Hinten steht die Null, vorne läuft es rund: Bayern kratzen an der Perfektion
zuletzt aktualisiert: 19.09.2011 - 19:16Gelsenkirchen (RPO). Achter Sieg in Folge, dabei 23:0 Tore – Rekordmeister Bayern München spielt in einer eigenen Liga. Pokalsieger Schalke 04 streckte schon mal die Waffen.
Nach der "fast perfekten" Fußball-Demonstration des Rekordmeisters streckte der Pokalsieger die Waffen und riet der gesamten Bundesliga zur Kapitulation. "Vielleicht müssen die anderen 17 Vereine sich etwas überlegen – dass die Bayern nur noch zu neunt spielen oder nur einmal auswechseln dürfen", regte Sportdirektor Horst Heldt von Schalke 04 nach dem 0:2 (0:1) gegen Bayern München mit einer gehörigen Portion Sarkasmus an und prophezeite: "So wie es ausschaut, wird es ein Alleingang."
748 Minuten ohne Gegentor
Acht Siege in Folge, dabei 23:0 Tore, seit 748 Minuten ohne Gegentreffer – der FC Bayern spielt derzeit in einer eigenen Liga. Besonders bitter für die Konkurrenz ist, dass sich Manuel Neuer sogar schon ein wenig langweilt. "Man muss immer im Spiel bleiben, auch wenn man nicht so viel zu tun bekommt. Dann schläft man auch nicht ein", sagte der Nationaltorwart, dem bei seiner Rückkehr auf Schalke zwar viel Hass entgegenschlug, aber in 90 Minuten nur ein einziger, harmloser Schuss.
Abwehr-Rekord
Mit dem souveränen 2:0 beim DFB-Pokalsieger Schalke 04 hat Rekordmeister Bayern München einen Vereinsrekord aufgestellt. Der Bundesliga-Spitzenreiter hat seit 748 Minuten in Pflichtspielen kein Gegentor mehr kassiert. Acht Partien in Folge zu null sind eine mehr als vor 13 Jahren: Zwischen Dezember 1998 und März 1999 war der FC Bayern in sieben Spielen ohne Gegentreffer geblieben. Am Ende der Saison wurden die Münchner Meister, verloren allerdings im DFB-Pokalfinale im Elfmeterschießen gegen Werder Bremen und im legendären Champions-League-Endspiel in Barcelona durch zwei Tore in der Nachspielzeit 1:2 gegen Manchester United.
"Letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt gab es schon mehr zu tun", meinte Neuer mit Blick auf die Schwerstarbeit, die er noch vor wenigen Monaten bei den Königsblauen verrichten musste. Jetzt muss er sich – nicht nur in der feindseligen Atmosphäre seiner alten Heimat – vor allem darauf konzentrieren, konzentriert zu bleiben. Währenddessen kann er die Ballstafetten seiner Vorderleute bewundern, die von Spiel zu Spiel an Präzision gewinnen.
Und geht der Ball doch einmal verloren, arbeiten alle zehn vor ihm daran, den Weg zu seinem Tor zu versperren. "Der Ball läuft gut, und hinten stehen wir beängstigend gut", urteilte Torschütze Thomas Müller (75.) und fügte schmunzelnd an: "Für den Gegner."
"Das war fast perfekt"
Wie vorher schon Hamburg, Kaiserlautern oder Freiburg in der Bundesliga oder der FC Villarreal in der Champions League ergaben sich die Schalker in ihr Schicksal und beschränkten sich in der zweiten Hälfte auf die Rolle des staunenden Zuschauers. "Wir hatten gefühlt 80 Prozent Ballbesitz, das war fast perfekt", meinte Mittelfeldspieler Toni Kroos.
Einzig Bastian Schweinsteiger fand noch einen Makel im Spiel der Bayern: "Leider haben wir nicht frühzeitig das 2:0 erzielt. Wenn wir unsere Tore noch schneller machen würden, wäre es noch einfacher für uns." Und noch aussichtsloser für die Konkurrenz.
Müller fühlte sich schon an die Rückrunde der ersten Saison unter Louis van Gaal erinnert, als die Münchner zum Double und ins Champions-League-Finale stürmten – mit einem Unterschied auf der Trainerbank. Jupp Heynckes schaffe es, "an uns ranzukommen. Er bringt seine Sachen gut rüber. Es ist ein gutes Gefühl, mit ihm zu arbeiten".
Ribery blüht auf
Was der 66-Jährige mit den Bayern gemacht hat, lässt sich bei Franck Ribery besichtigen. Dass der Franzose offensiv allerhöchsten Ansprüchen genügt, ist bekannt und bewies sich bei der genialen Vorarbeit zum 1:0 durch Nils Petersen (21.) einmal mehr. Doch Ribery kann auch anders. "Franck spielt nach vorne weltklasse und nach hinten noch besser", lobte Heynckes und fügte an: "Das hat er letzte Saison so nicht gemacht."
Angesichts der beeindruckenden Dominanz seines Teams musste sich der Trainer sogar fragen lassen, ob denn noch Platz für Arjen Robben sei. "Wenn er zurückkommt, wird er sich so einfügen wie Franck", prophezeite Heynckes und machte der Liga noch ein wenig mehr Angst: "Es kann noch besser werden. Da ist noch Luft nach oben."
Dass am Ende zumindest die 23. deutsche Meisterschaft stehen wird, ist für Heldt schon ausgemachte Sache. "Es wird schwer für jeden, da mitzuhalten", sagte der Schalker Sportdirektor, "es funktioniert jedes Rädchen." Von Titeln will Bayern-Manager Christian Nerlinger noch nichts hören: "Es ist zu früh, um darüber zu sprechen. Aber wenn wir Schritt für Schritt weitergehen, dann ist einiges drin."
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