seinen Feiern mit ausreichend Weißbier versorgt. Der Bundesligist betreibt dann Dienst am Kunden.
Vielleicht hat der Brauer am Samstag zuvor Gelegenheit, die besonders fotogenen Monstergläser zu füllen, deren Inhalt der Fußballer von heute im Erfolgsfall so gern dem jeweiligen Trainer über das gekrönte Haupt schüttet. Denn die Münchner können am letzten Bundesliga-Spieltag Bayer Leverkusen von Platz zwei verdrängen, der auf direktem Weg in die Champions League führt.
Dafür benötigen die Bayern einen Erfolg über den VfB Stuttgart und Schützenhilfe des SC Freiburg, der zeitgleich gegen Leverkusen spielt. "Es gibt noch etwas zu gewinnen", sagt Bayerns Trainer Andries Jonker, der auch nach dem Erreichen von Rang drei, der zu den Qualifikationsspielen um den Einzug in die Champions League berechtigt, die Spannung im Übungsalltag hochhält. "Wir nehmen keinen Gang raus, und es gibt keine extra freien Tage", betont der Holländer, "wir werden alles für Platz zwei tun, das ist auch eine Verpflichtung den Fans gegenüber."
Die haben den 48-jährigen Amsterdamer längst ins Herz geschlossen. Mit seiner vergleichsweise unspektakulären, auf jeden Fall uneitlen Mannschaftsführung hat er das Team zumindest wieder in die Nähe seiner Leistungsfähigkeit geführt. Vier Spiele macht der Klub unter Jonkers Leitung, bei drei Siegen und einem Unentschieden (1:1 in Frankfurt) schossen die Bayern 18 Tore. Das sieht jeder Fan gern.
Neue Verträge für Rummenigge und Hopfner
Bayern München setzt in der Führungsetage auf Kontinuität: Der deutsche Fußball-Rekordmeisters hat wie erwartet die Verträge mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Finanzvorstand Karl Hopfner verlängert. Die Entscheidung des Aufsichtsrats unter Vorsitz von Vereinspräsident Uli Hoeneß fiel einstimmig.
Rummenigge (55) bleibt den Bayern mindestens bis zum 31. Dezember 2013 als Boss der FC Bayern AG erhalten. Der Vertrag von Hopfner (58), stellvertretender Vorstand, läuft auf eigenen Wunsch bis zum 31. Dezember 2012.
"Der Aufsichtsrat des FC Bayern München hat sich einstimmig für die Vertragsverlängerungen des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und seines Stellvertreters Karl Hopfner ausgesprochen. Dies gewährleistet, dass die erfolgreiche Arbeit in der FC Bayern München AG kontinuierlich fortgesetzt wird", sagte Hoeneß zur Einigung mit den beiden Vorständen.
Rummenigge ist seit 14. Februar 2002 Vorstandschef der Bayern. Von 1991 bis 2002 war der ehemalige Nationalspieler Vizepräsident der Münchner. Hopfner gehört der Führungsebene bereits seit 1983 an, zunächst war er als Geschäftsführer des Rekordmeisters tätig. Neben Rummenigge und Hopfner ist Marketingleiter Andreas Jung seit 1. Juli 2010 im Vorstand der Bayern.
Gomez nicht mehr einzuholen
Mario Gomez hat sich dabei besonders hervorgetan. Zuletzt steuerte der Torjäger drei Treffer zum 8:1-Erfolg auf St. Pauli bei, und er wird am Ende dieser Saison der einzige Münchner Profi sein, der einen Titel gewinnt. Bei 27 Toren und fünf Treffern Vorsprung auf den Freiburger Papiss Cissé ist ihm die Torjägerkanone nicht mehr zu nehmen. "Das ist schön, denn jeder Stürmer will wenigstens einmal der Torschützenkönig sein", sagt Gomez, "aber das Wichtigste ist immer die Mannschaft. Und eine Saison ohne Titel ist keine gute Saison für den FC Bayern."
Für den Mitbewerber um Platz zwei sieht das ganz anders aus. Die direkte Qualifikation für die Fußball-Königsklasse gilt in Leverkusen als Erfolg. Und weil darum noch mal ernsthaft gezittert werden muss, herrscht im Bayer-Biotop spürbare Unruhe. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser fühlte sich zum Treuebekenntnis für Trainer Jupp Heynckes ("an ihm gibt es nichts zu rütteln") aufgerufen.
Tatsächlich stehen beide Trainer im Freiburger Spiel vor einer merkwürdigen Situation. Gewinnt Robin Dutt, macht er sich die Arbeit in Leverkusen ab dem Sommer ein bisschen schwieriger, gewinnt Heynckes, muss er mit seinem neuen Klub Bayern München in die Qualifikation.
Andries Jonker plagen solche Sorgen nicht. Er geht im Sommer drei Schritte zurück zur zweiten Mannschaft der Bayern in die Regionalliga. Und er darf sich für ein erfolgreiches Zwischenspiel feiern lassen. Seine Befähigung fürs höhere Amt hat er bewiesen.
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