Nach 7:0-Gala gegen Hannover: Bayern verspotten Schalke: "Nur gucken"
zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 - 11:57München (RPO). Bayern München ist mit seinem überragenden Star Arjen Robben auf der Zielgeraden der Bundesliga-Saison in Galaform, glaubt mehr denn je ans Triple und hat für Verfolger Schalke nur noch Spott übrig. "Es gab da mal einen Spot eines Schalker Sponsors: Nur gucken, nicht anfassen! Damit ist doch alles gesagt", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und stichelte nach dem höchsten Ligasieg seit 20 Jahren in Richtung Gelsenkirchen.
Die Knappen durften die Meisterschale seit 1958 nicht mehr in Händen halten, die Bayern reckten die "Salatschüssel" seitdem 20-mal hoch. Angesichts der 7:0-Gala gegen die - allerdings überforderten - Niedersachsen von Hannover 96 und der zwei Punkte Vorsprung auf Schalke wächst bei den Münchnern die Zuversicht, dass es am 8. Mai wieder soweit ist. "Das war Spaß auf dem Rasen - Spaß für die Fans, aber auch Spaß für den Trainer", sagte Bayern-Coach Louis van Gaal.
Allen voran Robben hat die 69.000 Zuschauer und van Gaal mal wieder verzückt - nicht nur wegen der drei Tore (30./50./90.+1). Die meisten Torschüsse (7), die meisten Vorlagen (5), Zuckerpässe, Zauberei - Robben war überall. "Arjen kann den Unterschied machen", lobte van Gaal. Das treffe zwar auf Franck Ribery oder den zweimal erfolgreichen Thomas Müller (44./62.) ebenfalls zu, meinte er. Doch in diesen entscheidenden Wochen ist es immer wieder Robben, der den FCB den Zielen näher bringt. Wie auf Schalke, wie in Manchester.
Und am Mittwoch auch im Halbfinal-Hinspiel gegen Lyon? "Dieses Spiel war gut für den Geist, gut für Mittwoch. Das gibt uns großes Selbstvertrauen", sagte Robben. Das werden die Bayern gegen den siebenmaligen französischen Meister sehr gut gebrauchen können, gegen einen "Gegner auf Augenhöhe", wie Rummenigge betonte - ein anderes Kaliber also als der wehrlose Abstiegskandidat Hannover.
Den zerlegte der Tabellenführer nach allen Regeln der Kunst. Rummenigge sah "Vollgas von der ersten Sekunde an", van Gaal lobte: "Wir haben den Ball richtig laufen lassen, das war das Wichtigste." Neben Robben mit seinen Saisontoren 12 bis 14 und Müller schoss sich auch Ivica Olic (21./49.) für Olympique warm. Der Delegation aus Lyon, das 2:2 bei Girondins Bordeaux spielte, dürfte es auf der Tribüne mulmig geworden sein. "Wenn man die Bayern spielen lässt, sind sie nicht aufzuhalten", warnte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke.
Bei konsequenter Chancenverwertung wäre sogar ein zweistelliger Sieg möglich gewesen. Doch der gnädige van Gaal wies seine Profis an, sich zu schonen. "Ich habe angesagt, dass es ausreichend ist - wegen Lyon." Ribery, Olic und Bastian Schweinsteiger nahm er deshalb vorzeitig vom Feld, doch es reichte noch zum höchsten Liga-Sieg seit dem 7:0 gegen Wattenscheid 09 am 24. November 1990. Einziger kleiner Wermutstropfen: Kapitän Mark van Bommel sah seine zehnte Gelbe Karte und fehlt am Samstag bei Borussia Mönchengladbach.
"Wir haben gezeigt, welche Qualität wir haben", sagte Philipp Lahm, und Schweinsteiger sprach gar von der "charakterlich stärksten Mannschaft, in der ich je gespielt habe". Dennoch: Erreicht sei ja noch nichts, betonten alle brav. Träumen von drei Titeln sei daher "mit Sicherheit nicht" (Lahm) das Gebot der Stunde. An das Triple zu glauben reicht ja einstweilen auch.
96 glaubt ebenfalls - an den Klassenerhalt. Trotz allem. "Wir sind einen Punkt hinter Relegationsplatz 16, daran müssen wir uns jetzt festhalten", sagte Schmadtke. Trainer Mirko Slomka kündigte nach einer Aussprache mit dem Team in der Kabine an: "Wir werden wieder aufstehen und uns gegen Leverkusen anders präsentieren." Das ist auch bitter nötig. "Wir müssen uns in vielen Bereichen verbessern", sagte Schmadtke. Er hätte auch "in allen" sagen können.
Bei Slomka hat die Pleite offenbar tiefere Spuren hinterlassen. "Für die erste Liga habe ich einen laufenden Vertrag. Es ist aber nicht so, dass ich sage: Ich bleibe auf jeden Fall", sagte er: "Man muss nochmal über einige Dinge diskutieren, die da abgelaufen sind. Wir müssen in mehr Qualität investieren." Mit den vorhandenen Profis diskutierte er auf der Heimreise die unmittelbare Zukunft, wegen der Aschewolke über Europa im Bus. "Wir haben sieben, acht Stunden Zeit, das alles aufzuarbeiten", sagte er.
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